Wirtschaft

AGITANO-Informationsdienst für KMU: Ausgabe Februar

Der AGITANO-Informationsdienst für KMU fasst das Nachrichtenaufkommen eines Monats übersichtlich und auf die wesentlichen Fakten gekürzt zusammen. Er informiert über die Wirtschaftspolitik in Schwaben, Bayern und Deutschland und über die wichtigsten Entwicklungen im internationalen Umfeld. Die Innovationsnachrichten, sowie die Rubriken „Spezial“ gewährleisten zudem, sich rechtzeitig auf bedeutende Neuerungen und Entwicklungen einstellen zu können. Der Informationsdienst für KMU erscheint immer am ersten Donnerstag eines Monats. Umfassend und kurz, auf Daten und Fakten reduziert, mit Hintergrundinformationen angereichert. Den vollständigen Monatsdienst finden Sie als pdf hier.

 

Schwaben und Bayern:

 

Schwäbische Wirtschaft in guter Stimmung – regionaler Binnenmarkt zieht an:
Laut der aktuellen Konjunktur-Umfrage der IHK Schwaben befindet sich die schwäbische Wirtschaft zur Jahreswende weiterhin in einem kräftigen Aufschwung. Insgesamt 70% der befragten Unternehmen berichten von einer guten Geschäftslage und gestiegenen Umsatzzahlen, 47% sogar von einer blendenden Geschäftslage (Herbstumfrage: 45%), negative Bewertungen gab es nur in Einzelfällen. 52% berichten zudem von einem weiter gestiegenen Auftragsvolumen zum Jahresende. Aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive erfreulich ist auch die Entwicklung des schä-bischen Binnenmarktes, der mittlerweile ein ausgewogenes Kräfte-Verhältnis zum Export erreicht hat. Das Wachstum dürfte sich in 2011 weiter fortsetzen: 60% rechnen mit einer unveränderten Konjunktur-Situation, 32% erwarten sogar eine weitere Zunahme der Geschäftstätigkeit.

 

Rekordjahr bei Förderkrediten für den bayerischen Mittelstand:
Die LfA Förderbank Bayern hat im Gesamtjahr 2010 rund 1,7 Mrd. Euro an zinsgünstigen Förderkrediten für über 6.400 mittelständische Firmen zugesagt. Das ist der höchste Wert seit zehn Jahren und liegt 57% über dem Vorjahr. Am gefragtesten waren Finanzierungshilfen bei nachhaltigen Investitionen: 90% der Förderkredite flossen in Zukunftsinvestitionen wie Gründungen, Betriebserweiterungen, Modernisierungen und Umweltschutzmaßnahmen. Das größte Volumen entfiel dabei mit über eine Milliarde Euro auf das staatliche Mittelstandskredit-Programm. Die Förderkredite der LfA werden grundsätzlich bei den Hausbanken der Unternehmen beantragt und über diese dann auch ausgereicht.

 

Bayerische Mittelständler können 2011 vom doppelten Abi-Jahrgang profitieren:
In diesem Jahr werden in Bayern zwei Abiturjahrgänge die Schulen verlassen (die erste G8-Generation). Zusammen mit der Aussetzung der Wehrpflicht werden somit rund 7.000 Schüler zusätzlich auf den bayerischen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt kommen. Dadurch bietet sich Unternehmen eine große Chance, qualifizierte künftige Fachkräfte zu sichern, indem sie entsprechende Ausbildungs- und Qualifizierungsangebote einrichten und frühzeitig auf die Abiturient(in)en zugehen. Der doppelte Abiturientenjahrgang mildert somit vorübergehend den drohenden Fachkräftemangel: rund 4.000 Ausbildungsstellen blieben 2010 unbesetzt.

 

Positive Zwischenbilanz bei der bayerischen Exportförderung von KMU:
Das Außenwirtschaftszentrum Bayern (AWZ) in Nürnberg feiert sein zehnjähriges Bestehen. In diesem Zeitraum wurden in insgesamt 150 Projekten rund 14.000 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) unterstützt und Hilfe bei der Erschließung von Auslandsmärkten geboten. Wirtschaftsminister Zeil würdigte die AWZ als „Schlüssel zum Erfolg in der bayerischen Außenwirtschaftsförderung“. Dadurch würden Umsätze gesteigert und zahlreiche Arbeitsplätze im bayerischen Mittelstand gesichert. Als wichtigstes Förderinstrument habe sich dabei das 2004 gestartete Projekt „Fit für Auslandsmärkte – Go International“ (www.go-international.de) herausgestellt. Dabei werden KMU individuell von ehemaligen Managern mit langjähriger Berufserfahrung im Auslandsgeschäft gecoacht und gemeinsam ein maßgeschneidertes Programm zur Internationalisierung erarbeitet. Das soll den Einstieg in neue Märkte erleichtern und unnötige, teure Fehler vermieden helfen. In dem Zeitraum Januar bis Oktober 2010 stiegen die bayerischen Exporte um 17,6% auf 119,6 Mrd. Euro. Allerdings sei das Potential vor allem der kleinen und mittleren Unternehmen noch lange nicht voll ausgeschöpft.

 

Umweltpartnerschaft Bayerns mit São Paulo geht in die Realisierungsrunde:
Seit 2004 gibt es eine enge Zusammenarbeit zwischen Bayern und der brasilianischen Metropolregion São Paulo in den Bereichen erneuerbarer Energien und einem modernen Abfallwirtschaftskonzept. Durch eine Zusatzvereinbarung wird die erfolgreiche Zusammenarbeit beider Länder nun weiter ausgebaut. Die verstärkte Kooperationsvereinbarung soll die Exportchancen bayerischer Unternehmen aus dem Bereich der Abfallwirtschaft und dem Gebiet weiterer Umwelttechnologien fördern. Die 20 Millionen Metropole Sao Paulo wiederum plant große Investitionen: In dem prosperierenden Schwellenland Brasilien finden 2014 die Fußball Weltmeisterschaft und 2016 die Olympischen Spiele statt.

 

Bewerbungsphase für bayerischen Mittelstandspreis 2011 geht bis 31. März:
Der bayerische Mittelstandspreis „Bayerns Best 50“ wurde zum zehnten Mal erneut ausgelobt, die Bewerbungsphase läuft bis 31. März (www.bb50.de). Dabei werden herausragende unternehmerische Leistungen im Mittelstand ausgezeichnet. Kernkriterien sind das Wachstum bei Umsatz- und Mitarbeiterzahlen. Ein herausragendes Engagement bei der Ausbildung wird erneut mit einem Sonderpreis gewürdigt.

 

Innovationspreis für schwäbischen Fugenmörtel:
Die Augsburger PCI (Poly-Chemie-Ingenieurgesellschaft mbH) hat für die hohe architektonische Qualität ihres neu entwickelten Fugenmörtels PCI Geofug auf der Messe BAU 2011 den „Innovationspreis Architektur und Bauwesen“ erhalten. Die wesentliche Neuerung basiert auf der Integration der Geopolymer-Technologie in die Entwicklung. Geopolymere sind eng mit natürlichen Gesteinen verwandt. Sie bestehen aus mineralischen Bausteinen, weisen einen hohen Härtegrad auf und sind ausgesprochen haltbar. Mittels molekularem Design gelang es nun auf Basis solcher Geopolymere, einen Fugenmörtel zu entwickeln, dessen hygienische Oberfläche sich nahezu von selbst reinigt. Damit werden funktionale, monolithische Flächen mit hoher Belastbarkeit und einem Mehrwert in der Endnutzung ermöglicht.

 

Mittelstandsnachrichten:

 

BVMW-Mittelstandsumfrage mit optimistischem Ausblick auf 2011:
Eine Umfrage des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) hat einen durchwegs positiven Ausblick auf 2011 ergeben: 42% der mittelständischen Unternehmen gehen von einer gleich bleibend guten Geschäftslage aus, 50% erwarten sogar, dass sich ihre Geschäftslage im ersten Halbjahr weiter verbessert. Ähnlich auch die Investitionen: 45% wollen ihre Investitionen auf dem Niveau von 2010 halten, 39% planen ihr Investitionsvolumen 2011 weiter zu steigern. Der positive Ausblick dürfte sich auch auf den Arbeitsmarkt niederschlagen: 41% der Mittelständler planen zusätzliche Arbeitskräfte einzustellen, 53% will die Mitarbeiterzahl zumindest stabil halten. BVMW-Präsident Mario Ohoven rechnet entsprechend der positiven Grundstimmung auch mit einem robusten Wirtschaftswachstum von 2,5% und einem Rückgang der Arbeitslosenzahl auf 2,5 Millionen.

 

Mittelstand ist auch in der Kapitalbasis gestärkt aus der Krise gekommen: 
Nach Daten der „Diagnose Mittelstand 2011“ des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) stieg die Eigenkapitalquote der mittelständischen Unternehmen im Schnitt von 12,8 auf 15,6%. Die immer wieder befürchtete "Kernschmelze der Kapitalbasis" sei demnach ausgeblieben. Während der Krise war die Umsatzrentabilität von 6,6 auf 5,3% gesunken und der Personalaufwand von 18,4% auf knapp 20% gestiegen.

 

Vier-Tage-Schnellverfahren für mittelständische Exportkreditgarantien eingeführt:
Die Bundesregierung hat das Verfahren zur Übernahme von Exportkreditgarantien (sogenannte Hermesdeckungen) für die Finanzierung von mittelständischen Exportgeschäften deutlich beschleunigt. Die Entscheidung über eine Absicherung der Exportfinanzierung soll künftig innerhalb von vier Bankarbeitstagen fallen. Die Finanzkreditdeckung „express“ können alle nutzen, die einfach strukturierte Exportgeschäfte mit einem Auftragsvolumen von bis zu 5 Mio. Euro durch einen Bestellerkredit bei einer Bank finanzieren, die einen Rahmenvereinbarung mit dem Bund geschlossen hat. Die Kreditlaufzeit darf fünf Jahre nicht überschreiten (siehe www.bmwi.de).

 

Gesetzliche Auflagen zur Email-Archivierung von KMU häufig missachtet:
Laut der Internetagentur „billiton internet services“ missachten viele mittelständischen Unternehmen die gesetzlichen Auflagen zur Emailarchivierung: Alle E-Mails, die in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der Anbahnung, Abwicklung und Administration eines geschäftlichen Vorgangs stehen, müssen sechs Jahre aufbewahrt werden. Rechnungen, Verträge und alle buchhaltungsrelevanten Inhalte sogar zehn Jahre lang. Bei Verstößen gegen das seit 2002 geltende Gesetz aufgrund falscher Speicherung kann es kostspielig werden. Darüber hinaus sind Vorgaben zu beachten, die die korrekte Form der abgespeicherten Inhalte betreffen. Dies sei eben nicht nur eine reine Speicherung, sondern eine Archivierung wie im Originalzustand.

 

Wettbewerb Deutscher Nachhaltigkeitspreis:
Vom 1. Februar bis zum 15. Mai 2011 findet zum vierten Mal der Wettbewerb „Deutscher Nachhaltigkeitspreis“ statt. Der Wettbewerb wird von der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V. ausgerichtet, unter Beteiligung der Bundesregierung, des Rats für Nachhaltige Entwicklung, mehreren Wirtschaftsverbänden, Einrichtungen der Forschung und zivilgesellschaftliche Organisationen. Der Nachhaltigkeitspreis wird in insgesamt sieben Kategorien verliehen (aus Unternehmen / Produkte / Personen / Marken) und ist ein deutliches Plus beim Marketing und in der PR. (www.deutscher-nachhaltigkeitspreis.de)

 

Deutschland:

 

Deutsche Wirtschaft wuchs 2010 um 3,6%, Staatsschulden um 3,5%:
Nach einer ersten Schätzung des statistischen Bundesamtes hat die deutsche Wirtschaft 2010 um 3,6% zugelegt, das stärkste Wachstum seit der Wiedervereinigung. Im Krisenjahr zuvor war die Wirtschaft noch mit -4,7% eingebrochen – stärker als selbst die USA. Da der Einbruch vor allem bei dem stark von der Weltkonjunktur abhängigen Export auftrat, war hier nun auch 2010 die stärkste Erholung zu erkennen: Der Export legte um 14,2% zu, die Konsumausgaben hingegen nur um 0,5%. Die Zahl der Beschäftigten hat mit 40,5 Millionen den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung erreicht (+212.000). Allerdings stieg auch die öffentliche Verschuldung weiter an: Nach einer Defizitquote 2009 von 3,0% (72,7 Mrd. Euro) stieg die Neuverschuldung auf 3,5% (88,57 Mrd. Euro). Aufgrund von Konjunkturprogrammen und der Abwrackprämie erhöhten sich 2010 die staatlichen Subventionen auf rund 164 Mrd. Euro, nach 162 Mrd. in 2009 und 146 Mrd. Euro in 2008 (Daten: Kieler Instituts für Weltwirtschaft IfW). Die Bundesregierung geht von einem enger gefassten Subventionsbegriff aus und weist in ihrem Subventionsbericht lediglich die Summe von 30 Mrd. Euro aus.

 

Prognosen erwarten deutsches Wirtschaftswachstum von 2,2 bis 3,1% in 2011:
In dem jüngsten Ausblick des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird ein Wachstum der deutschen Wirtschaft von 2,2% erwartet. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) geht gar von 2,5% aus, der Chefvolkswirt der Hamburger Privatbank M.M. Warburg & CO, Carsten Klude, sogar von 3,1%. Rund zwei Drittel dieses Wachstums dürften dabei auf die Industrie zurückgehen. Allerdings dürfte auch der private Konsum in 2011 weiter zulegen: Die Zahl der Erwerbstätigen steigt, die Aussichten für den Arbeitsmarkt sind positiv und das Konsumklima ist laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg auf dem höchsten Stand seit Oktober 2007.

 

Schwarzarbeit in Deutschland sinkt auf niedrigsten Wert seit 1995:
Laut dem Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) ist die Schwarzarbeit auf den niedrigsten Stand seit 1995 gefallen. Insgesamt wurden 2010 in der Schwarzarbeit rund 347,6 Mrd. Euro umgesetzt (minus 4,2 Mrd. Euro). Die Schattenwirtschaft hatte damit 2010 einen Anteil von knapp 14% des Bruttoinlandsprodukts. Hintergrund sei, dass durch den Aufschwung viele Menschen einen regulären Arbeitsplatz gefunden hätten. Laut der IAW-Erhebung macht dabei der in bar entgoltene Arbeitseinsatz rund 40% der Schattenwirtschaft aus, rund 30% gehen auf illegale Geschäfte wie Drogenhandel und Glücksspiel zurück, gut 20% entfallen auf den Materialeinsatz ohne Rechnung und etwa 10% seien statistisch nicht erfasste landwirtschaftliche Erzeugnisse. 80% der Schwarzarbeit entfallen dabei auf Hausbau, Hausarbeiten, Kfz-Reparatur, Gastronomie, Schönheitspflege und Nachhilfe / Kinderbetreuung. Die restlichen 20% verteilen sich auf Alten- und Krankenpflege, gehobene Dienstleistungen, Industrie und Einzelhandel.

 

Kartellamt scheitert bei Überprüfung des Strompreises:
Das Kartellamt hat über zwei Jahre mehr als 300 Millionen Daten von 80 Unternehmen und 340 Kraftwerken aus den Jahren 2007 und 2008 überprüft – und kapituliert: Ob ein Missbrauch der Marktmacht der „großen Vier“ (80% der Kapazitäten entfallen auf RWE, Eon, EnBW und Vattenfall) vorliege, wisse man schlichtweg nicht: Ein Missbrauch sei nicht nachzuweisen, allerdings wurden etliche Daten zuvor bereits gelöscht. Ein Freibrief für die Stromkonzerne ist das Ergebnis der Sektoruntersuchung des Bundeskartellamts laut dessen Präsidenten Andreas Mundt indes nicht. Der Vorwurf war, die Konzerne hielten das Stromangebot künstlich knapp, um die Preise hoch zu treiben. Diese Preismanipulationen lies sich nicht nachweisen: Verdächtige Kraftwerksstillstände hatten lediglich einen sehr geringen Anteil von 0,5% der Kraftwerksleistung. Allerdings war auffällig, dass durchschnittlich rund 25% der Erzeugungskapazitäten wegen technischer Restriktionen nicht verfügbar waren – ein laut Mundt sehr hoher Anteil. Es sei nicht auszuschließen, dass hier im Einzelfall technische Schwierigkeiten vorgeschoben worden seien. Dies lasse sich mit den der Behörde derzeit zur Verfügung stehenden Mitteln jedoch nicht überprüfen. Mundt wertet auch die Wettbewerbssituation auf dem Markt für den erstmaligen Absatz von Strom weiterhin als unbefriedigend.

 

Wirtschaftsminister hofft auf Discounter im Preiskampf gegen Ölmultis:
Bundesregierung und Verbraucherschützer kritisieren regelmäßig die Mineralölkonzerne wegen der hohen Benzinpreise. Allerdings sind die Kräfteverhältnisse klar verteilt, die Ölbranche ist eine der einflussreichsten der Welt. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle erhofft sich nun eine mächtige Unterstützung: Die Discounterriesen Aldi und Lidl sollen es richten. Sie sollen künftig auch Tankstellen anbieten und damit den Preiskampf anheizen. Aufgrund der mitunter willkürlich anmutenden Preisspiralen brachte der saarländische SPD-Chef Heiko Maas staatlich verordnete Höchstpreise bei Benzin, Öl und Gas nach dem Vorbild des reichen Nachbarn Luxemburg ins Spiel. Diese können zwar auch variieren, aber nur in der Bandbreite ihres tatsächlichen Wertes.

 

Deutsche Frauen weniger mächtig als Französinnen:
Die Deutsche Wirtschaftselite traut den hiesigen Frauen nicht. Über 90% der 100 größten einheimischen Unternehmen haben keine einzige Frau im Vorstand. Der Frauenanteil in den Vorständen der 200 größten Unternehmen liegt gerade einmal bei 3,2%, in den größten 100 sowie in den Dax-30-Konzernen sogar nur bei 2,2% (= vier Frauen). Dabei vertragen sich offenbar auch Geld und Frauen nicht sonderlich gut: In der Finanzbranche sind zwar mehr als die Hälfte der Beschäftigten weiblich, in den Vorständen nehmen sie allerdings nur 2,9% der Sitze ein, bei den Versicherungen sind es 2,5%. DIW-Expertin Elke Holst: „Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass freiwillige Selbstverpflichtungen wie bisher nicht reichen.“ In Frankreich wurde beispielsweise Anfang des Monats eine 20% Quote innerhalb von 3 Jahren und eine 40% Quote innerhalb von 6 Jahren eingeführt. Norwegen hat bereits 2003 eine 40% Quote für die Verwaltungsräte beschlossen. Für die deutschen Unternehmen würde sich etwas mehr Geschlechtergerechtigkeit auch finanziell rechnen: Frauen verdienen in Deutschland für die gleiche Arbeit immer noch im Schnitt 23% weniger. Falls sich bis 2013 der Frauenanteil nun nicht deutlich erhöhen sollte, könnte es eine gesetzliche Regelung geben, heißt es aus dem Kanzleramt.

 

Rentendurchschnittsalter in Deutschland bei 63,2 Jahren:
Laut der Rentenstatistik für 2009 gingen 41,2% der Männer und 48,7% der Frauen vorzeitig in Altersrente und müssen dafür Abschläge hinnehmen. Trotz des gesetzlichen Rentenalters von 65 ging der Durchschnitt tatsächlich mit 63,2 Jahren in den Ruhestand, was eine durchschnittliche Reduzierung der Monatsrente in Höhe von 127,44 Euro zur Folge hat. Hintergrund seien sowohl der Wunsch nach dem Ruhestand, sowie auch die schlechten Beschäftigungschancen. Im Schnitt kamen die Männer auf eine Rente von 1060,28 Euro, Frauen auf 621,60 Euro.

 

Spezial: Euro-Krise:

 

Diskussion über Aufstockung des EU-Rettungsfonds:
EZB-Chef Jean-Claude Trichet sowie auch EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso haben sich erneut für eine Aufstockung des Euro-Rettungsfonds ausgesprochen. Die Europäische Zentralbank (EZB) will dabei den Schirm sowohl quantitativ als auch qualitativ verbessern. Hintergrund ist, dass bei der derzeitigen Kapitalausgestaltung des Rettungsschirms mit 750 Mrd. Euro, aufgrund der hohen Sicherheiten, die für das Toprating notwendig sind, nur 250 bis 260 Mrd. Euro vergeben werden können. Dies wäre allerdings für die viertgrößte Volkswirtschaft der EU, Spanien, mit rund 500 Mrd. Euro Staatsschulden zu wenig.
Die Finanzminister der EU-Mitgliedsstaaten hingegen lehnen eine finanzielle Ausweitung weiter ab – dazu bestehe momentan kein Anlass und würde die Märkte nur beunruhigen. Stattdessen soll jedoch ein Gesamtpaket ausgearbeitet werden, das ein ganzes Maßnahmenbündel enthält, um den Euro langfristig zu schützen. An einer Synchronisierung der nationalen Wirtschaftspolitiken wird dann kein Weg vorbei führen.
Dies unterstützt auch Bundeskanzlerin Merkel: Bei der Synchronisierung der nationalen Wirtschaftspolitiken gehe es vor allem „um mehr Gemeinsamkeit in der Steuer- und Sozialpolitik, um Arbeitsrecht und Lohnentwicklung im öffentlichen Dienst.“ Eine Rückkehr zur D-Mark schloss Merkel dabei ebenso kategorisch aus wie eine Aufspaltung der Euro-Zone in einen harten Norden und einen weichen Süden.

 

Portugal hat in 2010 überraschend „gut“ gehaushaltet:
Das mit rund 109% des BIP verschuldete Portugal vermeldet gute Neuigkeiten: Man habe 2010 deutlich mehr eingenommen als gedacht (+4,6%) und deutlich weniger ausgegeben als befürchtet (-3,7%). Damit sei das Haushaltsdefizit sogar noch unterhalb der ambitionierten 7,3% Marke gedrückt worden (2009: 9,4%). Für 2011 peilt Portugal eine weitere Reduktion des Defizits auf 4,3% an. Stellschrauben sind dabei vor allem eine Kürzung der Löhne und Gehälter im Öffentlichen Dienst sowie Steuererhöhungen.

 

Japan kauft 20% der Emissionen um den Euro zu stützen:
Japan hatte angekündigt, Europa bei der Euro- und Schuldenkrise zu helfen und rund 20% der Staatsanleihen in der Eurozone im Januar zu zeichnen. Damit will Japan nach eigenen Angaben auch das Vertrauen in den Euro-Rettungsschirm stärken. Daher sollen auch die ersten Anleihen des EU-Rettungsfonds (EFSF) gekauft werden.

 

Portugiesische, spanische und italienische Anleihen problemlos gezeichnet:
Portugal, Spanien und Italien konnten sich problemlos frisches Geld am Kapitalmarkt besorgen. Spanien, die viertgrößte Volkswirtschaft des Währungsraums muss mit 4,5% zudem deutlich weniger Zinsen für seine Anleihen zahlen als von Analysten im Vorfeld erwartet (4,8%). Auch die italienischen Staatsanleihen stießen auf ein überraschend starkes Interesse, allerdings stieg der Zinssatz für fünfjährige italienische Anleihen von 3,24 auf 3,67%. Die erfolgreichen Emissionen dämpften Spekulationen, dass nach Griechenland und Irland auch Portugal und möglicherweise sogar Spanien unter den EU-Rettungsschirm müssen. Experten rechnen nun mit einer weiteren Entspannung der Lage in der nächsten Zeit. Portugal, das für seine zehnjährigen Anleihen 6,7% Zinsen zahlen muss, hat kein Bankenproblem wie Irland und mit rund 109% Staatsverschuldung gemessen am BIP nicht ganz so extrem über die Verhältnisse gelebt wie Griechenland (135%), auch sind die Zahlen verlässlicher. Spanien wiederum hat mit unter 70% sogar eine niedrigere Staatsverschuldung als Deutschland (76%), auch haben die iberischen Exporte mittlerweile wieder angezogen und fast das Vorkrisenniveau erreicht.

 

EU-Rettungsfonds platziert erstmals eigene Anleihen, 8-fach überzeichnet:
Der Europäische Rettungsschirm EFSF will in den kommenden zwei Jahren bei mehreren Emissionen insgesamt 26,5 Mrd. Euro aufnehmen und in Form von Krediten an die betreffenden Länder wie Irland weiterreichen. Im Januar ist er nun erstmals als Einheit am Kapitalmarkt aufgetreten und hat erstmals (als „richtungweisend“ erwartetet) selbst direkt Anleihen platziert, um Geld bei Investoren einzusammeln. Das Interesse war enorm und die Anleihen mit einer Laufzeit von fünfeinhalb Jahren achtfach überzeichnet – womit das Vertrauen der rund 500 Anleger in den EFSF offenkundig war. Hintergrund waren auch erste positive Budgetprognosen der Euro-Problemländer. Die zu zahlenden Zinsen belaufen sich auf 2,7% (Deutschland für eine vergleichbaren Anleihe 2,3%). Größte Anleger waren Notenbanken, vor allem aus Asien und Südamerika.

 

EU will Banken-Stresstests verschärfen:
Die EU will bei den nächsten Stresstest für die europäischen Banken die Kriterien verschärfen. Demnach soll nun auch die Liquidität und die harte Kernkapitalquote berücksichtigt werden. So war beim letzten Test im Sommer 2010 kein einziges irisches Geldhaus durch den Test gefallen, obwohl die irische Finanzbranche schließlich den Staat in das finanzielle Milliardenfiasko stürzte und unter den EU-Rettungsschirm zwang. Auslöser bei den irischen Banken war die Liquidität. Ob die Stresstest-Daten dann allerdings auch veröffentlicht werden ist noch unklar. Aus der mächtigen Branche hat sich dagegen bereits Widerstand geregt.

 

Wirtschaftsweiser: Bankenrettung nicht Eurokrise Grund für Rettungsschirm:
Laut dem Vorsitzenden des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung („Wirtschaftsweisen“), Wolfgang Franz, ist der Euro nicht in einer Krise, der Euro-Rettungsschirm sei vielmehr unter anderem auch ein Hilfsprogramm für europäische Banken, die zu viel Risiko im Anleihengeschäft eingegangen seien: „Wir erleben keine Krise des Euro, sondern Krisen in einzelnen Euro-Staaten, zurückzuführen auf finanzpolitisches Fehlverhalten einzelner Länder oder auf ein aus den Fugen geratenes Bankensystem wie in Irland. (…) Der Euro-Rettungsschirm stellt letztlich ein Rettungsprogramm nicht zuletzt für deutsche und französische Banken dar. Die Aktion für Irland ist ebenfalls im Kern ein Bankenrettungsprogramm.“ Die Indikatoren des Euros hingegen seien stabil: Die Leistungsbilanz des Euro-Raums ist in etwa ausgeglichen, sowie die Neuverschuldung des Euro-Raums in Relation gesehen geringer als in Japan, England oder den USA. Laut dem Wirtschaftsweisen geht der kürzlich beschlossene permanente Krisenmechanismus ab Ende 2013 in die richtige Richtung, auch sollten private Gläubiger an einem Zahlungsausfall eines Landes beteiligt werden müssen: „Es geht doch nicht an, hohe Zinsen einzustreichen, aber die Risiken solcher Anleihen ausschließlich auf die Steuerzahler abzuwälzen.“

 

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