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Agiles Projektmanagement für beschleunigte Märkte: Schneller bessere Produkte entwickeln

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Immer besser, immer schneller: So soll die Produktentwicklung von statten gehen. Doch althergebrachte Methoden des Projektmanagements sind nur schlecht in der Lage, auf sich rasch ändernde Rahmenbedingungen zu reagieren. Langfristige Planungshorizonte und Abstimmungsprozesse sind zu träge für die immer schnelleren Innovationszyklen. Unternehmen sollten bei der Produktentwicklung deshalb verstärkt auf agiles Projektmanagement setzen. Was Sie dabei beachten sollten, erklärt Thomas Ring im AGITANO-Interview.

 

Mehr Flexibilität durch agiles Projektmanagement

Wieso brauchen wir heute mehr Flexibilität und Agilität im Projektmanagement als noch vor 20 Jahren?

Schon seit etwa zehn Jahren erleben wir, dass Innovationszyklen immer kürzer werden. In immer schnelleren Abständen kommen neue Produkte auf den Markt und verdrängen alte. Mit der Digitalisierung hat sich dieser Trend erneut beschleunigt.

Deshalb müssen Unternehmen bei der Entwicklung von Produkten schneller werden. Das geht am besten mit agilem Projektmanagement, das nach dem Prinzip „Always Beta“ funktioniert: Produkte werden schnell in einer Rohversion zur Marktreife gebracht und dann in iterativen Zyklen weiterentwickelt. So sind Nachbesserungen und Optimierung in enger Abstimmung mit den Kunden möglich.

Was sind die Vorteile von agilem Projektmanagement gegenüber dem klassischen „Wasserfall“?

Agiles Projektmanagement ermöglicht eine engere Anbindung zum Kunden: Denn in regelmäßigen Abständen wird der Entwicklungsstatus mit dem Kunden besprochen. So kann einfacher nachjustiert werden und die Kundenzufriedenheit steigt.

Außerdem gelangen Produkte schneller zur Marktreife, weil man nach dem Prinzip „Better done than perfect“ arbeitet – oder eben „Always beta“, wie ich bereits sagte.

Zudem steigt die Flexibilität. Der iterative Prozess macht es möglich, kurzfristig auf veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren. Denn die Entwicklerteams überprüfen ja regelmäßig den Status quo. Dann gibt es auch Gelegenheit zum Nachsteuern. Das habe ich auch in meinem Beitrag auf dem mmc Magazin Agile Management statt Wasserfall: schneller und flexibler zur Marktreife detailliert ausgeführt.

Mitarbeiterzentrierung durch Agilität

Welche Vorteile hat agiles Projektmanagement für die Mitarbeiter?

Die einzelnen Teams haben beim agile Management mehr Freiheiten und mehr Eigenverantwortung. Sie sind nicht wie beim klassischen Projektmanagement an langfristige Pläne gebunden, sondern können ihre Ideen und Vorschläge immer wieder einbringen. Viele Dinge fallen ja erst auf, wenn man bereits im Prozess steckt. So kann sich die fachliche Kompetenz jedes Einzelnen voll entfalten. Während der Sprints, wie es bei Scrum heißt, arbeiten die Teams weitgehend selbstständig.

Der Projektmanager übernimmt eine moderierende Funktion und hat die Aufgabe, Infrastruktur und Kommunikationsmöglichkeiten zu sichern oder Konflikte zu lösen. Er hat also die Rolle einer modernen Führungskraft, die eher Ansprechpartner für Probleme als Weisungsgeber ist.

Wie schaffen es Unternehmen, auf agiles Projektmanagement umzustellen?

Auf agiles Projektmanagement umzustellen ist auch eine kulturelle Frage. Unternehmen sollten deshalb einen umfassenden Change-Prozess durchlaufen, wenn sie agile Management etablieren wollen. Denn Management-Methoden sind zentraler Bestandteil der Unternehmenskultur und hängen eng mit anderen Faktoren wie z.B. Mitarbeiterführung zusammen. Konkret müssen folgende Anforderungen erfüllt sein:

  1. Transparenz: Informationen, Wissen und Ergebnisse werden geteilt und gemeinsam weiter entwickelt. Es gibt keine Hierarchie beim Informationszugang.
  2. Vernetzung: Entwicklerteams untereinander sowie mit dem Management müssen miteinander kommunizieren – physisch oder virtuell.
  3. Offene Fehlerkultur: Fehler dürfen nicht verteufelt werden, denn sie bieten die unschätzbare Möglichkeit zu lernen. Durch die iterativen Prozesse ist auch deren schnelle Behebung möglich.
Thomas Ring, mmc AG, Managementberater, Consulting, Managementberatung
Thomas Ring, Partner und Vorstand der mmc AG (Bild: © mmc AG)

Ein Vorgehen nach Schema F ist deshalb auch bei der Etablierung von agilem Projektmanagement nicht unbedingt sinnvoll. Jedes Unternehmen muss individuell prüfen, welche Aspekte für es sinnvoll sind. Agilität ist kein methodisches Dogma, sondern bietet mehr Flexibilität und mehr Schnelligkeit!

Herr Ring, ich danke Ihnen herzlich für das interessante Gespräch.

Das Interview mit Thomas Ring, Partner und Vorstand der mmc AG, führte Dr. Katja Heumader, Redakteurin AGITANO.

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Katja Heumader

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