Management

Ansätze gegen Abwanderung aus strukturschwachen Regionen – Interview mit Martin Gaedt (Teil 1)

Der aktuelle Nachwuchs- und Fachkräftemangel in Deutschland nimmt gerade in wirtschaftlich guten Zeiten einen sehr hohen Stellenwert ein. Die Deutsche Wirtschaft leidet hierunter teilweise massiv, was auch auf uns als Land und Gesellschaft enorme Auswirkungen hat.

Um dieses Thema näher zu betrachten, haben wir uns mit Martin Gaedt, Gründer und Geschäftsführer der Younect GmbH, zu einer 3teiligen Interviewreihe zusammengesetzt. Im 1. Teil des Gesprächs setzen wir uns mit der Abwanderung von Jung- und Nachwuchskräften aus strukturschwachen Regionen auseinander.

 

1. Herr Gaedt, bitte stellen Sie sich kurz vor!

Ich bin ein 43 Jahre alter Berliner, Vater dreier Schulkinder und seit 12 Jahren als Unternehmer tätig. Für die Younect GmbH bin ich seit ihrer Gründung im Jahr 2007 als Geschäftsführer verantwortlich.

2. Das Thema Fachkräftemangel bewegt Deutschland seit vielen Jahren. Gerade in wirtschaftlich guten Zeiten wird dieser immer transparenter und kritischer für die Leistungsfähigkeit der Deutschen Wirtschaft und somit für unseren Wohlstand. Gerade in ländlicheren Gegenden wandern Jung- und Fachkräfte in die Ballungszentren ab und ganze Regionen bluten aus. Was sind die Gründe dafür?

Seit 1984 polarisiert das Thema „Fachkräftemangel“. Viele stellen ihn fest oder prognostizieren ihn, manche stellen seine Existenz in Zweifel. Gute Argumente fallen auf beiden Seiten. Fest steht: Mehr Fachkräfte werden es nicht. Im Gegenteil, die Zahl der Schulabgänger wird bis 2020 bundesweit um 20% schrumpfen. 170.000 zukünftige Fachkräfte weniger pro Jahr, das bedeutet eine völlig neue Situation, die noch niemand von uns richtig einschätzen kann. Neue Zeiten brauchen neue Antworten.

Gute Bewerber wandern nach wenigen Absagen ab, da sie die wenigsten Unternehmen in der Region kennen. Das ist das größte Problem. Warum bekommen die Zweit- und Drittplatzierten im Sport Medaillen, aber im Bewerbungsverfahren Absagen?

3. Welche Stellschrauben gibt es, um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken?

Sehr viel Geld fließt in Regional- und Personalmarketing. Werden Bewerber durch diese Maßnahmen gewonnen, landen dann aber „nur“ auf Platz 2, wird all das Investment in diese guten Bewerber durch Absagen verschwendet. Mit Hilfe von neuen Talentpools können die ländlichen Regionen Abwanderung verringern und Zuzug vereinfachen.

Ein Unternehmen alleine kann weder Vorräte anlegen noch über Bedarf gute Bewerber einstellen. Bewerber suchen jetzt. Wer kann diesen Bewerbern das bieten, was sie suchen? Andere Unternehmen in derselben Region und Branche. Also müssen andere Unternehmen davon erfahren. Können diese guten Bewerber sich allen Unternehmen der Region präsentieren, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass diese Bewerber in der Region bleiben.

4. Sie sprachen Ihren “neuen” Talentpool an. Was ist der Talentpool und wie funktioniert dieser?

Vielen Unternehmern und Personalverantwortlichen tut es richtig weh, guten Bewerbern absagen zu müssen. Im Talentpool empfehlen sich Unternehmen untereinander gute Bewerber. Die Empfehlung läuft datenschutzrechtlich korrekt. Gleichzeitig ist das Verfahren extrem einfach, schnell und wirkungsvoll. Der Pool gibt einerseits Bewerbern die Chance, sich allen Unternehmen einer Region und Branche zu präsentieren. Andererseits stärken die empfehlenden Unternehmen ihr Image und die Wirtschaftskraft der Region.

Außerdem können in den Talentpool regionale Schulen, Vereine, Initiativen, Berufsschulen, Hochschulen, Personaldienstleister u.v.a. eingebunden werden. Das verbindende Element ist die persönliche Empfehlung eines Menschen aus derselben Region. Bestehende Verbindungen und Netzwerke werden genutzt, um Menschen an der Abwanderung zu hindern.

5. Wie wirkt der Talentpool gegen diesen Trend?

Durch die Profile, die im Talentpool entstehen, suchen und finden Unternehmen zielgerichtet geeignete Bewerber. Alle Talente bleiben mit der ERSTEN Bewerbung erhalten: Fach- und Führungskräfte, Auszubildende, Absolventen, Praktikanten werden gebunden, BEVOR sie weggehen.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Oliver Foitzik (Herausgeber AGITANO & Geschäftsführer der FOMACO GmbH).

 

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