Wirtschaft

75% des Stellenzuwachses 2010 Leiharbeit und befristete Jobs

Der starke Beschäftigungszuwachs im Jahr 2010 entfiel mit 75% zum größten Teil auf die Zeitarbeit und befristete Jobs – sogenannte atypische Beschäftigungsverhältnisse. Die Zahl der abhängig Beschäftigten legte laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) um 322.000 zu, davon entfielen 182.000 (57%) auf die Zeitarbeit. Befristete und geringfügig Beschäftigte sowie Teilzeitarbeit mit maximal 20 Arbeitsstunden hinzugerechnet waren mehr als drei Viertel der neuen Stellen solche atypischen Beschäftigungsformen. Die Zeitarbeit und befristete Beschäftigung wird dabei von den Unternehmen in erster Linie genutzt, um konjunkturelle Schwankungen auszugleichen: Im Krisenjahr 2009 war die Zahl der atypisch Beschäftigten um 129.000 gesunken. 2010 stieg sie dann wieder um 243.000 auf 7,84 Millionen. Im Herbst 2010 waren insgesamt 923.000 Arbeitnehmer in der Zeitarbeitsbranche beschäftigt. Der Bundesverband Zeitarbeit rechnet im Jahresverlauf mit einem Zuwachs auf über eine Million. Dabei zeigt sich auch ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern: Bei Frauen stiegen die normalen Beschäftigungsverhältnisse zwischen dem Krisenjahr 2009 und dem Boomjahr 2010 um 122.000 Stellen an, die Zahl der atypischen Jobs hingegen nur um 72.000. Bei Männern hingegen wurden 44.000 unbefristete Arbeitsplätze abgebaut, während gleichzeitig die Zahl atypischer Beschäftigungen im 171.000 stieg.

Die Zeitarbeitsbranche muss sich regelmäßig des Vorwurfs des Lohndumpings erwehren. Demnach stehen für einige Unternehmer nicht die Flexibilität für Auftragsspitzen im Vordergrund, sondern das Umgehen von tariflichen Leistungen und das Absenken des Lohnniveaus: Laut Manpower-Chefin Vera Calasan (in einem Statement von Anfang Juli) werden Zeitarbeiter in Deutschland allerdings über kurz oder lang genauso viel verdienen wie Stammkräfte. „Die Grundforderung ist ja nicht verkehrt. Das Problem ist die Umsetzung. Man muss es schrittweise machen und nicht überstürzt.“ Manpower bereite sich bereits „in Pilotregionen“ auf „Equal Pay“ vor.

Mitte April hatte bereits Patrick De Maeseneire, Chef des weltgrößten Personalvermittlers Adecco, eine gleiche Entlohnung von Leiharbeitern und Stammkräften als realistisch bezeichnet. Im Gegenzug müsste laut De Maeseneire allerdings dann die Flexibilität erhöht werden. Er verwies dabei auf das Nachbarland Frankreich, wo das Equal Pay Prinzip des gleichen Lohns für gleiche Arbeit bereits ähnlich wie in den Niederlanden umgesetzt wird, allerdings die Zeitarbeiter nur auf wöchentlicher Basis beschäftigt und entlohnt werden. Dieser Ansatz ist in Deutschland bislang jedoch noch nicht möglich.

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