Technologie

Boeing liefert ersten Carbon-Langstreckenjet „Dreamliner“ aus

Mit einer Verspätung von rund dreieinhalb Jahren liefert Boeing heute seinen ersten Langstreckenjet 787 „Dreamliner“ aus. Die japanische Airline All Nippon Airways (ANA) wird begleitet von einem Erstauslieferungsfestival den ersten von insgesamt 55 bestellten Dreamlinern erhalten – sieben Jahre nach der Bestellung.

Die 787 ist das erste Passagierflugzeug, dessen Rumpf und Flügel zu einem Großteil aus Carbon bestehen. Die Kohlefaserverbundwerkstoffe sind stabiler und fester als Stahl, aber gleichzeitig leichter als Aluminium (Spritersparnis von angeblich rund 20%). Allerdings ist das Hightech-Material aufgrund einer aufwendigen Verarbeitung in Manufakturen wegen noch fehlender automatisierter Herstellungsprozesse noch sehr teuer. Diese Prozesstechnologie soll unter anderem in dem 500-Millionen-Euro-Projekt AUGSBURG Innovationspark entwickelt werden. Hier siedeln sich derzeit zwei Fraunhofer-Institute und eines des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt an. In Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern der Universität und den örtlichen Spezialisten KUKA und SGL Group sowie weiteren Unternehmen der Region soll diese Zukunftstechnologie tauglich für die kostengünstige Massenproduktion werden und Augsburg zum „Carbon Valley im Lechtal“ aufsteigen (siehe die jüngste AGITANO-Schwerpunktreihe).

Die Entwicklungskosten für den Dreamliner waren zunächst auf sechs Milliarden Dollar veranschlagt worden. Aufgrund von Fertigungsproblemen, Verzögerungen und damit zusammenhängenden Strafzahlungen haben sich die Kosten auf schätzungsweise 15 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. Die aktuellen Gesamtkosten des Projekts lägen bei rund 32 Milliarden Dollar, womit das 787-Projekt das teuerste Zivilflugzeugprogramm aller Zeiten wäre. Demnach müssten mindestens 1.000 bis 1.500 Dreamliner verkauft werden, bevor Boeing mit dem Modell Geld verdienen kann. Das dürfte bis weit ins nächste Jahrzehnt dauern. Zum Vergleich: Der erste Riesenairbus A380 wurde im Herbst 2007 ausgeliefert. Mit dem Erreichen der Gewinnzone wird etwa sieben Jahre später, also 2014/15 gerechnet. Insgesamt liegen 821 Bestellungen von 56 Fluggesellschaften vor, womit das Modell das erfolgreichste Flugzeug aller Zeiten werden könnte. (Umsatz Boeing 2010: 64,3 Mrd. Dollar, Gewinn nach Steuern: 3,3 Mrd. Dollar).

Im Zuge des neuen Joint Ventures mit dem Star Alliance-Partner Lufthansa (Bereiche Verkehrsplanung, Verkauf und Preisbildung) wird die ANA ab November eine neue Linie zwischen Tokio und Frankfurt mittels eines Dreamliners unterhalten (Montags, Donnerstags, Samstags).

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