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Bauindustrie in Spanien – Marktbereinigung führt zu drastischem Anstieg von Fusionen und Übernahmen

Während in der Eurozone ohne Einschluss Spaniens Fusionen und Übernahmen (M&A) in der Baubranche derzeit eher rar sind, ist in Spanien seit Anfang des Jahres 2012 ein drastischer Anstieg der M&A-Aktivitäten zu beobachten.

Allein in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres wurden 48 Unternehmenszusammenschlüsse und -übernahmen gezählt. Das sind achtmal mehr Transaktionen als im gesamten Jahr 2011. Diese Dynamik wird sich bis Jahresende und auch im kommenden Jahr voraussichtlich fortsetzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) auf Grundlage der Zephyr-Datenbank von Bureau van Dijk (BvD), die Informationen zu Unternehmensübernahmen und -zusammenschlüssen, Börsengängen und Private Equity Transaktionen weltweit enthält.

Vor dem Jahr 2008 und damit vor dem Platzen der spanischen Immobilienblase erwirtschaftete die Baubranche über zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und war damit einer der wichtigsten Wirtschaftssektoren Spaniens. Bis Ende 2011 brach die Wertschöpfung aus diesem Sektor preisbereinigt um fast ein Drittel ein. Das mit Ausbruch der Finanzkrise abrupte Ende des Baubooms in Spanien im Jahr 2008 führte zu einer beispiellosen Marktbereinigung in der dortigen Bauwirtschaft. So wurden im Zeitraum von 2008 bis einschließlich 2010 rund 4.400 Unternehmen der vor allem von kleinen Firmen dominierten Bauindustrie in Spanien insolvent und allein im Jahr 2011 kamen nochmals 1.914 Insolvenzen hinzu. Parallel zu diesem Firmensterben kam es im Jahr 2008 zu einem ersten Hoch bei Fusionen und Übernahmen, das allerdings durch den Einbruch der spanischen Konjunktur um das Jahr 2009 – das reale BIP ging um 3,7 Prozent zurück – zunächst wieder zum Erliegen kam. Jetzt scheint sich eine zweite Welle an Unternehmenszusammenschlüssen und -übernahmen anzubahnen. Allein in der ersten Hälfte des Jahres wurden 48 Transaktionen und damit achtmal so viele wie im gesamten Jahr 2011 gezählt. Und dieser Trend dürfte sich fortsetzen, denn im Jahr 2011 wurden rund 100 Transaktionen angekündigt, die 2013 oder 2014 zum Abschluss kommen sollten. Dabei ist die spanische Baubranche durch viele kleine und nur wenige große Firmen gekennzeichnet, die sich fast ausschließlich in spanischer Hand befinden. Entsprechend spielen sich die Transaktionen vor allem zwischen spanischen Unternehmen ab.

Quelle: ZEW

Christoph Schroeder

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