Interviews

Arbeitsplatz der Zukunft: Führungskräfte müssen den Wandel aktiv vorantreiben – Interview mit Stephan Grabmeier

Stephan Grabmeier, Digitale Transformation, Arbeitsplatz der Zukunft, New Work, HR, Wandel, Veränderung, Unternehmen

Die Digitale Transformation erfordert von Unternehmen und ihren Führungskräften, sich auf den Wandel einzulassen und diesen aktiv mitzugestalten. Stephan Grabmeier – nominiert für den Xing New Work Award und Wegbereiter der Digitalen Transformation in Unternehmen – erklärt im ersten Interview mit Oliver Foitzik, welche Herausforderungen auf Unternehmen durch die Digitalisierung zukommen und wie sie diese erfolgreich meistern können. Im folgenden, zweiten Interview zeigt er, wie der Arbeitsplatz der Zukunft aussieht und auf was es dabei ankommt.

Der Arbeitsplatz der Zukunft: Es muss sich gravierend etwas ändern.

Herr Grabmeier, Sie entwickeln seit über 18 Jahren Ideen, Formate und Tools, die dabei helfen, Organisationen neu zu gestalten, Führung anders zu denken oder durch Technologie neue Wertschöpfung zu generieren. Was fasziniert Sie an diesem Thema?

Ich liebe es, Menschen zu inspirieren und zum Wandel zu bewegen. Mein Why ist die Inspiration, die Welt jeden Tag ein bisschen besser zu machen. Dabei steht die Digitale Transformation ganz oben, denn es gibt eine Menge zu tun und für die meisten Unternehmen geht es mittelfristig um das Überleben.

Sie sprachen es gerade an: Es gibt noch sehr viel zu tun und zu bewegen – für die Unternehmen und in den Unternehmen! Sicherlich ist hier auch noch eine große Überzeugungsarbeit zu leisten, wenngleich viele Entscheider die Notwendigkeit des Themas erkannt und auf der Agenda haben. Wie offen sind die Entscheider in den Unternehmen beim Thema New Work?

Das kognitive Verstehen reicht bei Weitem nicht aus. Vor 20 Jahren haben wir schon über die Bedeutung des radikalen Digitalen Wandels gesprochen. Wer das Cluetrain Manifest, das 1998 erschienen ist, gelesen hat, der weiß die Zusammenhänge in Wirtschaft, Gesellschaft, Bildung und Technologie einzuschätzen. Allerdings ist es nun einmal so, dass sich Erfolg nur durch Umsetzung einstellt. Daran hapert es bei den meisten. Angst, falsches Verständnis, keine Konsequenz und die fehlende Bereitschaft, das eigene Handeln und Tun in Frage zu stellen, sind die größten Showstopper. Je höher man im Management steigt, umso deutlicher die Ausprägungen der Showstopper.

Sie gelten als einer der großen deutschen Vordenker im Umfeld New Work. Wie sieht Ihr Arbeitsplatz der Zukunft aus?

Der Arbeitsplatz der Zukunft ist technologisch auf dem Niveau, wie wir Technologie als Privatpersonen nutzen – always on, mobil, einfach, virtuell, smart und immer in der Hosentasche. Er sieht zugleich die Typologie des agilen Arbeitens vor, das heißt, schnelle flexible Raumstrukturen der jeweiligen Situation angepasst. So fördert der Arbeitsplatz der Zukunft den Dialog und die Interaktion so viel und stark wie es geht. Er sorgt auch dafür, dass die Umwelt geschont und gesellschaftliche Aspekte, wie zum Beispiel Bildung, Interaktion mit Bürgern, Kindern und Schulen, als Bestandteile integriert sind.

Zum Arbeitsplatz der Zukunft gehört das Organisationsdesign, das hierarchiearme Kommunikation und schnelle Entscheidungswege ermöglicht. Mehr als 1 bis 2 Ebenen für eine Entscheidung wären zu viel. Ein Arbeitslatz ohne agile und humanzentrierte Methoden sind heutzutage kaum tragbar. Die Art und Weise, ein Unternehmen partizipativ zu designen und transformationale Führung zu leben, ist der Rahmen des Arbeitsplatzes der Zukunft.

Sie sind im Management der Haufe-umantis AG. Mit Ihrer Organisation leben Sie das Thema New Work. Welche innovativen Ansätze verfolgen Sie? Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?

Darüber haben wir zahlreiche Bücher und Fachartikel geschrieben. Es ist sehr viel nachzulesen. Im Detail würde es das Interview sprengen. Wir leben stark nach demokratischen Prinzipien, weil wir die Grenzen der Organisationsentwicklung nicht akzeptieren. Die Sprünge in der technischen Entwicklung machen Unternehmen leider nicht in der Organisationsentwicklung. Das sollte sich ändern. Dazu bedarf es sowohl mutige Unternehmer als auch Führungskräfte, die damit experimentieren. Infos zu unseren Ansätzen bei Haufe-umantis finden Sie unter https://www.haufe.com/vision.

Auf unserer Open Innovation Plattform teilen wir all unser Wissen zu den Methoden und Erfahrungen unserer Unternehmensführung (https://os.haufe.com). Sie sind eingeladen, auch Ihre Erfahrungen zu teilen und Methoden daraus auszuprobieren. Wir freuen uns auf jedes Feedback.

Viele Dinge sind in diesem Umfeld neu, müssen ausprobiert und auf die jeweilige Organisation individuell angepasst werden. Wie sieht Ihr Ansatz aus, um Unternehmen auf diesem Weg zu begleiten und erfolgreich für die Zukunft aufzustellen?

Wir verfolgen den Haufe 3D-Ansatz der Transformation, den wir entwickelt haben. Darin arbeiten wir immer in 3 Dimensionen:

  1. am Organisationsdesign
  2. an der Technologie und Infrastruktur
  3. am Verhalten der Menschen.

3-Dimensionalität ist der Hebel zum Erfolg in der Transformation.

Zum Abschluss noch eine kurze Antwortrunde auf jeweils ein Schlagwort!

  • Zukunftsbild HR 2020:
    HR muss das Portfolio und die Skills liefern, um die Frage aller Fragen in HR zu beantworten: „Was treibt meinen CEO?“ Erst dann, wenn das verstanden ist, wird HR Zukunft haben.
  • New Worker:
    Ein klasse Begriff für die Vielfalt eines Themas. Ein New Worker ist ein Game Changer und hilft Unternehmen und Menschen, sich zu transformieren.
  • Leadership:
    New Leadership heißt transformationale Führung.
  • Soziale Medien:
    Ohne soziale Medien geht es nicht. Veränderung fängt bei jedem selbst an und bei der transparenten Nutzung sozialer Medien. Wer heute noch keine sozialen Medien für sich und seine Marke nutzt, der hat den Schuss für New Work noch nicht gehört.
  • Wandel im Unternehmen:
    Wandel ist immer. Es ist eine iterative Entwicklung von Unternehmen und Menschen ohne einen festen Anfang oder ein festes Ende. Wandel heutzutage ist wie ein perpetuum mobile: Einmal in Gang gesetzt, bleibt es immer in Bewegung.
  • XING New Work Award:
    Tolle Auszeichnung und kreative Community. Ich bin froh, daß die Jury erstmals auch Personen nominiert hat. Es ist eine große Ehre für mich, dabei zu sein. Unter all den Nominierten sind klasse Unternehmen und tolle Leute. Die meisten davon sind in ihrem Handeln und Tun New Worker, egal ob sie gewinnen oder nicht.
  • Ihr Wunsch 2017:
    Ich wünsche mir, dass noch viel mehr Vorstände und Geschäftsführer den Mut haben, ihr Unternehmen, ihr Handeln und Tun gänzlich in Frage zu stellen und nicht nur nach Macht, Geld und Geltungssucht streben. Erst durch einen Haltungswechsel passieren Veränderungen. Jeder von uns hat eine große Verantwortung für unsere Unternehmen, für die Gesellschaft und unsere Umwelt. Die Zeiten ändern sich. Schön, wenn man zu denen gehört, die das merken.

Vielen Dank, Herr Grabmeier, für die spannenden Einblicke in den Arbeitsplatz der Zukunft und wie dieser auszusehen hat. Ich denke, dass Sie wieder in Ihrer besonderen Art und Weise sehr wertvolle Tipps an Entscheider weitergegeben haben, wo Unternehmen am besten ansetzen können.

STephan Grabmeier, Digital Readiness Check, digital Readiness, digitale transformation
Vorstandsflüsterer für die Digitale Transformation: Stephan Grabmeier gibt Ideen für eine erfolgreiche Umsetzung von New Work. (Foto: Stephan Grabmeier)

Das Interview mit Stephan Grabmeier führte Oliver Foitzik, Herausgeber AGITANO und Geschäftsführer der FOMACO GmbH.

Machen Sie mit beim Voting zum Xing New Work Award! Wenn Sie Stephan Grabmeier Ihre Stimme geben wollen, können Sie dies hier machen. Sein Motto lautet: „Egal ob Start-up oder Traditionsunternehmen: Transformation ist immer.“

 

Über Stephan Grabmeier

Stephan Grabmeier ist Chief Innovation Evangelist und Mitglied der Geschäftsleitung der Haufe-umantis AG. Er verantwortet den Aufbau neuer Geschäftsfelder sowie den Wandel des Unternehmens von einer Software- zu einer Transformation Company. Grabmeier und seine Teams beraten Vorstände und Organisationen bei deren Digitalen Transformation und unterstützen sie dabei, schneller zu innovieren. Haufe gilt in Deutschland als Best Practice, die digitale Transformation bereits erfolgreich hinter sich gebracht haben – vom Fachverlag zum digitalen Lösungsanbieter. Seit über 18 Jahren transformiert Grabmeier Unternehmen, egal ob große Blue Chips oder innovative Start-Ups. Er wurde vielfach für seine Themen rund um Innovation und New Work ausgezeichnet, u.a. wurde er unter die „40 führenden Köpfen im Personalwesen“ in Deutschland gewählt.

Mehr zu Stephan Grabmeier erfahren Sie auf seinem Blog: www.stephangrabmeier.de.

 

Oliver Foitzik

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.