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Boomland Türkei: Die Exportchancen deutscher Unternehmen

Heute auf den Tag genau vor 89 Jahren (29. Oktober 1923) hat Mustafa Kemal Atatürk die Republik Türkei ausgerufen.

Die Türkei gehört zu dem Kreis der „Next-Eleven-Staaten“, die nach dem Erfolg der Schwellenländer BRICS (Brasilien, Russland, Indien, China und Südarfika) gegenwärtig als die nächsten kommenden Wirtschaftsschwergewichte gelten. Die elf „Nächsten“ sind Ägypten, Bangladesch, Indonesien, Iran, Nigeria, Pakistan, Philippinen, Mexiko, Südkorea, Türkei und Vietnam. Laut Goldman Sachs werden sie bis spätestens 2050 den Rückstand zu den Industrienationen aufgeholt haben. Entsprechend bieten sich den deutschen Unternehmen in diesen aufstrebenden Ländern bislang noch weitgehend ungenutzte Absatz- und Exportchancen.

Die Türkei konnte durch die die politischen und wirtschaftlichen Reformen der letzten Jahre – mit dem Katalysator eines möglichen EU-Beitritt – hohe Wachstumsraten verzeichnen: 2010 hatte das Land mit einem Wirtschaftswachstum von 8,9 Prozent den höchsten Wert nach China erreicht und erzielte sogar in den ersten neun Monaten 2011 mit 9,6 Prozent Wachstum weltweit die höchste Wachstumsrate noch vor China (Gesamtjahr 2011: 8,5 Prozent). Schon heute zählt die Türkei zu den 20 größten Volkswirtschaften der Welt. Treibende Kraft ist dabei laut der IHK München und Oberbayern die leistungsfähige Industrie, vor allem die Automobil- und Zulieferindustrie, Textil- und Bekleidungsindustrie sowie die Bauwirtschaft. Die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sind dabei traditionell sehr gut. Gute Geschäftschancen bieten sich gegenwärtig vor allem auch auf dem Energiesektor, bei Infrastrukturvorhaben, in der Medizintechnik, im Tourismus sowie mit Umwelttechnologien.

Die diesjährige Außenwirtschaftskonferenz Berlin-Brandenburg der Industrie- und Handelskammern (IHKs) Berlin, Cottbus, Ostbrandenburg und Potsdam am 12. November in Berlin informiert vor diesem Hintergrund über wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen sowie Finanzierungsaspekte in der Türkei.

Auf der Konferenz berichten unter anderem Unternehmer aus den Wachstumsbranchen Energie, Verkehr und IT von ihren praktischen Erfahrungen m Bosporus. Ein die Veranstaltung begleitender Marktplatz bietet zudem Gelegenheit, an Infoständen die Außenwirtschaftsangebote verschiedener Institutionen kennenzulernen.

Im Anschluss gibt es dann die Möglichkeit individueller Beratungsgespräche zum Exportgeschäft, für die allerdings eine vorherige Anmeldung erfolgen muss. Hierfür stehen Experten der IHK Berlin, der IHK Ostbrandenburg, der Türkisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer oder der Deutschen Auslandshandelskammer (AHK) Türkei zur Verfügung.

Die Teilnahme am Kongress sowie die individuellen Beratungen sind kostenfrei. Weitere Details finden Sie auf der Website der IHK Berlin.

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Landesinformationen des Auswärtigen Amtes:

Vor allem in der Westtürkei sind die Leicht- und Schwerindustrie stark vertreten (Textil, Fahrzeuge, Chemie, Maschinen, Elektrobranche) und tragen mit ca. 25% zum BIP bei. Größten Anteil am BIP (ca. 60%) hat der Dienstleistungssektor mit weiter steigender Tendenz. Laut Angaben der Weltbank arbeiten noch über ein Drittel der Erwerbsbeschäftigten in der Landwirtschaft und leisten einen Beitrag von knapp 10% zum BIP. Im auch infrastrukturell vergleichsweise geringer entwickelten Osten und Südosten wird überwiegend Landwirtschaft betrieben. Im Südosten werden seit Mitte der 1980er Jahre erhebliche Entwicklungsanstrengungen unternommen (GAP-Projekt mit Staudämmen, Kraftwerken, Elektrifizierung, Bewässerungsanlagen, Agrarindustrie, Straßen, Telekommunikation), was das bestehende West-Ost Gefälle bisher nur wenig verringern konnte.

Entwicklung der Erwerbseinkommen:

Der überwiegende Teil der in Industrie, Landwirtschaft und Handwerk erwerbstätigen Arbeiter bezieht weiterhin den offiziellen „Mindestlohn“. Er wurde für das erste Halbjahr 2012 auf 887 Türkische Lira brutto (rund. 385 Euro) festgesetzt.. Die Entwicklung der Realeinkommen hat mit der Wirtschaftsentwicklung nicht Schritt halten können, so dass insbesondere die unteren Bevölkerungsschichten am Rande des Existenzminimums leben. Auf der Suche nach Arbeit und besseren Lebensbedingungen wandert die ländliche Bevölkerung weiterhin in die Städte und industriellen Zentren ab. Die Arbeitslosenquote liegt derzeit offiziell bei 9,1%. Die Beschäftigungsquote von Frauen war 2010 mit 25,4% im OECD-Vergleich äußerst niedrig (Quote bei Männern: 65,2 %).

(Weitere Landesinformationen auf der Website des Ausärtigen Amtes.)

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(mb)

Marc Brümmer

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