Deutschland

Betreuungsgeld weiterhin in der Kritik – frühkindliche Förderung in Gefahr

Das vor allem von der CSU geforderte und kürzlich von der Koalition beschlossene Betreuungsgeld, salopp auch als „Herdprämie“ bezeichnet, steht weiter unter massivem Beschuss aus der Wissenschaft, parteiübergreifender Kritik aus der Politik und wird auch von den Spitzenverbänden der Wirtschaft kritisiert.

Mit dem Betreuungsgeld sollen Eltern 100 Euro im Monat erhalten, wenn sie ihr Kind nicht in eine Kinderkrippe bzw. Kindertagesstätte (KiTa) geben. Der Hintergrund: Ab 2013 hat jedes Kind einen gesetzlichen Anspruch auf einen Krippenplatz – ein zentrales Element, um Mütter wieder zurück in die Berufswelt zu führen und damit, neben der Chancengerechtigkeit, zugleich auch dem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen. Derzeit steht es in Deutschland jedoch noch schlecht um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Jede zweite Frau muss wegen mangelnder Unterstützung auf eine Karriere verzichten. Auch in Bezug auf die Arbeitszeit nimmt Deutschland im europäischen Vergleich einen der letzten Plätze ein, nur in den Niederlanden, Großbritannien und Irland ist das Ausmaß der Arbeitszeitunterschiede zwischen Männern und Frauen noch größer.

Die Betreuungsgeld wird zudem auch kritisiert, da es weder der frühkindlichen Förderung dient, noch die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund erleichtert oder den einkommensschwachen Haushalten hilft, da 100 Euro schlichtweg zu wenig im Vergleich zu den negativen Auswirkungen ist. Es wird unterstellt, dass die Länder, die ihre Hausaufgaben noch nicht gemacht haben, lediglich ihre Haushalte schonen wollen. Gutes Beispiel ist Bayern, das am lautstärksten das Betreuungsgeld gefordert hat: Bayern kommt nur auf eine schwache Betreuungsquote von 20,6% (Ausbaustand 2011), müsste aber bis 2013 die gesetzlich vorgeschriebenen 60% erreichen. Das billige Betreuungsgeld sei daher ein Schutz gegen eine zu erwartende Klagewelle, wenn ab 2013 ein KiTa-Platz gesetzlich eingefordert werden kann.

DIHK sieht frühkindliche Förderung in Gefahr

Nun hat der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Alexander Schumann, die Kritik des DIHK an dem Betreuungsgeld erneuert: „Das Betreuungsgeld ist eine überflüssige Ausgabe und setzt falsche Anreize.“ Die Maßnahme werde „dazu führen, dass gerade Familien aus bildungsfernen Schichten die Möglichkeiten einer Kinderbetreuung und damit einen ersten Baustein frühkindlicher Bildung nicht in Anspruch nehmen. (…) Die frühkindliche Förderung ist aber entscheidend für den weiteren Bildungsweg und damit für gute Chancen am Arbeitsmarkt und im Leben.“ Vor diesem Hintergrund plädierte der DIHK-Chefvolkswirt dafür, „mit dem Geld besser den Ausbau der Kinderbetreuung zu fördern“.

Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) hat zeigt, dass sich Investitionen in die Kinderbetreuung auch für den Staat rentieren: Durch die zusätzlichen Steuereinnahmen der dann arbeitenden Mütter, geringere Sozialausgaben sowie sinkende Kosten für die Nachqualifizierung des Nachwuchses aufgrund der frühkindlichen Förderung, werden die Mehrausgaben bis zum Jahr 2035 gedeckt sein. Langfristig könnte sogar eine Bildungsrendite von mindestens 5 Prozent erzielt werden.

(mb)

Marc Brümmer

4 Kommentare zu “Betreuungsgeld weiterhin in der Kritik – frühkindliche Förderung in Gefahr

  1. So toll sind Krippen für 0 – 3jährige Kleinstkinder nicht, für die seltsamerweise linke und gewerkschaftsnahe Parteien als auch Wirtschaftslobbyisten (Arbeitgeberpräsident HUNDT; Präsident von Gesamtmetall) wie wild trommeln.
    Nicht nur die Familie, sondern vorallem die Schwächsten, die Kinder, werden möglicherweise ernste Probleme bekommen und damit die Zukunft unseres Volkes.

    Ausgerechnet diejenige Partei, die sich für die Schwachen einsetzen will, argumentiert reflexhaft gegen das Betreuungsgeld und damit die Schwächsten der Gesellschaft.
    Die Krippe scheint eine Einrichtung zum Wohlergehen von Erwachsenen zu sein, denn ein bezüglich der sehr frühen Krippenaufbewahrung nicht ausreichend beachtetes Problem (neben zu befüchtender erhöhter Stresshormonausschüttung infolge „learned helpnessless“ und Wachstumshormonmangel infolge reduziertem Langsamen-Wellen-Schlaf in der Krippe) ist die mögliche Störung bzw. Verzögerung der frühkindlichen Sprachentwicklung Ein wichtiger Unterschied zwischen Tier und Mensch ist die Sprache auch als Basis des Denkens. Mangelnde primäre (besonders 0- 1,5 Jahre)frühkindliche Sprachentwicklung hat oft die Folge von Lese- und Rechtschreibstörungen und letztlich ungünstiger kognitiver Entwicklung.
    Dadurch ist zu erwarten, dass die wichtigste Resource, welche unser Volk besitzt, nur ungenügend sprachlich und kognitiv entwickelt geerntet wird. (Siehe Ärztereport der Barmer Ersatzkasse vom Januar 2012 mit bereits jetzt schon ca. 40% sprachgestörten Kindern im Alter von 5-6 Jahren (Gründe: Zunahme Tagesmütter: 2006
    ca. 14%, bereits 2010: 23%;; enorme Lärmpegel in Kitas); logopädische Behandlungskosten etwa 1 Milliarde Euro).
    Warum heißt es Muttersprache und nicht Vatersprache?
    Bereits ab der 20. Gestationswoche hört der Foet im Mutterleib flüssigkeitsangekoppelt die Mutterstimme und ist nach der Geburt massiv darauf fixiert, sodass eine längere (max. bis zu 3 Jahren) dyadenspezifische Beziehung zwischen diesen beiden Personen notwendig ist, zumal in diesem Zeitraum zumindest zwei kürzere Phasen besonders begierigem Sprechlernen des Kleinkindes individuell verschieden auftreten (siehe „Vergewaltigung der menschlichen Identität; über die Irrtümer der Gender-Ideologie“)

  2. Die Kinderkrippe ist für viele Frauen eine unverzichtbare Einrichtung, um möglichst schnell wieder in den Beruf zurückzukehren. Bis die Kinder im Kindergarten aufgenommen werden vergehen meist 3 volle Jahre. In vielen Berufen sind 3 Jahre Auszeit zu lang, um wieder dort einzusteigen wo man ausgestiegen ist. Für viele Frauen ist also die Kita ein Segen!

    Natürlich leidet unter dieser frühen Trennung die Bindung von Mutter und Kind. Doch um erfolgreich aufzuwachsen benötigt ein Kind eine sichere und vertrauensvolle Bindung zu einer Bezugsperson – bei Krippenkindern die Erzieherin und eben nicht die Mutter.

    Der Aufenthalt in frühkindlichen Bildungseinrichtungen (Kita, Kindergarten) wirkt sich keineswegs negativ auf die spätere Schulleistung aus. Ganz im Gegenteil – einschlägige Studien wie IGLU-E zeigen sogar einen positiven Zusammenhang zwischen der Aufenthaltsdauer und der Lesekompetenz. Auch ist die pädagogische Arbeit der Erzieherinnen sehr wertvoll und von den Grundschulen geschätzt. In Kinderkrippen und Kindergärten finden Sprachförderprogramme Anwendung, die vor allem Kindern mit Problemen in der Sprachentwicklung zugute kommen. Diese Kinder können ihre Defizite aufholen und können somit mit der Einschulung der Unterrichtssprache und damit den Unterrichtsinhalten folgen. Auch die für den Schriftspracherwerb nötige phonologische Bewusstheit wird in den Krippen und Kindergärten gezielt gefördert, sodass Kinder, die hiervon profitieren konnten, effizienter Schreiben und Lesen lernen.
    Zu unterschätzen ist darüber hinaus ebenso nicht die musische rhythmische Förderung in den frühkindlichen Einrichtungen.

    Kinderkrippe und Kindergarten fördern die Kinder vielfältig und auf eine Weise, wie dies pädagogisch unausgebildete Mütter und Väter nicht leisten können! Durch das Betreuungsgeld werden Anreize geschaffen, den Kindern diese Förderung zu vorzuenthalten! Durch diesen Weg schafft die Politik eine Gruppe Kinder, die mit nur sehr geringer Vorbildung in die Grundschule kommen, keinerlei remediale Förderung erhalten haben und somit schlechtere Startbedingungen für das erfolgreiche Durchlaufen des auf selektion ausgelegten Bildungssystems haben.

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