Kolumnen

Atomlobby gegen Merkel

Erst haben sie die Erneuerbaren Energien lächerlich gemacht, dann juristisch und politisch bekämpft und jetzt werden die Ökoenergien mit viel Geld in großen Anzeigen ein bisschen gelobt, aber in Wirklichkeit noch immer verniedlicht. Die Atomlobby und ihre Freunde schießen sich an diesem Wochenende sogar auf die Atomfreundin Angela Merkel ein. Hatte es doch die Bundeskanzlerin tatsächlich gewagt, eine Brennelemente-Steuer von jährlich 2,3 Milliarden Euro von ihnen einzufordern.

 

In der Anzeige stehen viele richtige Erkenntnisse, die vor Jahren den Atomfreunden noch nicht zuzutrauen waren: „Die ökologische Ausrichtung unserer Energieversorgung ist richtig.“ Klingt gut. Nur darf man nicht vergessen, dass die meisten Unterzeichner die Atomenergie als Ökoenergie betrachten. Oder: „Ökologischen Umbau ermöglichen.“ Auch das klingt gut. Aber die Unterzeichner  plädieren für längere AKW-Laufzeiten von bis zu 28 Jahren und wollen auch neue Kohlekraftwerke bauen. Oder: „Die regenerative Energiewende ist nicht von heute auf morgen zu bewerkstelligen.“ Ich kenne auch niemand, der dies erwartet.

 

Aber nach dieser Anzeige muss man an die atomar-fossile Energiewirtschaft plädieren, ihre eigene Hauptthese ernst zu nehmen. Diese lautet: „Mut und Realismus für Deutschlands Energiezukunft“.

 

Was heißt das?

 

Endlich in der Praxis anerkennen und durch Taten beweisen, dass die Zukunft ausschließlich den Erneuerbaren gehört. Der gesellschaftliche Trend ist unumkehrbar. Denn nach aller Erfahrung der letzten Jahre ist in etwa 15 Jahren der 100%-ige Umstieg auf erneuerbaren Strom und in 30 Jahren der 100%-ige Gesamtumstieg aller Energieverbräuche  weltweit möglich. Die Erneuerbaren werden immer preiswerter und ihre Technologien immer effizienter. Deshalb investieren auch E.on und RWE schon in großem Stil in Ökoenergien.

 

Doch ihr gleichzeitiger Kampf um längere AKW-Laufzeiten und für neue Kohlekraftwerke ist kontraproduktiv. Wer schon heute zu viel Strom produziert, muss sich entscheiden, was er in Zukunft wirklich, wirklich will: Atomstrom oder Ökostrom? Das ist die zentrale Zukunftsfrage. Beides zusammen geht auf Dauer nicht.

 

Der rasche Umstieg auf erneuerbare Energien ist die ultimative Herausforderung. Am glaubwürdigsten wären die vier Energieriesen, wenn sie ihre Drohung wahrmachten und ihre AKW „sofort“ – wie es tatsächlich hieß – abschalten würden. Dann wäre der Siegeszug der Erneuerbaren überhaupt nicht mehr aufzuhalten. Aber noch müssen wir dafür kämpfen – noch viele Jahre.

 

Quelle: © Franz Alt 2010

 

 

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