Finanzmarkt

BCG: Weltweite Kapitalanlagen haben Vorkrisenniveau überschritten – Marge 37% der Nettoerlöse

[Bild: genau eine Milliarde Dollar / art Marcovici]

Die Boston Consulting Group (BCG) hat einen aktuellen Überblick über die weltweit von Vermögensverwaltern kontrollierten Vermögenswerten veröffentlicht. Demnach übertreffen die Kapitalanlagen sogar bereits wieder das Vorkrisenniveau von 2007.

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BCG-Studie: Gewinne und verwaltete Kapitalanlagen liegen nahezu wieder auf Vorkrisenniveau – Nettomittelzuflüsse bleiben moderat und haben sich zugunsten nicht-traditioneller Anbieter verschoben

Wieder im Aufwind: Nach vier wachstumsschwachen Jahren stieg der Wert der weltweit von Asset-Managern verwalteten Vermögenswerte 2012 auf 62,4 Billionen US-Dollar. Das entspricht einem Zuwachs von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr – und übertrifft zugleich das Vorkrisenniveau (2007: 57,2 Billionen US-Dollar). Der Anstieg der Kapitalanlagen ist vor allem auf die positive Entwicklung der globalen Aktien- und Rentenmärke zurückzuführen – und weniger auf Nettomittelzuflüsse. Letztere nahmen mit 1,2 Prozent zwar wieder stärker als in den Krisenjahren zu, ihr Wachstum blieb jedoch immer noch deutlich hinter den durchschnittlichen Vorkrisenwerten von drei bis sechs Prozent zurück. Die Margen stiegen auf 37 Prozent der Nettoerlöse, der Gewinn auf 80 Milliarden US-Dollar – womit er rund 15 Prozent unter Vorkrisenniveau lag. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie Global Asset Management 2013: Capitalizing on the Recovery der Boston Consulting Group (BCG). Darin wird die Branche zum elften Mal in Folge anhand von 42 Ländern analysiert, die 98 Prozent der globalen Asset-Management-Industrie stellen. Teil der Studie ist auch ein Benchmarking mit mehr als 120 führenden Anbietern, die Assets im Wert von 33 Billionen US-Dollar bzw. 53 Prozent der globalen Kapitalanlagen verwalten.

In der Branche gibt es weiterhin eine hohe Volatilität, rückläufige Erlösmargen und starke Abweichungen in der Performance zwischen einzelnen Anbietern, Produkten und Regionen – wodurch insbesondere traditionelle Vermögensverwalter vor Herausforderungen gestellt werden. Der Absatz traditioneller Anlageklassen entwickelte sich weiter rückläufig zugunsten von Solutions, Spezialitäten und passiven Anlageklassen.

„Diese anhaltende strukturelle Verschiebung der Anlageklassen wirft Fragen nach der Zukunftsfähigkeit traditioneller Vermögensverwalter auf“, erläutert Kai Kramer, BCG-Partner und einer der Studienautoren. „Viele Asset-Manager verdienen immer noch viel Geld mit den traditionellen Anlageklassen. Dadurch wird oft die Dringlichkeit ausgeblendet, sich mit strukturellen Veränderungen, die sich bereits zeigen oder zukünftig ergeben werden, auseinanderzusetzen.“

Zu den erfolgreichsten Asset-Managern zählen sowohl Spezialisten als auch traditionelle Anbieter, die sich zweigleisig aufgestellt haben, d. h., die ihre traditionelle aktiv verwaltete Anlagebasis beibehalten und zugleich Fähigkeiten entwickelt haben, um mit schnell wachsenden Anlageklassen wie Solutions und Spezialitäten Marktanteile zu gewinnen. Diese Asset-Manager konnten ihre Gewinne seit 2010 um zehn Prozent jährlich steigern, während traditionelle Anbieter einen Gewinnrückgang von zwei Prozent hinnehmen mussten.

US-amerikanische Vermögensverwalter haben international die Führung übernommen und erzielten entsprechende Ergebnisse: Während ihre Gewinne 2012 um zehn Prozent im Vergleich zum Niveau des Jahres 2007 anstiegen, blieben die Gewinne europäischer Anbieter um 31 Prozent dahinter zurück. US-Anbieter setzen ihre Kenntnisse über Spezialitäten, ihre Produktexpertise und ihren internationalen Vertrieb ein, um in Europa zu expandieren und ihren Marktanteil dort weiter auszubauen.

Unabhängig von der Erholung der Branche wachsen die verwalteten Kapitalanlagen in einzelnen Regionen unterschiedlich schnell. Vermögensverwalter agieren in einer zweigeteilten Welt, in der die kleinen, aufstrebenden Märkte deutlich höhere Zuwachsraten erzielen als die Industriestaaten. Gleichzeitig fällt das absolute Wachstum in den Industrieländern infolge ihrer dominanten Marktgröße deutlich höher aus. Von den Industrieländern erwirtschafteten einige – darunter Deutschland, die USA, die Niederlande, Australien und Südkorea – ein solides Wachstum von zehn Prozent und mehr infolge der Marktentwicklung sowie höherer Nettomittelzuflüsse. Im Gegensatz dazu verzeichneten Japan und einige europäische Länder – darunter Frankreich und Italien – nur ein einstelliges Wachstum, das durch die positive Marktentwicklung bedingt ist. In Deutschland wuchsen die verwalteten Kapitalanlagen 2012 im Vorjahresvergleich um elf Prozent auf 2,3 Billionen US-Dollar.

Die verwalteten Kapitalanlagen in Asien – exklusive Japan und Australien – nahmen 2012 um 17 Prozent zu. In Japan und Australien stiegen sie um sechs bzw. 14 Prozent. Lateinamerika erzielte ein starkes Wachstum von 14 Prozent; im Nahen Osten und Südafrika wuchsen die Vermögenswerte um zwölf Prozent.

Download der Studie Studie „Global Asset Management 2013: Capitalizing on the Recovery

(Boston Consulting Group 2013)

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Marc Brümmer

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