Wirtschaft

Behörden gehen schärfer gegen Insiderhandel vor – US-Investor wegen 7-Milliarden-Dollar-Betrugs verurteilt

Der Investor Allen Stanford aus dem US-amerikanischen Bundesstaat Texas ist am Dienstag wegen eines milliardenschweren Anlagebetrugs schuldig gesprochen worden. Der Texaner befindet sich wegen Fluchtgefahr bereits seit drei Jahren im Gefängnis. Das Geschworenengericht hat den 61-Jährigen in 13 von 14 Anklagepunkten für schuldig befunden, darunter Betrug, Verschwörung, Geldwäsche und Behinderung der Justiz. Jeder dieser Anklagepunkte sieht Höchststrafen von bis zu 20 Jahren Haft vor. Stanford hatte in allen Punkten auf nicht schuldig plädiert. Der Investor hat über seine in dem Karibikstaat Antigua ansässige Firma mehr als 30.000 Anleger aus über 100 Ländern mit einem Schneeballsystem um 7 Milliarden Dollar betrogen.

Sollte sich Stanford entscheiden, seine Strafe im Bundesgefängnis von Butner, North Carolina, abzusitzen, wäre er in guter Gesellschaft. Hier sitzt bereits der Rekordbetrüger Bernard Madoff ein, der ebenfalls über ein Schneeballsystem („Ponzi scheme“) einen Betrug über rund 65 Milliarden Dollar initiiert hatte und im Sommer 2009 zu 150 Jahren Haft verurteilt worden war. Weiterer prominenter Insasse ist der ehemalige Hedgefonds-Manager Raj Rajaratnam (54), der im Oktober 2010 wegen Insiderhandels und Verschwörung elf Jahren Haft bekam. Rajaratnam hatte den bislang größten Hedgefonds-Skandal an der Wall Street der vergangenen 30 Jahre ausgelöst. Neben den international bekannten Milliardenbetrügern sitzen hier eine Reihe weiterer prominente Wirtschaftskriminelle ein – für manche wohl die Chance zum Fortbilden und Netzwerkeln.

Von Deutschland ausgehend wurden letzte Woche mit einem Großaufgebot 86 internationale Standorte wegen des Verdachts auf Insiderhandel und Börsenkursmanipulationen durchsucht, davon 53 in Deutschland, im restlichen Europa 29 und außerhalb Europas vier. Die Razzia richtete sich gegen ein Netzwerk von Börsenbetrügern, das Aktienkurse manipuliert habe, in dem sie unter anderem in Börsen-Publikationen und entsprechenden Newslettern falsche Angaben gemacht haben, um selbst enorm davon zu profitieren. Dies weckt Erinnerungen an den erst kurz zuvor aufgedeckten SdK-Skandal in Deutschland, aufgrund dessen sich unter anderem sogar der ehemalige Vizechef der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Markus Straub, wegen Anlagebetrugs vor Gericht verantworten muss. Auch hier geht es um absichtlich falsche Angaben in Anleger-Broschüren und Newslettern, mit denen die Beschuldigten dann durch ein gegenteiliges eigenes Engagement Millionenbeträge ergaunern konnten.

Ebenfalls letzte Woche hatte die US-Bundespolizei FBI in den USA 120 Personen wegen Insiderhandels festgenommen, insgesamt seien sogar 240 Personen im Visier. Dies ist eine deutliche Steigerung: Seit Ende 2009 waren in den USA lediglich 66 Personen wegen Insiderhandels angeklagt worden, 57 davon verurteilt. Offen bleibt allerdings zunächst die Frage, ob die Moral auf den Finanzmärkten mit der Krise und kurz vor der gebotenen Regulierung weiter abgenommen und die Zahl der Betrüger zugenommen hat, oder ob die Behörden allmählich einfach genauer hinsehen.
(mb)

 

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