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Arbeitsplatz der Zukunft? Ein paar gibt es schon!

… aus der zweiwöchentlichen Kolumne "Anders denken" von Nicola Fritze.

Wie sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus? „Kaffeesatzleserei!“ werden Sie vielleicht sagen. Und es stimmt: wir wissen nicht, was in ein paar Jahren sein wird. Klar ist aber, dass es so wie heute nicht bleiben wird. Und einige Trends zeichnen sich schon heute klar ab. Denn wo Flexibilität zunimmt, kreative Arbeit wichtiger wird als Produktion und dazu die Altersstruktur unserer Gesellschaft sich ändert, bleibt unsere Arbeitswelt natürlich nicht unberührt.

Einige Unternehmen haben das begriffen. Sie haben sich auf den Weg in die Zukunft gemacht, obwohl sie nicht genau wissen, was uns dort eigentlich erwartet. Frei nach dem Motto: die Zukunft machen wir selbst! Und das ist gut so. Diese Unternehmen und Organisationen sind die Experimentierlabore der Arbeitswelt von morgen, auf neudeutsch: Trendsetter. Drei davon möchte ich Ihnen heute vorstellen. Um zu zeigen, dass es sie gibt, die Andersdenker – und zwar in den unterschiedlichsten Branchen.

Da ist zum Beispiel der Maschinenbauer Trumpf. Das Unternehmen ist stark auf hochqualifzierte Fachkräfte angewiesen. Die sind derzeit rar in Deutschland. Und das wird wohl so bleiben. Deshalb hat Trumpf mit seinen 4000 Mitarbeitern in Deutschland ein neues Arbeitszeitmodell ausgehandelt. Jeder einzelne Mitarbeiter kann in Absprache mit seinem Vorgesetzten selbst entscheiden, wieviel er arbeiten möchte. Alle zwei Jahre wird neu vereinbart, wieviel Arbeitszeit in die derzeitige Lebensplanung des Mitarbeiters passt. Wer durchstarten möchte, kann 40 Stunden pro Woche arbeiten – wer gerade ein Baby zu Hause hat, oder pflegebedürftige Eltern, kann auf 20 Stunden reduzieren. Auch die normalen 35 Stunden pro Woche sind natürlich möglich. Nur unter 15 Arbeitsstunden pro Woche darf kein Trumpf-Mitarbeiter fallen.

Das Unternehmen aus Ditzingen ermöglicht seinen Angestellten so, alle zwei Jahre das Leben neu zu justieren. Das hat natürlich Auswirkungen auf den jeweiligen Gehaltszettel. Dementsprechend haben sich auch viele Mitarbeiter entschieden, mehr zu arbeiten als bisher. Sie nehmen nun einen höheren Lohn mit nach Hause. Und diejenigen, die mehr Wert auf Lebenszeit abseits der Arbeit legen wollen, nehmen eben etwas weniger Gehalt in Kauf. Maßgeschneidert, je nach Lebenslage. Eigentlich vorbildlich! Dazu kommt noch, dass auf einem Arbeitszeitkonto bis zu 1000 Stunden angespart werden können. Die kann man dann für eine Auszeit von sechs Wochen bis zu sechs Monaten nutzen. Damit legt Trumpf ordentlich vor, was Flexibilität als Arbeitgeber angeht.

Das Berliner Unternehmen Ökofrost hat ebenfalls verstanden, dass die Zufriedenheit der Mitarbeiter ganz entscheidend für den Unternehmenserfolg ist. Auf ganz anderem Weg als Trumpf. Bei Ökofrost konnten die Mitarbeiter maßgeblich über die Gehaltsstruktur innerhalb des Unternehmens mitentscheiden. Der Geschäftsführer hatte irgendwann begriffen, dass sich manche der Mitarbeiter aufgrund ihres niedrigen Gehalts nicht gewertschätzt fühlten. Potentiell natürlich ein Grund, den Arbeitgeber zu wechseln. Doch hohe Personalfluktuation ist für jedes Unternehmen ein Problem. Ökofrost hat dieser Gefahr nun durch den transparenten Aushandlungsprozess entgegengewirkt – und hat mit seiner neuen Gehaltsstruktur die Gewinnspanne der Gesellschafter (vorerst) geschmälert. Das mag erst einmal aussehen wie ein Verlust für die Firma. Doch langfristig hat das Unternehmen durch die höhere Zufriedenheit der Mitarbeiter bessere Chancen, nachhaltig gut zu arbeiten. Ein schönes Beispiel dafür, wie man festgefahrene Wege auch in Geldfragen verlassen kann! (Mehr zu Ökofrost gibt es hier).

 

Ein ganz anderes Beispiel für veränderte Arbeitsstrukturen ist eine „Übernachtungskita“ in Schwerin. Die Kita „nidulus“ bietet 24-Stunden-Betreuung an. So geht die Gemeinnützige GmbH auf die veränderte Arbeitsstruktur der Schweriner Eltern ein. Die sind immer häufiger zu Nacht-, Schicht- und Wochenendarbeit gezwungen. Die Kita ist sozusagen das Gegengewicht zu solch wenig familienfreundlichen Arbeitsbedingungen.

Die Betreuungsstätte nimmt mit ihrem ausgefeilten Angebot Eltern mit ungewöhnlichen Arbeitszeiten die große Sorge von den Schultern, wer das Kind betreut, wenn man außerhalb der normalen Betreuungszeiten zwischen 9 und 16 Uhr in die Firma muss. Dabei ist für mich nicht das Angebot der Tagesstätte eigentlich erstaunlich, sondern mehr, dass „nidulus“ eine Ausnahme ist. Es grenzt doch an ein Wunder, dass so viele Eltern Vollzeit arbeiten, obwohl die Betreuungszeiten in normalen Kindertagesstätten in der Regel streng begrenzt sind. „nidulus“ zeigt, dass es im Zweifel auch anders geht.

Sie sehen: drei Unternehmen, drei völlig unterschiedliche Ideen. Aber allen ist gemein, dass sie umdenken, ausgetretene Pfade verlassen und auf die Entwicklungen unserer Zeit eingehen. Ich bin der festen Überzeugung, dass solchen experimentierfreudigen Arbeitgebern die Zukunft gehört.

Kennen Sie noch mehr Beispiele für Unternehmen, die die Arbeitswelt von morgen mitbauen? Dann schicken Sie mir doch eine Nachricht über meine Xing-Gruppe „Anders denken, anders handeln“!

Ihre Nicola Fritze

Übrigens: Kennen Sie schon meine neue App, den Fritze-Kick? Der Fritze-Kick gibt Ihnen jeden Tag einen frischen Impuls für Herz und Hirn. Schauen Sie doch mal rein! (Link)

Zur Autorin:

Nicola Fritze ist Deutschlands Motivationsfrau. Mit ihrem Motto "Anders denken – anders handeln" begeistert die Trainerin und Rednerin jährlich tausende von Menschen.

Ihre zwei Podcasts "Das Abenteuer Motivation" und "Der Fritze-Blitz" zählen zu den erfolgreichsten Podcasts zum Thema Motivation und Persönlichkeitsbildung. Ihre Hörsendungen erreichen mehr als 30000 Hörerinnen und Hörer.

Anfang 2011 erschien ihr neues Buch "Raus aus der Grübelfalle Wie Sie Ihre Denkgewohnheiten ändern und Ihre Persönlichkeit gezielt weiter entwickeln". Hierin zeigt Nicola Fritze augenzwinkernd auf, wie wir mit Hilfe des Konzepts der inneren Stimmen handeln, statt immer nur zu grübeln.

Mehr über die Motivationsfrau erfahren Sie in ihrem AGITANO-Expertenprofil und unter www.nicolafritze.de.

 

 

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