Energie & Umwelt

BP wieder mit 5,3 Mrd.-Quartalsgewinn – Ölkatastrophe abgehakt

Im April 2010 war nach einer Verkettung mehrerer Defekte die BP-Tiefseeplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko explodiert und anschließend havariert, rund 780 Millionen Liter Öl liefen in den nächsten drei Monaten ungehindert ins Meer aus. Die zweitschwerste Ölkatastrophe der Geschichte hat Schäden von geschätzten 41 Milliarden Dollar angerichtet. Das zweite Quartal 2010 hatte für BP dementsprechend einen gewaltigen Milliardenverlust von 17 Milliarden Dollar zur Folge. Ein Jahr später hat der britische Ölmulti die Vorzeichen wieder gedreht: In dem Zeitraum April bis Juni 2011 ergab sich nun wieder ein Nettogewinn von 5,31 Milliarden Dollar (im gesamten ersten Halbjahr 2011 summiert sich der Netto-Überschuss somit auf 12,74 Milliarden Dollar). Der Umsatz im ersten Halbjahr 2011 legte insgesamt um 27,9% auf 192,16 Milliarden Dollar zu. Im zweiten Quartal betrug das Umsatzplus 36,9% auf insgesamt 103,85 Milliarden Dollar. Um die Kosten der Katastrophe schultern zu können hat sich BP zwar von einigen Ölfeldern und Produktionsanlagen trennen müssen, dieser Effekt sei aber durch den Anstieg des Ölpreises mehr als ausgeglichen worden.

BP rechnet auch nicht mehr mit steigenden Ausgaben in Folge der Ölpest (Quellen für das Folgende siehe in diesem AGITANO-Artikel). Der Ölmulti formulierte Anfang Juli 2011 seine Ansicht, dass sich die Natur und die Wirtschaft von der gigantischen Ölkatastrophe im Golf von Mexiko bereits wieder so weit erholt habe, dass der Konzern künftige Schadenersatzforderungen nicht mehr bezahlen werde. Fischereibetriebe hätten bereits wieder geöffnet und auch die Hotels in der Region seien mittlerweile wieder gut gebucht, so dass sich hieraus keine Forderungen ergeben würden. Bereits dokumentierte Verluste durch die Ölkatastrophe seien davon allerdings nicht betroffen – BP fühle sich weiterhin verpflichtet, alle legitimen Ansprüche zu begleichen.

BP versucht allerdings auch, die Partner an der havarierten Tiefseeplattform finanziell in Milliardenhöhe an den Folgekosten zu beteiligen:

Die Betreiberfirma Transocean steht hier an erster Stelle, da laut BP jedes Sicherheitssystem auf der Bohrplattform versagt habe. Aus der Klageschrift: BP wirft Transocean vor, dass es ohne dessen „Fehlverhalten“ nicht zu der Katastrophe gekommen wäre – nicht zu der Explosion, dem Tod der Arbeiter und nicht zur Ölpest. „Die simple Tatsache ist, dass am 20. April 2010 jedes einzelne Sicherheitssystem und -Gerät sowie Mechanismen zur Quellen-Kontrolle auf der ‚Deepwater Horizon’ versagten.“ Im scharfen Kontrast hatte Transocean erst Anfang April 2011 für das Gesamtjahr 2010 einen firmeneigenen Sicherheitsrekord verkündet: „Das Jahr 2010 war das Beste in unserer Unternehmensgeschichte. Jedenfalls gemessen an der Sicherheit unserer eigenen Anlagen.“ Auch die Deepwater-Katastrophe würde daran nichts ändern: „Abgesehen von diesen tragischen Todesfällen haben wir einen statistischen Sicherheitsrekord aufgestellt.“ Allerdings hatte auch die britische „Sunday Times“ detailliert über Schlampereien auf der Ölplattform Deepwater Horizon berichtet: Mehr als 390 fällige Wartungsarbeiten seien in den Monaten vor dem Untergang nicht erledigt worden, darunter so eklatante, wie an dem wichtigen Sicherheitsventil (Blowout-Preventer) am Meeresgrund, das beim Untergang der Bohrinsel versagte und damit wesentlich zu der Ölkatastrophe beigetragen hat. Transocean betreibt weltweit 136 Bohrplattformen. Erst im April 2011 hat das Unternehmen vor der Küste Indiens einen neuen Tiefseerekord aufgestellt: Die Plattform „Dhirubhai Deepwater KG2“ bohrte 3.107 Meter unter dem Meeresspiegel, beinahe doppelt so tief wie bei der Plattform „Deepwater Horizon“. Damals hatte es wegen der Tiefe und des hohen Drucks am Bohrloch drei Monate gedauert, bis das Leck geschlossen werden konnte.

BP klagt auch gegen das Unternehmen Cameron International, den Hersteller des defekten Blowout-Preventer, das damals das unkontrollierte Ausströmen des Öls nicht verhinderte.

Finanziell soll auch der Hersteller des Zements, mit dem das Bohrloch ausgekleidet wurde, an den Kosten der Katastrophe beteiligt werden: BP wirft dem Unternehmen Halliburton des ehemaligen Vizepräsidenten Dick Cheney (unter Ex-Präsident George W. Bush) Betrug, Nachlässigkeit und das Verschweifen von Materialkennziffern vor.

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