Energie & Umwelt

25 Jahre nach Tschernobyl – und 235 Milliarden Dollar später

Fast auf den Tag genau vor 25 Jahren, in der Nacht zum 26. April 1986 um 01:24 Uhr, explodierte in der Ukraine der Reaktor 4 des AKW Tschernobyl. Dadurch wurde das Dach des Reaktorgebäudes weggesprengt und über 1.500 Tonnen hoch brennbares Graphit gerieten in Brand. Aufgrund eines konstruktionsbedingt fehlenden inneren Sicherheitsbehälters (Containment) riss der gewaltige Feuersturm die radioaktiven Partikel ungehindert kilometerweit in die Höhe, wo sie von den Winden über weite Teile der Sowjetunion und Europas verteilt wurden. Die bis dato schwerste Katastrophe der zivilen Atomkraft hat gesamtgesellschaftliche und wirtschaftliche Folgeschäden von geschätzten 235 Milliarden Dollar verursacht. 5 Prozent des ukrainischen und 23 Prozent des weißrussischen Territoriums wurden mit Casium-137 radioaktiv kontaminiert. Allein Belarus leitet laut dem Vertreter der weißrussischen Botschaft in Berlin, Andrei Schuplak, jährlich 10-25 Prozent der Haushaltsmittel in die Überwindung der Folgeschäden. Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch hat nun die Weltgemeinschaft zu einer gemeinsamen Lösung des Tschernobyl-Problems aufgerufen – denn die weiteren Anstrengungen würden das Land alleine überfordern. Demnach werden erneut 1,6 Milliarden Euro für die Umsetzung weiterer Tschernobyl-Projekte benötigt. Allein für den neuesten Stahlbeton Sarkophag um den zerstörten Reaktorblock fehlen noch 740 Millionen Euro. Der zerstörte Reaktor 4 soll dabei mit einem zusätzlichen 105 Meter hohen, 260 Meter breiten und 250 Meter langen Sarkophag überzogen werden, der über die bisherige Schutzhülle gezogen wird, da diese sich als nicht dicht genug herausgestellt hat. Die Gesamtkosten allein für das Umhüllungsprojekt belaufen sich auf insgesamt 1,54 Milliarden Dollar. Auf der Geberländer-Konferenz in der Ukraine sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso nun weitere Hilfen in Höhe von 110 Millionen Euro zu, Russland steuert seinerseits 45 Millionen Euro bei. (Der Block 1 des AKW Tschernobyl ging erst 1996 vom Netz, Block 3 sogar erst im Jahr 2000, 14 Jahre nach dem Super-GAU, bis dahin wurden ganz „normale“ Schichten in dem AKW gefahren.)
 

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