Panorama

Bachelorstudium in Physik wird vom Arbeitsmarkt kaum anerkannt

Laut einer Studie der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) haben es Absolventen des vor wenigen Jahren eingeführten Bachelorstudiums deutlich schwerer eine Arbeitsstelle zu bekommen, als noch mit dem „guten alten“ Diplom. Industrie und Wirtschaft würden das Bachelorstudium als unvollständige Ausbildung ansehen. Der im Rahmen des Bologna-Prozesses eingeführte dreijährige Studiengang wird von 90% der befragten Unternehmen als einziger berufsqualifizierender Abschluss abgelehnt. Dabei waren es vor allem Stimmen aus der Wirtschaft und wirtschaftsnahe Politikkreise, die den international hoch angesehenen deutschen Diplomabschluss seinerzeit zu Grabe trugen. Das Hauptargument: Je kürzer die Ausbildung, desto schneller stehen die Absolventen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Aus Sicht der Politiker: Umso schneller werden sie zu Beitragszahlern und füllen die Kassen der klammen Sozial- und Staatskassen. Nun zeigt sich erneut, dass die Wissenschaft niemals die Hoheit über die Bildung aus den Händen geben darf. Der größte Gewinn für die einzelnen Menschen, jedes Unternehmen und somit der gesamten Gesellschaft sind immer noch top ausgebildete junge Menschen, die motiviert und innovativ den Arbeitsmarkt beleben. Einige Bundesländer haben das schon erkannt und einerseits die sozial einschränkende/ausgrenzende derzeitige Form der Studiengebühren wieder abgeschafft (kürzlich NRW, Hessen und Saarland – es verbleiben in dieser Form lediglich die drei Bundesländer Bayern, Niedersachsen und Baden-Württemberg), sowie andererseits das Diplom als alternativen Studiengang wieder eingeführt (Sachen und Mecklenburg-Vorpommern, sowie von dem Verbund der neun größten technischen Hochschulen Deutschlands TU9 gefordert). Die DPG empfiehlt hingegen derzeitigen Studenten, nach dem Bachelorabschluss einen der zahlenmäßig stark begrenzten Masterstudiumgänge aufzunehmen. Zudem sollten die Universitäten die Praxisorientierung in den kurzen drei Jahren erhöhen. Ob Studenten, Professoren und Universitäten in diesem knappen zeitlichen Rahmen jedoch alle Anforderungen unterbringen können, ist äußerst fraglich.
 

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