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BlackBerry: Abstieg des Business-Smartphone-Herstellers

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Mehr als zehn Jahre gehörte das BlackBerry zu den wichtigsten Smartphones im Business-Bereich. Bei Unternehmern, Managern und Politikern galt ein Telefon des Herstellers beinahe schon zur Pflicht- und Grundausstattung. Spätestens seit 2012 sind die Absatzzahlen jedoch dramatisch auf Talfahrt – gegenüber dem Spitzenjahr 2011 mit über 50 Millionen verkauften Telefonen sanken die Absätze bis 2015 auf 8,5 Millionen. Noch dramatischer zeigt sich das im Wertverlust der Aktie. Sie verlor von ihrem Höchststand mit über 230 Dollar im Jahr 2007 mehr als 2000 Prozent an Wert und notiert im März 2017 bei weniger als 7 Dollar.

Innovationen sorgten einst für hohe Popularität

Um die Jahrtausendwende gehörte BlackBerry zu den fortschrittlichsten Unternehmen der Telekommunikationsbranche. Als erstes Mobiltelefon unterstützte es das Abrufen und Versenden von E-Mails und bot mobiles Internet und die Synchronisation von Terminen über verschiedene Geräte hinweg. Diese Extras in Verbindung mit weiterem Zubehör machten das BlackBerry im Geschäftsbereich über alle Maßen populär und setzten Maßstäbe für die moderne Kommunikation.

Auch das erste Smartphone überhaupt wird dem kanadischen Unternehmen zugeschrieben. Es handelt sich um das 2002 auf den Markt gekommene BlackBerry 5810, das einen monochromen Bildschirm mit einer Tastatur und einem Drehrad für eine leichte Bedienung verband. Anders als Taschencomputer oder PDAs handelte es sich hier um ein voll ausgestattetes Mobiltelefon, das sich sowohl für Telefonate als auch für die Organisation des Arbeitsalltags, das Lesen und Schreiben von E-Mails und dem Anlegen von Notizen eignete. Also rundum ein wichtiger Baustein des mobilen Büros.

Der Architekt des Erfolges

Der Erfolg des Unternehmens war im Wesentlichen das Werk seines Gründers und leitenden Entwicklers Mihalis „Mike“ Lazaridis. Der in Istanbul geborene Grieche wanderte als kleines Kind mit seinen Eltern nach Kanada aus und studierte Elektrotechnik und Informatik an der Universität von Waterloo. Nur wenige Monate vor dem Abschluss brach er das Studium jedoch ab und gründete – ähnlich anderen heutigen Technologie-Ikonen wie Bill Gates, Steve Jobs oder Michael Dell – sein eigenes Unternehmen mit dem Namen „Research in Motion“ oder RIM. Schon frühzeitig war dem Techniker und Tüftler klar, dass für Mobiltelefone mit E-Mail-Funktion durchaus ein großer Markt bestand. Anders als der Konkurrent Nokia beispielsweise zielte er dabei nicht auf den Massenmarkt ab, sondern setzte auf einen exklusiven Kreis aus Geschäftskunden. Diese konnten sich auch die relativ hochpreisigen Geräte leisten und profitierten von den zahlreichen einzigartigen Vorteilen.

Schnelles Internet und sichere, verschlüsselte Kommunikation

Bereits frühzeitig waren Sicherheit und Verschlüsselung wichtige Kernstücke von BlackBerry. Alle Daten werden vom Unternehmen über eigene Server in Kanada geschleust und mittels als sicher geltender Verfahren zwischen diesem und dem Endgerät verschlüsselt, wobei die verschlüsselten Informationen zusätzlich noch komprimiert werden. Aus diesen Gründen gewann der Hersteller neben seinem primären Zielpublikum weite Popularität in Ländern, in denen staatliche Zensur die Meinungsfreiheit einschränkt. Dadurch konnte BlackBerry seinen Marktanteil trotz des hohen Anschaffungspreises auf zwischenzeitlich über 20 Prozent weltweit ausbauen – nur vom Konkurrenten Nokia waren mehr Geräte im Umlauf.

Vom Vorreiter zum Auslaufmodell – ein schneller Abstieg

Bis 2007 war BlackBerry der Anbieter für Smartphones schlechthin. Doch mit dem phänomenalen Einschlag von Apple‘s iPhone setzte sich ein vollständig neues Konzept durch. Statt einer integrierten Tastatur und verschiedenen Funktionsknöpfen setzte man hier auf einen Touchscreen, über welchen die komplette Bedienung lief. 2008 zog Google nach und veröffentlichte sein Betriebssystem Android, das es kostenlos für Entwickler und Hersteller von Smartphones zur Verfügung stellte.* Trotzdem profitierte das Unternehmen zunächst von der gestiegenen Popularität des Smartphones an sich, die wiederum auch den breitflächigen Ausbau von Mobilfunknetzwerken beschleunigte.

Sowohl die Verkaufszahlen als auch der Absatz von Smartphone Zubehör wie Headsets, Speicherkarten oder Handyhüllen stiegen bis 2011 stetig an. Allerdings reagierte BlackBerry nur unzureichend auf die technischen Entwicklungen und die sich wandelnden Ansprüche der Kunden. Stattdessen setzte es im Vertrauen auf seine exklusive Klientel die bisherigen Konzepte wie die eingebaute Tastatur fort und ignorierte dabei schlichtweg zahlreiche Trends. Zudem erschienen nach und nach vielfältige Apps, mit denen Funktionen wie die verschlüsselte Kommunikation ihre Einzigartigkeit verloren. Heute sind auch für Manager Casual Geräte wie das iPhone 7 weitaus beliebter, da diese die einstigen Vorzüge der BlackBerry-Telefone mit einer Vielzahl an zusätzlichen, eher freizeitorientierten Funktionen verbinden.

Schafft BlackBerry die Wende?

2012 gab Mihalis Lazaridis seinen Chefposten auf, den er seit Firmengründung innehatte. Seitdem sucht das Unternehmen nach neuen Strategien, mit denen es Marktanteile zurückgewinnen kann. Danach wurde die eigene Entwicklung neuer Hardware und Zubehör nahezu gänzlich eingestellt. Stattdessen setzt der ehemalige Hersteller nun vermehrt auf Softwarelösungen, wobei aber auch das eigene Betriebssystem BlackBerry 2015 zugunsten von Google Android aufgegeben wurde. Es galt wegen mangelnder Kompatibilität mit Apps und rapide sinkender Verbreitung als nicht mehr zukunftsfähig. Für die Produktion arbeitet das Unternehmen mittlerweile mit Anbietern wie Foxconn und Alcatel zusammen. Immer wieder wird auch über eine Übernahme oder einen Zusammenschluss mit Branchenriesen wie Samsung spekuliert. In der Tat haben einige Konzerne großes Interesse an BlackBerry. Der Marktanteil ist zwar unter einen Prozentpunkt gefallen, doch das Unternehmen hält noch über 44.000 Patente und besitzt weiterhin eine treue Fangemeinde.

Vgl. Infografik: Apple versus Android.

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