Wirtschaft

Bank of America muss 8,5 Mrd. zahlen – größter Vergleich der Finanzgeschichte

Das 8,5-Milliarden-Dollar-Problem, das derzeit auf Amerikas größte Bank, die Bank of America, zurollt, heißt abermals Countrywide. Die Bank of America hatte den Immobilienfinanzierer während der Finanzkrise übernommen und vor der Pleite bewahrt – muss aber nun für dessen Verfehlungen gerade stehen. In den USA wurde vor kurzem erst richtig damit begonnen, die unrühmliche Rolle mancher großen Finanzinstitute für die Ursachen oder als Katalysator der Finanzkrise aufzuarbeiten. In dem speziellen Fall nun hatte Countrywide wie damals üblich einen Teil seiner Kredite zu Wertpapieren gebündelt und weiterverkauft, ungeachtet der Tatsache, dass viele Kredite nur als Ramsch hätten bewertet werden dürfen (faule Hypothekenpapiere), da sich viele Kreditnehmer als zahlungsunfähig herausgestellt haben. Deswegen fühlen sich nun 22 hochkarätige Investoren von Countrywide übers Ohr gehauen und verlangen Schadensersatz. Darunter so gewichtige Investoren wie die Federal Reserve Bank of New York, der Vermögensverwalter Blackrock und der Versicherer MetLife. Laut dem „Wall Street Journal“ dürfte es auf einen Vergleich in Höhe von 8,5 Milliarden Dollar hinauslaufen (es läuft bei diesen Fragen immer auf einen Vergleich hinaus, weil die Beklagten so ein Urteil und damit eine Strafe und somit auch einen wegweisenden Präzedenzfall verhindern können). Die Bank of America hat sich bislang noch nicht dazu geäußert. Das Institut hat bereits Anfang des Jahres den Immobilienfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac aus gleichem Grund in einem Vergleich rund 2,8 Milliarden Dollar gezahlt.

Zum Vergleich: Der US-Konkurrent Goldman Sachs musste wegen fauler Hypothekengeschäfte bislang nur 550 Millionen Dollar an Wiedergutmachung zahlen, JP Morgan Chase gar nur 210 Millionen Dollar. Allerdings droht JP Morgen als Hausbank des größten Betrügers aller Zeiten, dem Schneeball-König Madoffs, Ungemach in einer ganz anderen Größenordnung: Der Treuhänder Irving Picard fordert insgesamt 19 Milliarden Dollar Schadenersatz von JP Morgan Chase. Grund: Es gebe neue Beweise dafür, dass „JP Morgan Chase das Schneeballsystem von Madoff erst möglich gemacht hat. (…) JP Morgan Chase hätte nicht nur von dem vor sich gehenden Betrug wissen sollen, sie wussten es.“ Die Bank hätte somit den gewaltigen Milliardenbetrug quasi erlaubt. Alles in allem steht die juristische Aufarbeitung der Finanzkrise auch Jahre danach immer noch an ihrem Anfang. Denn hier muss man den zweiten Schritt vor dem Ersten Denken: Wie kann man mit systemrelevanten Banken umgehen, die aufgrund ihres Gebahrens dem System zu viel Schaden zufügen, um weiterhin in dieser Form fortbestehen zu dürfen. Und wie wickelt man systemrelevante Banken ab, wenn die Schadensansprüche für ihr zurückliegendes Handeln die Existenzgrundlagen der betreffenden Bank übersteigt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.