Wirtschaft

Ausführliche Ergebnisse zur Wirtschaftsleistung im 1. Quartal 2012

Die deutsche Wirtschaft ist zum Jahresbeginn 2012 wieder auf Wachstumskurs: Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) bereits in seiner Schnellmeldung vom 15. Mai 2012 mitteilte, stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) – preis-, saison- und kalenderbereinigt – im ersten Quartal 2012 nach vorläufigen Berechnungen um 0,5 % im Vergleich zum Vorquartal. Im Schlussquartal 2011 hatte es mit – 0,2 % den ersten kleinen Dämpfer für das deutsche BIP seit der Wirtschaftskrise 2009 gegeben.

Positive Impulse kamen im Vorquartalsvergleich vor allem von den Exporten: Im ersten Quartal 2012 wurden preisbereinigt 1,7 % mehr Waren und Dienstleistungen ins Ausland exportiert als im Schlussquartal 2011. Dagegen blieben die preis-, saison- und kalenderbereinigten Importe auf dem Niveau des Vorquartals, sodass der Außenbeitrag – also die Differenz aus Exporten und Importen – die positive Entwicklung des BIP mit einem rechnerischen Wachstumsbeitrag von 0,9 Prozentpunkten stützte.

Aus dem Inland kamen im Berichtsquartal unterschiedliche Signale: Zum Jahresbeginn 2012 stiegen sowohl die privaten (+ 0,4 %) als auch die staatlichen Konsumausgaben (+ 0,2 %) im Vergleich zum Vorquartal (preis-, saison- und kalenderbereinigt). So konnte der gleichzeitige Rückgang der Investitionen zum Teil kompensiert werden: In Ausrüstungen – also vor allem in Maschinen und Geräte sowie Fahrzeuge – wurde um 0,8 % und in Bauten um 1,3 % weniger investiert als im vierten Quartal 2011. Ebenfalls negativ wirkte sich der Abbau von Vorräten auf das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal 2012 aus (mit – 0,4 Prozentpunkten). Insgesamt hatte die inländische Verwendung dadurch einen leicht negativen Effekt auf das BIP (– 0,3 Prozentpunkte).

Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf den Vorjahresvergleich:

Auch im Vorjahresvergleich legte die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2012 zu: Das preisbereinigte BIP war um 1,7 % höher als im ersten Quartal 2011. Kalenderbereinigt war der Anstieg mit 1,2 % etwas schwächer, da es im Berichtsquartal durch das Schaltjahr einen Arbeitstag mehr gab als ein Jahr zuvor.

Die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2012 wurde von 41,1 Millionen Erwerbstätigen im Inland erbracht, das waren 612 000 Personen oder 1,5 % mehr als ein Jahr zuvor. Einen solchen Anstieg der Erwerbstätigen hatte es zuletzt vor vier Jahren gegeben.

Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität, gemessen als preisbereinigtes BIP je Erwerbstätigen, lag im ersten Quartal 2012 nur geringfügig über dem Niveau des entsprechenden Vorjahresquartals (+ 0,2 %). Je Erwerbstätigenstunde war die Arbeitsproduktivität nach ersten vorläufigen Berechnungen sogar niedriger als vor einem Jahr (– 0,6 %), da je Erwerbstätigen im Durchschnitt um 0,8 % mehr gearbeitet wurde als im Vorjahr. Dies ist im Wesentlichen auf den zusätzlichen Arbeitstag durch das Schaltjahr zurückzuführen.

Die preisbereinigte Bruttowertschöpfung aller Wirtschaftsbereiche war im ersten Quartal 2012 um 1,8 % höher als im ersten Quartal 2011. Den größten Anteil daran hatten die Unternehmensdienstleister mit einem Plus von 3,9 %. Auch im Bereich Information und Kommunikation (+ 3,6 %), im Verarbeitenden Gewerbe (+ 2,6 %) sowie im Bereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe (+ 2,5 %) war die Wirtschaftsleistung zum Jahresbeginn deutlich höher als vor einem Jahr. In allen weiteren Dienstleistungsbereichen sowie im gesamten Produzierenden Gewerbe (ohne Baugewerbe) gab es ebenfalls Zuwächse, die aber geringer ausfielen. Lediglich im Baugewerbe (– 0,4 %) sowie in der Land- und Forstwirtschaft (– 0,3 %) ging die preisbereinigte Bruttowertschöpfung im Vergleich zum Vorjahr etwas zurück.

Auf der Verwendungsseite des Bruttoinlandsprodukts kamen die Wachstumsimpulse im Vergleich mit dem ersten Quartal 2011 überwiegend aus dem Inland. Vor allem die gestiegenen Konsumausgaben sorgten dafür, dass es für die deutsche Wirtschaft im Vorjahresvergleich auch zum Jahresbeginn weiter bergauf ging: Die privaten Konsumausgaben waren preisbereinigt um 1,8 % höher als vor einem Jahr, die des Staates sogar um 1,9 %. Daneben wurde wiederum mehr in Ausrüstungen – also hauptsächlich in Maschinen und Geräte sowie Fahrzeuge – investiert als im ersten Quartal 2011 (+ 2,5 %). Dagegen gingen die preisbereinigten Bauinvestitionen im Vorjahresvergleich erstmals seit zwei Jahren zurück, nämlich um 0,5 %. Dies war in erster Linie kräftigen Einbußen beim öffentlichen Bau im ersten Quartal 2012 geschuldet; 2011 war dieser noch massiv durch staatliche Konjunkturpakete gestützt worden. Lediglich die Investitionen in Wohnbauten legten auch zum Jahresbeginn 2012 weiter zu. Insgesamt war die inländische Verwendung um 1,2 % höher als im ersten Quartal 2011.

Auch vom Außenhandel kamen im ersten Quartal 2012 positive Impulse: Es wurden preisbereinigt 5,9 % mehr Waren und Dienstleistungen ins Ausland exportiert als vor einem Jahr. Die Importe von Waren und Dienstleistungen stiegen im selben Zeitraum ebenfalls an, aber etwas schwächer (+ 5,6 %) als die Exporte. Dadurch trug der Außenbeitrag als Saldo zwischen Exporten und Importen im Vorjahresvergleich mit 0,5 Prozentpunkten zum Anstieg des BIP im Vorjahresvergleich bei.

In jeweiligen Preisen gerechnet war das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2012 um 3,0 % und das Bruttonationaleinkommen um 3,2 % höher als im ersten Quartal 2011. Das Volkseinkommen, das sich aus dem Arbeitnehmerentgelt und den Unternehmens- und Vermögenseinkommen zusammensetzt, nahm insgesamt um 3,4 % zu. Dabei stieg das Arbeitnehmerentgelt mit 3,8 % etwas stärker als die Unternehmens- und Vermögenseinkommen, die nach ersten vorläufigen Berechnungen um 2,7 % zunahmen. Die Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer waren brutto wie netto um 4,1 % höher als ein Jahr zuvor, da ihre Abgaben – also Sozialbeiträge und Lohnsteuer – in ähnlicher Größenordnung stiegen (+ 4,2 %). Im Durchschnitt je Arbeitnehmer berechnet fiel der Anstieg der Löhne und Gehälter mit + 2,6 % schwächer aus, da auch die Anzahl der Arbeitnehmer im Vergleich zum Vorjahresquartal zunahm (+ 1,6 %). Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte erhöhte sich im ersten Quartal 2012 gegenüber dem ersten Quartal 2011 um 3,6 % und damit etwa genauso stark wie die privaten Konsumausgaben in jeweiligen Preisen (+ 3,5 %). Daraus errechnet sich für die Sparquote der privaten Haushalte im Berichtsquartal ein vorläufiger Wert von 14,4 %, also in der gleichen Höhe wie zum Jahresbeginn 2011.

Neben der Erstberechnung des ersten Quartals 2012 hat das Statistische Bundesamt auch die bisher veröffentlichten Ergebnisse der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen für die Quartale und das Jahr 2011 überarbeitet und – soweit erforderlich – revidiert. Darüber hinaus kann es bei saison- und kalenderbereinigten Reihen zu geänderten Ergebnissen in der gesamten Zeitreihe kommen. Für das BIP ergaben sich bei der Überarbeitung aber keine Änderungen der bisherigen Ergebnisse.

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