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Anders denken: Home Office – Sinnvoll oder Schnee von gestern?

… aus der zweiwöchentlichen Themenserie „Anders denken” von Nicola Fritze. Nach dem letzten Beitrag „Nicht denken! Machen!” folgt heute: „Home-Office: Sinnvoll oder Schnee von gestern?”.

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Home Office, Weltweit vernetzt
Wie können wir Home Office so umsetzen, dass es sowohl Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern nützt? (Bild: Rainer Sturm / pixelio.de).

Fast ein Jahr ist es her, da erregte Maryssa Mayers neue Firmenpolitik großes Aufsehen. Die Yahoo-Personalchefin beorderte kurzerhand die zahlreichen Heimarbeiter des Konzerns zurück in die Firmenzentrale. Home Office, bis dahin als ungebrochener Trend gefeiert, stand plötzlich in Frage. Die Begründung der Yahoo-Chefin für den Kurswechsel sah so aus: „Bei Yahoo zu sein, das ist nicht nur ein Job, den man von Tag zu Tag erledigt. Es geht um eine Zusammenarbeit, die nur in unseren Büros möglich ist.“

Auch hierzulande sorgte Mayers Entscheidung für große Überraschung und Unverständnis. Schließlich setzen auch hierzulande viele Firmen auf mobiles Arbeiten und Home Office. Das ist, entgegen der Überzeugung der Yahoo-Chefin, auch keine schlechte Sache. Denn vielleicht geht es gar nicht so sehr um Home Office oder Büro, sondern eher um die Frage, wie wir beides so balancieren können, dass es Mitarbeitern wie Unternehmen nutzt!

Das zeigt auch eine Studie, welche die Welt am Sonntag unlängst veröffentlichte. Auf den ersten Blick, so scheint es, liegt Yahoo mit seiner Skepsis durchaus im Trend. Laut der Untersuchung des Bundesamts für Statistik ist die Quote der Erwerbstätigen, die manchmal oder hauptsächlich daheim arbeiten auf nur 7,7 Prozent gesunken (1996 waren es noch 8,8 Prozent, 2008 sogar 9,7).


Doch die Studie hat ihre Tücken, wie das IT-Wirtschaftsmagazin CIO zeigt. Denn der Rückgang der Heimarbeit liegt nicht etwa darin begründet, dass Arbeitnehmer nicht von zuhause arbeiten würden. Der wichtige Punkt ist, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit in der Breite zunehmend verwischen. Wenn wir schnell in der Bahn noch eine E-Mail schreiben, ist das doch noch keine Telearbeit, oder? Und wenn wir auf dem Tablet kurz noch den Bericht lesen, den die Kollegin gerade gesendet hat, ist das dann wirklich schon Heimarbeit? Wenn wir alle Formen dieses „mobilen Arbeitens“ in die Untersuchung mit einbeziehen, arbeitet inzwischen etwa ein Drittel der Arbeitnehmer mindestens einmal in der Woche außerhalb des Büros, so das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW Köln).

Eine äußerst hohe Zahl, die zeigt: das hybride Arbeiten, also Büro und Home Office, ist der eigentliche Trend in Deutschland!

In einem Punkt hat Yahoos Chefin natürlich trotzdem recht:

Für Tele- und Büroarbeiter ist die direkte Kommunikation mit dem Kollegen oder der Chefin wichtig. Ohne das produktive Gespräch auf dem Büroflur oder den anregenden Gedankenaustausch in der Kantine ist dauerhaftes kreatives Arbeiten schwer möglich. Diese scheinbar nebenbei ablaufende Kommunikation kurbelt Kreativität und Teamgeist an – und kann so auch zum Motor für ein motiviertes und produktives Arbeiten werden.

Ob dauerhaft am heimischen Schreibtisch oder mal hier mal dort: Produktive Telearbeit braucht die Fähigkeit, systematisch zwischen Arbeit und Freizeit zu trennen. Wer zuhause arbeitet, muss sich sehr gut selbst organisieren, damit die Arbeit im häuslichen Umfeld nicht in zusätzlichen Stress ausartet.

Aber auch hier gilt: Was für den Einen gut ist, kann für den Anderen unpassend sein. Vereinbaren Sie deshalb mit Ihrem Chef eine Probephase, bevor Sie sich dauerhaft aufs Home Office einlassen. Oder wechseln Sie einfach zwischen Büro- und Heimarbeit. Dann können Sie immer dort sein, wo es gerade am sinnvollsten ist. Damit hätte sicherlich auch Yahoos Maryssa Mayer keine Probleme.

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Über Nicola Fritze:

(© Bild: Nicola Fritze)
(© Bild: Nicola Fritze)

Seit 2001 ist Nicola Fritze vielgefragte Rednerin und Trainerin zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Motivation. Ihre erfolgreichen Audio-Podcasts „Abenteuer Motivation“ und „Fritze-Blitz“ inspirieren seit 2006 regelmäßig über 30.000 Abonnenten. Sie gehören zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Hörsendungen zum Thema Persönlichkeitsentwicklung. Im Februar 2013 erschien ihr neues Buch „Motivier Dich selbst – sonst macht’s ja keiner!“ (SüdWest, 16,99 €) Darin zeigt Nicola Fritze 50 praxisnahe und effektive Methoden auf, wie Lebensfreude und Motivation langfristig zu steigern sind. Weitere Informationen sowie ihre beiden erfolgreichen Hörsendungen finden Sie auf www.nicolafritze.de.

Christoph Schroeder

Ein Kommentar zu “Anders denken: Home Office – Sinnvoll oder Schnee von gestern?

  1. Nach meinem Eindruck nimmt die Heimarbeit derzeit stark zu. Für uns Freiberufler ist es eh Gang und Gäbe, aber auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis mit einem festen Arbeitsverhältnis arbeiten immer mehr stunden- oder tageweise vom heimischen Schreibtisch aus. Handy, Notebook und Internet – was braucht man mehr?

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