Kolumnen

Bericht: Vom Landwirt zum Energiewirt

Ein Bauer geht neue Wege: In Münchberg entsteht der größte Solarpark in Oberfranken. Der Blick von Landwirt Jürgen Müller streift über die brachliegende Ackerfläche. Für dieses Stück Land vor den Toren der Textilstadt Münchberg – sein Land – beginnt nun eine neue Ära. Mit dem Baubeginn Anfang Dezember entsteht hier Oberfrankens größter Solarpark.

 

Auf rund 30 Hektar Fläche, so groß wie zehn Fußballfelder, baut die Wirsol Solar AG dann insgesamt 29.760 Solarmodule auf knapp 800 exakt nach Süden ausgerichteten Tischen in das sanft geschwungene Gelände. Für Müller bedeutet das Ende und Anfang zugleich. Nachdenklich schabt er mit dem rechten Fuß in der regennassen Erde. Seit er denken kann wurden hier Getreide und Mais angebaut. Vor einigen Jahren übernahm er den väterlichen Hof, voller Enthusiasmus und neuer Ideen. Dann kam die Krise.

 

50 Milchkühe stehen heute im Stall des 45-Jährigen. Doch was soll er damit? Die Milchwirtschaft, so scheint es, ist dauerhaft unrentabel geworden. Seither suchen Landwirte nach neuen Einnahmequellen.

 

Vom Landwirt zum Energiewirt – warum nicht?, dachte Müller. Also wird er seine Kühe verkaufen. Über 50 Hektar eigenes Land bewirtschaftet er dann noch. Sein "Zweitjob" besteht künftig darin, "Hausmeister" eines Solarparks zu sein. Müller zuckt die Achseln und lacht: "Es gibt deutlich schlimmere Schicksale."

 

Es war die eigene Solaranlage auf dem Dach, die ihn auf die Idee brachte, groß in Solar zu investieren – ein Trend, dem viele Bauern in Bayern inzwischen folgen.

 

Das liegt daran, dass sich Landwirte und Solartechnik offenbar besonders gut miteinander vertragen. "Bauern sind immer innovativ und offen für Neues", sagt Markus Wirth, der Vorstand der Wirsol Solar AG. Es sei außerdem selbstverständlich für sie, mit der Natur zu arbeiten: "Wenn ein Bauer sieht, dass sich mit der Natur Geld verdienen lässt, ohne das diese Natur zerstört wird, dann ergreift er die Chance." Hinzu komme die Technikaffinität, die viele Landwirte auszeichne.

 

Das oberfränkische Pilotprojekt entsteht im Südosten Münchbergs zwischen den Ortsteilen Mechlenreuth und Eiben. Mit sieben Megawatt Leistung und 48.000 Quadratmetern Modulfläche wird der Solarpark im nächsten Jahr ans Netz gehen. Später soll er auf 11 Megawatt ausgebaut werden und dann insgesamt 4.000 Haushalte mit sauberem und nachhaltigem Öko-Stroms versorgen.

 

"Dieser Park wird ein Zeichen setzen für die Produktion von sauberer Energie für Bayern und die Stärkung des ländlichen Raums durch Gewerbesteuer, hier für die Stadt Münchberg", betont der Geschäftsführer der FirmaBavaria Sun Power GmbH, Toni Bühler. Die Firma hat das Projekt in Münchberg entwickelt. " Zu Beginn war ich skeptisch, weil auch zwei kleinere Waldstücke abgeholzt werden mussten", brummt der Landwirt in breitem Dialekt: "Das passt ja nicht zum Thema Umweltschutz."

 

Überzeugt haben ihn schließlich die Ausgleichsmaßnahmen und das zugehörige Umweltschutzkonzept. Und außerdem müsse man ja leben: "Was die Wertschöpfung betrifft, gibt es momentan nichts Besseres. Für mich bedeutet die Solarenenergie einen zusätzlichen Ertrag", sagt Müller. Dass diese Strategie für alle Beteiligten aufgeht, verdanken sie nicht zuletzt der Politik.

 

Egal ob Sonnen-Energie, Windkraft oder Biomasse – der Freistaat hat sich in Sachen Erneuerbare Energien inzwischen fast unbemerkt die Pole-Position unter den Bundesländern gesichert. Bayern beherbergt nach Angaben des bayerischen Umweltministeriums mittlerweile rund die Hälfte aller Solaranlagen in Deutschland. "Diese Spitzenposition wollen wir in geeigneter Weise ausbauen", betont der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe, Dr. Hans-Peter Friedrich.

 

Der Solarpark in Münchberg sei ein zukunftsweisendes Projekt, das seinen Teil zur Entwicklung des ländlichen Raums beitrage. Für die CSU sei neben dem Umweltschutz außerdem das Argument einer unabhängigen Energiegewinnung maßgeblich: "Was wir selbst produzieren, müssen wir nicht von irgendwoher kaufen. Wir Bayern sind nicht gern von anderen abhängig."

 

In selbe Horn stößt der Münchberger Bürgermeister Thomas Fein: "Das Projekt ist eine Chance für die Region und es gibt gerade den Bauern echte Alternativen an die Hand." Und weil Klimaschutz für Fein mehr als ein Marketing-Gag sein soll, hat er auch darauf geachtet, dass der Park – grüne Energie hin oder her – der umliegenden Natur nicht schadet: "Der Solarpark wurde nach strengen Umweltrichtlinien geplant, der sich in die umliegende Landschaft einpasst und den natürlichen Lebensraum von Flora und Fauna respektiert."

 

Dann zählt er auf: Auf drei Hektar werden neue Laubbäume gepflanzt, ein Korridor begünstigt den Wildwechsel und unter den Zäunen können ungehindert kleinere Tiere hindurch gelangen. Aufgrund des extra dafür aufgestellten Bebauungsplans der Stadt entstehen keine "erheblichen Umweltauswirkungen". Das bedeutet grünes Licht für den Bau.

 

Bereits Anfang Februar sollen die ersten Module montiert werden. Zudem soll bei allem Umweltschutz auch das lokale Stilempfinden nicht vernachlässigt werden. Denn sogar die Wechselrichterhäuschen sind ganz auf Bayern eingestellt: Die kleinen Häuser bestechen durch Holzoptik im fränkischen Stil. Der Bürgermeister nickt: "Darauf wurde besonderer Wert gelegt."

 

Der Solarpark Münchberg in Zahlen:

 

Fläche: rund 30 Hektar, erste Ausbaustufe 15 Hektar

Nennleistung: 6,8448 Megawatt in Ausbaustufe 1, 11 Megawatt in Stufe 2

Anzahl: 28.640 Module von Yingli Green Energy, montiert auf 716 Tischen zu 40, und 56 Tischen zu 20 Modulen. Sieben Wechselrichterhäuschen mit je drei Wechselrichtern von Power-One

Gesamtmodulfläche: 48613 Quadratmeter

Verschattungswinkel: 15,5 Grad (D.h.: Bei 15,5 Grad Sonnenstand liegt der Schatten der oberen Modulkante der Vorderreihe unter dem unteren Modulrand der hinteren Reihe)

 

Quelle: WIRSOL 2009 / Dr. Franz Alt – Sonnenseite.com

 

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