Energie & Umwelt

BP verklagt Transocean auf 40 Mrd. Dollar Schadenersatz

Am 20. April 2010 war die Tiefseeplattform „Deepwater Horizon“ havariert, mit der Folge, dass sich mehr als 750 Millionen Liter Öl in den Golf von Mexiko ergossen. Die Plattform hatte der Mineralölgigant BP von der Betreiberfirma Transocean geleast. Für BP hat das Desaster zu erheblichen wirtschaftlichen als auch zu Imageschäden geführt. Nun verklagt das Unternehmen die damaligen Geschäftspartner: Das betrifft den Plattformbetreiber Transocean (jedes Sicherheitssystem auf der Bohrplattform habe laut BP versagt), sowie Cameron International, den Hersteller des Absperrventils, das damals das unkontrollierte Ausströmen von Öl nicht verhinderte (Blowout-Preventer) und auch den Hersteller des Zements, mit dem das Bohrloch ausgekleidet wurde, das Unternehmen (des Vizepräsidenten Dick Cheney unter George Bush Junior) Halliburton. Diesem wirft BP Betrug, Nachlässigkeit und das Verschweifen von Materialkennziffern vor. Insgesamt belaufen sich die Klagen auf mindestens 40 Milliarden Dollar. In der Klageschrift gegen Transocean heißt es: BP wirft Transocean vor, dass es ohne dessen „Fehlverhalten“ nicht zu der Katastrophe gekommen wäre – nicht zu der Explosion, dem Tod der Arbeiter und nicht zur Ölpest. „Die simple Tatsache ist, dass am 20. April 2010 jedes einzelne Sicherheitssystem und -Gerät sowie Mechanismen zur Quellen-Kontrolle auf der ‚Deepwater Horizon’ versagten.“ Dabei hatte Transocean erst Anfang April einen firmeneigenen Sicherheitsrekord gefeiert.
„Das Jahr 2010 war das Beste in unserer Unternehmensgeschichte. Jedenfalls gemessen an der Sicherheit unserer eigenen Anlagen.“ Daran ändern auch die neun bei der Explosion getöteten Angestellten sowie die zweitschlimmste Ölkatastrophe der Geschichte nichts: „Abgesehen von diesen tragischen Todesfällen haben wir einen statistischen Sicherheitsrekord aufgestellt.“ Zur Belohnung gab es satte Boni für die Manager – und reichlich Kritik von der Öffentlichkeit. Die britische Zeitung "Sunday Times" berichtete allerdings unter Berufung auf eine interne BP-Untersuchung, dass auf der Ölplattform Deepwater Horizon geschlampt worden sei: Mehr als 390 fällige Wartungsarbeiten seien in den Monaten vor dem Untergang nicht erledigt worden, darunter vor allem auch jene an dem wichtigen Sicherheitsventil am Meeresgrund, das beim Untergang der Bohrinsel versagte und damit zur Ölpest führte. Transocean betreibt insgesamt 136 Bohrplattformen, zahlreiche davon in der Tiefsee. Erst letzte Woche hat das Bohrunternehmen einen neuen Tiefseerekord aufgestellt: Die Plattform „Dhirubhai Deepwater KG2“ vor Indien bohrte 3.107 Meter unter dem Meeresspiegel, beinahe doppelt so tief wie bei der Plattform „Deepwater Horizon“, bei der es drei Monate gedauert hatte, bis das Leck geschlossen werden konnte.

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