Wirtschaft

Außerbörslich gehandelte Derivate mit 601 Bio. Dollar beim 10-fachen des globalen BIP

Günter Verheugen, von 1999 bis 2010 EU-Kommissar hat vor dem „Senat der Wirtschaft“ in Wien eine Rede gehalten. Dabei wies er darauf hin, dass die Finanzwirtschaft weiter das Geschehen dominiere. Während sich das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) in dem Zeitraum von 1990 bis 2010 von 22 Billionen Dollar auf 63 Billionen Dollar (48,8 Billionen Euro) verdreifacht hat, sind allein die außerbörslich gehandelten Derivate im gleichen Zeitraum von 2 Billionen Dollar auf 601 Billionen Dollar explodiert – das Zehnfache der Realwirtschaft. „Die weltweite Spekulation mit vergifteten Wertpapieren geht weiter“ so Verheugen, die Stabilisierungsversuche seien gescheitert. Auch das Volumen der gehandelten Aktien und Anleihen übertrifft mit 87 Billionen Dollar die globale Realwirtschaft bereits deutlich (1990: 9 Billionen Dollar).

In Bezug auf die Euro-Krise bezeichnete Verheugen bei seiner Rede Deutschland als den großen Gewinner der Krise. „Deutschland verdient derzeit an dieser Krise und zwar nicht zu knapp“ sowie „Deutschland ist der absolute Hauptnutznießer der Krise“. Verheugen ist auch der Ansicht, dass die Krise noch nicht durchgestanden ist: „Ich glaube, dass wir noch nicht auf dem Gipfelpunkt der Krise angekommen sind.“ Diese sei aber auch nicht mit dem Zusammenbruch der Bank Lehman quasi „vom Himmel gefallen“, sondern sei, so berichtet "Der Standard",  Folge einer „langen Entwicklung schwerer politischer Fehler“. Verheugen nannte dabei vor allem die Fokussierung auf die laufende Neuverschuldung (Defizit) innerhalb der EU, bei der die Gesamtverschuldung und die Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit zu wenig beachtet worden sei.

(mb)

 

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