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Ausländer kennen es und verstehen es selten – Das indische Kastensystem

… aus der Kolumne "Business World India" von Peter P. Müller, DFIC Management Consultants Pvt. Ltd.

Im indischen Sozialsystem steht die Familie an oberster Stelle. Eine Ebene darunter herrscht das System der Kaste.

Diese System und die damit verbundenen Rollenmodelle sind für Ausländer nur schwer nachvollziehbar und noch wenigen ersichtlich, wenn sie mit Indern zu tun haben. Es fällt schwer und ist auch fast unmöglich zu erkennen, ob der hierarchische Respekt eines Indern gegenüber eines anderen Inders aus der Kastenzugehörigkeit herrührt oder aufgrund der beruflichen Position.

Das Kastensystem, die -einteilung und deren Bedeutung

Die Einteilung in vier Kasten entstammt der traditionellen Unterteilung aus der hinduistischen Gesellschaft. Die vier Kasten heißen:
– Brahmen (die Priesterkaste)
– Kshatriya (die Kriegerkaste)
– Vaisha (die Händlerkaste)
– Shudra/ Backwards Castes (die Bedienstetenkaste)

Alles Sammelbegriff für alle vier Kasten wird das Wort „Varna“ in öffentlichen, meist politischen Kommentaren verwendet. Jeder Inder wird in eine der vier Kasten hineingeboren, die einen festen und nicht überschreitbaren sozialen Rang ausdrückt. Man bleibt sein Leben lang in der selben Kaste. Erst durch den Tod gibt sich die Möglichkeit eines Kastenwechsels. Der hinduistische Glaube entwickelt daher den Ehrgeiz, sich im derzeitigen Leben so zu verhalten und zu leben, dass durch eine Neugeburt, die Chance in eine höhere Kaste zu kommen, gegeben ist.

Im heutigen Sprachgebrauch bezieht sich der Begriff Kaste auch auf das „Jati“-System. Dieses Jati-System bestimmt die heutige indische Gesellschaft und beschreibt die alltäglichen Sozialbeziehungen und beruflichen Ausrichtungen. Es besteht aus mehr als 3.000 berufsspezifischen Kasten. Somit ist auch die durch das Kastensystem vorgegebene hierarchische Gesellschaftsordnung nicht ein für alle Mal manifestiert, sondern von der beruflichen Ausrichtung geprägt.

Aktuelle Entwicklungen

Die Auswirkungen des „hineingeboren“ Werdens in eine bestimmte Kaste kommt zum einen durch die Berufswahl zum Ausdruck, die sich an den Berufen der anderen Familienmitglieder orientiert und zum anderen an der Auswahl des Ehepartners, der der gleichen Kaste angehören muss. Bei den jüngeren Indern, wie ich es an indischen Universitäten sehe, an denen ich Management lehre, findet jedoch mehr und mehr eine kastenunabhängige Berufswahl statt. Diese Entwicklung bringt die Öffnung Indiens und die Globalisierung mit sich. Bei der Partnerwahl sind die Entwicklungen noch nicht so weit gediehen.

Im Umgang mit Indern ist die Kastenzugehörigkeit schwer erkennbar. Kleine Indizien meine ich immer daran zu erkennen, dass Personen der gleichen Kaste einen freundschaftlicheren, unkomplizierteren Umgang miteinander haben. Während die soziale Beziehung zu anderen Kasten formaler und mit größerer Distanz (nach oben und unten) gelebt wird. Auch scheinen die „Unwritten Rules of the Game“ sowie auch Verbote den Umgang von verschiedenen Kasten zu bestimmen. Diese Rules sind ebenfalls nur schwer erkennbar und verständlich. Bei guten Bekannten und Freunden frage ich daher immer nach, zu welchen Kasten sie gehören. Als Ausländer hat man meist nur mit Brahmen und Kshatriya zu tun.

Ihr Peter Müller

 

Peter P. Müller, Managing Partner DFIC Management Consultants India Pvt. Ltd, Kolkata und Geschäftsführender Gesellschafter der GMBP, Wiesbaden.

 

Zu DFIC – Management Consultants Pvt. Ltd.:

DFIC Management Consultants Pvt. Ltd. is the Indian subsidiary of DFIC in Germany founded by German and Indian partners with experience in international consultancy. In Kolkata/ West Bengal, DFIC India has established an Indian Pvt Ltd. with well experienced local partners. The philosophy is based on using profound consulting knowledge to produce solutions for the clients´ benefit and a clear down to earth approach in relation to the client maturity.

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