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Arbeiten im Flow: Leistung, die Spaß macht

Feuer, Brennen, Flammen, Organizational Flow

Arbeit, die so viel Spaß macht, dass unser Gehirn Glückshormone ausschüttet und wir uns wie berauscht fühlen? Was wie ein feuchter Arbeitnehmertraum klingt, können Unternehmen mit einer vertrauensbasierten Personalführung Realität werden lassen. Wer seinen Mitarbeitern Freiräume für Eigeninitiative und Kreativität überlässt und auf Druck, Zwang und Kontrolle verzichtet, erzeugt im besten Fall einen Organizational Flow, der dem gesamten Unternehmen zu Gute kommt.

Glücksgefühle im Flow: Leistungssteigerung durch Eigenverantwortung

Hallo Herr Mollenhauer. Was haben Vertrauen und Innovationen miteinander zu tun?

Innovationen können nur in einem unternehmerischen Vertrauensklima entstehen. Denn neue Ideen und Kreativität können sich nicht entwickeln, wenn Routine, Performance-Kontrolle, Leistungsdruck und Stress den Arbeitsalltag bestimmen. Dafür brauchen Mitarbeiter die Möglichkeit, sich eigenverantwortlich selbst zu steuern und Synergien auszuschöpfen. Das können sie aber nur, wenn eine moderne Personalführung ihnen diese Eigenverantwortung auch überträgt, weil sie sie für vertrauenswürdig halten. Im Übrigen gehört dazu auch eine transparente Informationspolitik.

Können Sie das näher erläutern?

Wenn Mitarbeiter gemeinsam und eigenverantwortlich an einem Projekt arbeiten, dann entsteht – im Idealfall – ein Flow-Zustand. Durch die verschiedenen Ideen entstehen Synergien, die dann wiederum zu neuen Ideen führen. Kreativität potenziert sich sozusagen. In einem solchen Flow-Zustand nehmen die Mitarbeiter dann das gemeinsam Erreichte – also den Output ihrer Arbeit, aber auch das Feedback von Vorgesetzten und Kunden – als Belohnung ihrer Arbeit wahr. Stolz auf die eigene Leistung entsteht und spornt zu weiteren guten Leistungen an.

Darüber hinaus entsteht durch ein solches positives Erlebnis auch eine emotionale Bindung an das Unternehmen, was sich natürlich ebenfalls positiv auf die Leistungsbereitschaft und die Fluktuationsrate auswirkt.

Das klingt ja fast wie ein Rausch!

Das ist es auch: Neurologische Untersuchungen haben gezeigt, dass in einem Flow-Zustand, die Glückshormone Dopamin und Serotonin ausgeschüttet werden. Auch Opioide und Opiate produziert unser Körper dann. Vor allem die Dopamin-Ausschüttung ist dafür verantwortlich, dass sich im Gehirn neue Verknüpfungen und Synapsen bilden, die ein Belohnungssystem in Gang setzen: Leistung wird dann nicht mehr mit Stress verbunden, sondern mit Glücksgefühlen.

Wie kann ein Unternehmen die Entstehung eines solchen Flows unterstützen?

Ein solcher Flow kann nur entstehen, wenn die Mitarbeiter die Möglichkeit haben, sich selbst zu organisieren, sich selbst realistische Ziele zu stecken und diese zu kontrollieren. Eigeninitiative und Partizipation an der Zukunft des Unternehmens sind der Schlüssel zu erfüllendem Arbeiten.

Allerdings wäre es ein großes Missverständnis zu denken, dass dieser Freiraum ohne Führung entstehen könnte. Ohne Führung entsteht Chaos und das Unternehmen operiert im Blindflug. Führung heißt in diesem Kontext, Sinn, Werte und Strategie des Unternehmens glaubhaft und verständlich zu vermitteln. Führung heißt auch, Mitarbeiter einzuladen, den gemeinsamen Weg mitzugestalten. Und last-but-not-least: Führung heißt, sich der eigenen Rolle als Vorbild bewusst zu sein, um den eigenen Beitrag für ein gutes Vertrauensklima zu leisten. Mehr dazu können Sie auch in meinem Beitrag auf dem mmc-Magazin zum Thema Organizational Flow lesen.

Herr Mollenhauer, ich danke Ihnen sehr für das interessante Gespräch.

Das Interview mit Michael Mollenhauer, Partner der mmc AG, führte Dr. Katja Heumader, Redakteurin AGITANO.

Katja Heumader

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