Energie & Umwelt

Atomkatastrophe in Japan auf höchste Gefahrenstufe 7 hochgestuft

Die japanische Regierung hat die Atomkatastrophe in dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima in die höchste Gefahrenstufe 7 eingestuft (von Stufe 5 „ernster Unfall“ auf Stufe 7 „katastrophalen Unfall“). Damit schwinden auch die Hoffnungen, das Unglück doch noch in den Griff zu bekommen. Bislang war lediglich Tschernobyl 1986 in diese Kategorie eingestuft worden. Nach Angaben der Regierung betrage die freigesetzte Radioaktivität bislang allerdings „nur“ ein Zehntel der Menge, die 1986 in Tschernobyl abgegeben wurde (die Freisetzung in dem graphitmoderierten, wassergekühlten Siedewasser-Druckröhrenreaktor sowjetischer Bauart in Tschernobyl erfolgte damals im Unterschied zu Japan explosionsartig: Bei der Tschernobyl-Katastrophe 1986 stieg die Anzahl der Kernspaltungen innerhalb von Sekunden aufgrund von Bedienfehlern rapide an, die schnell ansteigende Hitze verbog Metall und Reaktorstäbe und der Kern konnte nicht mehr gekühlt werden. Es kam zur Explosion, die das Reaktorgebäude sprengte und durch die innerhalb des Reaktors 1.500 Tonnen hochbrennbares Graphit in Brand gerieten. Der gewaltige Feuersturm riss radioaktive Materialien kilometerhoch in die Atmosphäre, wo sie dann von starken Winden erfasst und über weite Teile Europas und der Sowjetunion verteilt wurden.) Die Gefahrenstufe 7 bedeutet nun konkret:  „Schwerste Freisetzung: Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt in einem weiten Umfeld." Bei der International Atomenergiebehörde IAEA heißt es zur Stufe 7: „An event resulting in an environmental release corresponding to a quantity of radioactivity radiologically equivalent to a release to the atmosphere of more than several tens of thousands of terabecquerels.” Der Grenzwert für die jährliche Belastung von einem Millisievert sei auch bereits in Regionen außerhalb der 20-km-Evakuierungszone, die mehr als 60 km nordwestlich und bis zu 40 km südwestlich liegen, überschritten worden. Innerhalb der Evakuierungszone variiert die Belastung zwischen einem bis zu 100 Millisievert, in der Zone zwischen 20-30 km würde die Belastung unter 50 Millisievert liegen. Die USA hatten bereits Mitte März ihre Staatsbürger aufgefordert, mindestens 80 km von dem Unglücks-AKW entfernt zu bleiben. Der Konzern Toshiba, der vier der sechs Reaktoren gebaut hat (davon zwei in Lizenz vom US-Konzern General Electrics), geht von mindestens 10 Jahren aus, bis die Gesamtanlage durch den Abbau der Brennstäbe und der Reaktoren sicher gemacht werden kann. Diese Zeitangabe wird als sehr optimistisch eingestuft, die Kosten auf einen hohen Milliardenbetrag geschätzt und die Gesundheit unzähliger Arbeiter beim Rückbau weiter gefährdet. Im Unterschied zu Tschernobyl oder der Kernschmelze in Three Miles Island 1979, wo es sich jeweils nur um einen Reaktor gehandelt hatte, sind hier vier Reaktoren betroffen und ebenso viele Abklingbecken mit Tausenden von Brennstäben.
 

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