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Anne M. Schüller: Gendermanagement – Der ‘kleine‘ Unterschied in der Mitarbeiterführung (Teil 1/2)

… aus der wöchentlichen Anne M. Schüller, UnternehmensorganisationThemenserie von Anne M. Schüller über Marketing, Kundenbindung, Branding und Unternehmensorganisation. Nach dem Doppelbeitrag „So funktionieren Kundenbefragungen in neuen Businesszeiten (Teil 1 und Teil 2)“ folgt heute der 1. Teil von „Gendermanagement: Der ‘kleine‘ Unterschied in der Mitarbeiterführung (Teil 1/2)“.

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Nur, wenn es den Unternehmen gelingt, das Beste ihrer männlichen Mitarbeiter und das Beste ihrer weiblichen Mitarbeiter optimal zusammenzuführen, ist wahre Exzellenz und damit die Zukunft zu schaffen. Doch bei allem Streben nach Gleichberechtigung wird gerne vergessen: Frauen denken, fühlen, entscheiden und kaufen nicht nur anders als Männer, sie müssen auch anders geführt werden, um Spitzenleistungen zu erzielen.

Das Thema Genderführung ist heikel, es polarisiert und jenseits aller ‚politischen Korrektheit‘ macht man sich eher Feinde als Freunde, wenn es angesprochen wird. Doch Gottseidank gibt es eine gute Möglichkeit, sich dem Ganzen zu nähern: Wissen! Wissen darüber, wie das alles in den Köpfen von Männern und Frauen genau funktioniert. Die moderne Hirnforschung hat dazu eine Menge Antworten parat. Und sie macht amtlich, was wir meist im Herzen schon wissen.

Denn selbst, wenn tradierte Geschlechts- und Rollenidentitäten längst überholt zu sein scheinen, ticken weite Teile unseres Oberstübchens noch wie anno dazumal. Viele Arbeits- und Bewertungsschritte des limbischen Systems sind unserem Bewusstsein und damit unserer Kontrolle völlig entzogen. Und jahrmillionenalte Bioprogramme sind sogar mit viel gutem Willen nur mühsam umzuschreiben. So sorgen neurochemische Zerebralprozesse und hormonelle Botenstoffe beim Mann für eine vermehrte Leistungsmotivierung, bei Frauen stehen Sozialmotive im Vordergrund. „Ich pack das (allein)“, sagt idealtypisch der Mann. „Wir stehen das zusammen durch“, hingegen die Frau.

Dass dies keine Klischees sind, zeigten eindrücklich die Ergebnisse einer Untersuchung der Wissenschaftler Andrew Healy und Jennifer Pate aus dem Jahr 2011. Hierzu wurden Probanden eingeladen, an einem simplen Mathematikwettbewerb teilzunehmen, und zwar wahlweise entweder einzeln oder in Teams. Und siehe da: Während 82 Prozent der Männer als Einzelkämpfer antreten wollten, waren dazu nur 28 Prozent der Frauen bereit. Frauen meiden im Allgemeinen auch Jobs, in denen es um allzuviel Wettbewerb geht, wie andere Untersuchungen zeigten. Sie arbeiten lieber im „Wir“.

Mal kurz ins Hirn geschaut

Erkenntnisse wie diese sind für das Ausgestalten optimaler Leistungsbedingungen sehr hilfreich. Vor allem muss aufgehört werden, den Frauen den „männlichen Weg“ überzustülpen, wenn man Spitzenergebnisse will. Folgende hirnstrukturelle Details können dabei von Interesse sein:

  • Während Frauen in beiden Hirnhälften Sprachzentren besitzen, nutzen Männer bei der Kommunikation vor allem die analytischere und zur Systematik neigende linke Hemisphäre.
  • Farb-, Geruchs- und Geschmackswahrnehmungen sowie das periphere Sehen, das frequenzielle Hören, die Feinmotorik, das Temperaturempfinden und die Verarbeitung von Gefühlen sind bei Männern und Frauen verschieden.
  • Die Spezialisierung der Hirnhälften ist bei Männern stärker ausgeprägt. Testosteron beeinflusst die linke Hirnhälfte und bewirkt das Schritt-für-Schritt-Denken sowie den sogenannten ‚Tunnelblick‘. Es positiviert und treibt an. Es hierarchisiert und fördert das ‚Eckige‘. Es kämpft, um zu gewinnen.
  • Die Vorherrschaft weiblicher Östrogene wirkt stärker auf die rechte Hirnhälfte. Dies fördert ein ganzheitliches und gleichzeitig detailstarkes, vernetztes Denken, das Wir-Gefühl, die Fürsorge, die Empathie und die Phantasie. Es führt aber auch zu größerer Vorsicht und zu mehr Zweifeln. Östrogene sind Weichmacher und fördern das ,Runde‘.
  • Aufgrund von Veränderungen im hormonellen Treibstoffgemisch verschieben sich Antrieb und Leistungswille bei beiden Geschlechtern mit zunehmendem Alter.

Dies sind nur einige Aspekte von vielen. Doch bei aller Vorsicht vor Verallgemeinerungen und reichlich Ausnahmefällen in beide Richtungen lässt es dennoch einige Hinweise zu: Männer brauchen Regeln. Und sie lieben klare Ansagen. ‚Gebrauchsanweisungssüchtig‘ nennt der Coach Claus von Kutzschenbach das. Männer berichten – und sie fachsimpeln, um zu punkten. Frauen hingegen erzählen. Sie haben einen differenzierten, blumigen Wortschatz und werden schnell abschweifend. Doch sie reden mit Fragezeichen, Männer mit Ausrufezeichen.

Kommunikative Unterschiede

Wo Männer strategisch kommunizieren, reden Frauen um des Redens willen. Männer adressieren bei Meetings die Nummer eins im Raum, Frauen plaudern mit denen, von denen sie Zustimmung erhalten. Ihr Gekicher wirbt um Freundschaft. Derbe Sprache erschreckt sie. Sie fühlen sich schnell angegriffen und verletzt. Während Männer im Konfliktfall ihre Position verteidigen und sich spektakulär ‚bis aufs Messer‘ bekämpfen, ziehen sich Frauen zurück – oder sie reagieren beleidigt. Und sie lassen auch schon mal ihren Tränen freien Lauf.

Für Männer spielt im Business das sogenannte Pokergesicht eine wichtige Rolle. Und sie üben sich darin, ihre Gefühle zu ignorieren. Frauen hingegen machen aus ihren Gefühlen keinen Hehl. Männer sind eher den Dingen zugewandt, Frauen den Menschen. Wo sich Männer im Allgemeinen verstärkt mit Instrumenten, Strukturen und Prozessen, also mit Macht und Kontrolle befassen, wollen Frauen vornehmlich wissen: Wie geht es allen dabei?

Frauen sind tendenziell weniger risiko- und entscheidungsfreudig, dafür fürsorglicher und konsensfähiger. Männer wollen mit ihren Fähigkeiten glänzen, Frauen eher dazulernen. Während Männer sich ständig messen, wollen Frauen es ‚gemütlich‘. Und sie wollen gefallen. Respekt und Gerechtigkeit haben für sie einen hohen Stellenwert. Sie nehmen sich der Harmonie willen oder aber, um gute Beziehungen zu schützen, eher zurück. Sie schließen sich einer Gruppenmeinung schnell an. Sie gehen weniger zielgerichtet vor. Sie sammeln Informationen weniger strukturiert und geben sie auch weniger strukturiert weiter. Sie brauchen Sicherheit – und sie lieben Sauberkeit. Das alles wie gesagt „im Allgemeinen“.

Fortsetzung auf Seite 2

Marc Brümmer

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