Wirtschaft

Boeing rechnet sich den Albtraumflieger Dreamliner schön

Die 787 „Dreamliner“ sollte das zivile Vorzeigemodell des US-amerikanischen Flugzeugbauers und Rüstungskonzerns Boeing werden. Mit über dreieinhalb Jahren Verzögerung und zahlreichen Pannen entwickelt sich das teuerste zivile Flugzeugprogramm der Geschichte allerdings mehr und mehr zum Albtraum. Aufgrund von Fertigungsproblemen, Verzögerungen und damit zusammenhängenden Strafzahlungen haben sich die Kosten auf schätzungsweise 15 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. Die aktuellen Gesamtkosten des Projekts liegen bei rund 32 Milliarden Dollar. Um überhaupt in die Gewinnzone zu gelangen muss der in leichtbauweise gefertigte Carbonflieger mindestens 1.000 bis 1.500 mal verkauft werden. Die Auftragsbestellungen gingen jedoch von in der Spitze 972 Bestellungen 2008 – aufgrund von verärgerten Stornierungen – auf nun mehr unter 800 zurück.

Nun hat Boeing einen Finanzkniff angewandt, um sich den Albtraumvogel schön zu rechnen. Die Entwicklungskosten werden einfach auf mehr Flugzeuge heruntergebrochen als bisher – obwohl die Bestellungen rückläufig sind. Dabei hat man sich eine schöne runde Zahl von genau 1.100 Flugzeugen ausgesucht. Dadurch fällt die Prognose für das nächste Jahr dementsprechend deutlich besser aus. Boeing betonte vorsorglich, dass dieses Vorgehen legal und von den Bilanzierungsvorschriften gedeckt sei. (Umsatz Boeing 2010: 64,3 Mrd. Dollar, Gewinn nach Steuern: 3,3 Mrd. Dollar, über die Hälfte im Rüstungsbereich.)

Der Dreamliner ist das erste Passagierflugzeug, dessen Rumpf und Flügel zu einem Großteil aus dem Leichtbau-Kohlefaserverbundwerkstoff Carbon bestehen. Carbon ist stabiler und fester als Stahl, aber zugleich auch leichter als Aluminium. Allein dadurch ergibt sich eine Spritersparnis von angeblich rund 20%. Allerdings ist das Hightech-Material aufgrund einer aufwendigen Verarbeitung in Manufakturen und wegen bislang noch fehlender automatisierter Herstellungs- und Verarbeitungsverfahren noch vergleichsweise sehr teuer, gilt aber als Zukunftsmaterial. Mit Investitionen von rund 500 Millionen Euro und der Ansiedlung von zwei Fraunhofer-Instituten und einem Institut des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt wird derzeit in Augsburg der AUGSBURG Innovationspark aus der Taufe gehoben. In Zusammenarbeit mit den Spezialisten vor Ort (SGL Carbon, KUKA u.a.m.) entsteht hier das „Carbon Valley im Lechtal“, das weit über die regionalen und nationalen Grenzen ausstrahlen und das Zukunftsmaterial Carbon für die breite industrielle Fertigung nutzbar machen und zudem auch entsprechende Recyclingkreisläufe entwickeln soll. (AGITANO, das Wirtschaftsforum Mittelstand, hat kürzlich in einem Fokusthema mit zahlreichen Fachinterviews über den ambitionierten Science-Park berichtet.)

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