Wirtschaft

Auch Münchner Rück fordert nun Regulierung der Finanzmärkte

Der weltgrößte Rückversicherer, die Münchener Rück, hat die Politik aufgefordert, die Finanzmärkte und deren Akteure – institutionelle Anleger wie Banken, Versicherer und Fonds – stärker zu regulieren. Vorstandschef Nikolaus von Bomhard: „Vor dem Hintergrund der jüngsten Erfahrungen glaube ich, dass wir um eine bessere Regulierung und intensivere Aufsicht nicht herumkommen. (…) Ich halte die Transparenz bei Finanzprodukten und -transaktionen für nicht immer ausreichend.“ Dies beinhalte unter Umständen auch eine Abkehr von bisherigen auf Kurzfristigkeit ausgerichteten Geschäftsmodellen der Branche: „Und wenn unter der Maßgabe der notwendig größeren Transparenz Geschäfte nicht mehr möglich sind, dann ist es wohl auch nicht schade darum.“ Hier nannte von Bomhard exemplarisch den computergestützten Hochfrequenzhandel.

Die Münchner Rück hat wie die meisten Versicherer ein eher konservative Anlagestrategie und ist daher auch relativ gut durch die Finanzkrise gekommen. Sie investiert vornehmlich nachhaltig in festverzinsliche Wertpapiere und ist nicht auf kurzfristige und spekulative Gewinne aus. Daher hat der Rückversicherer auch immer wieder Banken für ihre spekulativen Geschäfte an der Börse kritisiert und darauf bestanden, dass Versicherer und Banken nicht in einen Topf geworfen werden dürfen.

Vor dem Hochfrequenzhandel bekommen mittlerweile sogar dessen Schöpfer und Profiteure zunehmend Angst: Die US-Großbank Goldman Sachs hat erst Mitte September ihren bekanntesten Hochfrequenz-Hedgefonds, den Fonds Global Alpha, geschlossen. Der auf automatischem Handel basierende Fonds hatte zu seinen Spitzenzeiten ein Volumen von rund 12 Milliarden Dollar, war aber nach massiven Verlusten zuletzt nur noch 1,6 Milliarden Dollar wert.
Der Computerhandel (High Frequency Trading) steht aber allgemein massiv in der Kritik. Mittlerweile werden bis zu 70% der Börsengeschäfte in den USA und 40% der Aktiengeschäfte in Europa und Deutschland einzig und allein von Computern gesteuert, die darauf programmiert wurden, unter Anwendung spezieller Algorithmen in Bruchteilen von Sekunden minimalste Differenzen auf den Weltmärkten auszunutzen. Im Unterschied zu langfristigen Investitionen, die als Kapitalquelle der investierenden Realwirtschaft zugute kommen, basiert dieses Geschäftsmodell allein auf der äußerst kurzfristigen Ausnutzung von winzigen Kursunterschieden von Wertpapieren, Derivaten und Rohstoffen an verschiedenen Börsenplätzen. Dabei kommt es jedoch regelmäßig zu kaskadenartigen Kettenreaktionen, wie beispielsweise der dramatische Kurssturz an der Wall Street am 6. Mai 2010 („Flash Crash“), bei dem der Dow Jones innerhalb weniger Minuten rund 9% seines Wertes einbüßte. Das war der größte Kursrutsch der Geschichte innerhalb so kurzer Zeit – ausgelöst durch eine falsche Order, bei der aus Versehen statt Millionen durch ein einfaches Verrutschen des Kommas Milliarden wurden. Daraufhin zogen allerdings aufgrund der verwendeten Algorithmen zig Tausende „Computer-Händler“, also Computerprogramme, wie die Lemminge mit und verstärkten dadurch den Trend noch weiter, so dass sich in einer Kettenreaktion immer mehr Computer der Fehlentwicklung anschlossen. Durch diesen Herdeneffekt wird die gefährliche Volatilität an den Märkten massiv weiter gesteigert.

Die US-Regulierungsbehörde Finra und die der Finra übergeordnete Börsenaufsicht SEC haben bereits mit Ermittlungen zu dem Flash Crash vom Mai 2010 und zum Hochfrequenzhandel allgemein begonnen und von Handelsfirmen Informationen über Algorithmen angefordert. Es soll untersucht werden, ob Händler Preise manipulierten, Kursausschläge begünstigten oder Betrug begingen, in dem sie den Markt mit Aufträgen fluteten, die sie gleich darauf wieder stornierten.
 

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