Einsichten & Ansichten

BrainRider, oder: Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Reiter, Gehirn, Hirn, Zügel, Menschen, Schöne Neue Welt, Huxley, Aldous Huxley, Kabel, Verkabelt, verdrahtet, Draht, Spotlight, Rampenlicht, Reiter, Cowboy, Hut, nackt, schutzlos, Waffe, Veränderung, Gesellschaft, Fernsehen, Jörg Simon

Humor im Wandel der Zeit: Je nach Situation haben Witze und das Lachen äußerst unterschiedlichen Aussagegehalt. In der psychiatrischen Forschung zum Beispiel kamen ganz neue und negative Aspekte ans Licht. Währenddessen kommentiert das Lachen – von uns und von den anderen – gesellschaftliche Veränderungen jeder Größenordnung. Unser Kolumnist Ulrich B Wagner erklärt im heutigen Beitrag von „QUERGEDACHT & QUERGEWORTET — Das Wort zum Freitag“ nicht nur die Zusammenhänge zwischen Gesellschaft, Strukturen und Humor, sondern auch das unterschätzte und weitreichende Potenzial von Lachen und Humor.

Humor und Psyche befinden sich im Wechselspiel

Mit dem Humor ist es so eine Sache. Mit seinem physiognomischen Ausdruck, dem Lachen, falls es einem vorher nicht schon im Halse stecken geblieben und sich zu einem lähmenden Dauererbrechen entwickelt hat, wohl erst recht.

Die Zeit seines Auftretens, der Ort, das Oben und das Unten seiner Wirkrichtung, aber mit Gewissheit noch mehr.

Denn Humor kann auch, falls man diese extreme Ausformung oder Ausuferungen überhaupt noch als solches bezeichnen möchte, eine Form des psychischen Missbrauchs darstellen, wie er beispielsweise in der neueren Borderline-Forschung herausgearbeitet wurde. Als besonders herausragend gelten hier insbesondere die humoresken Spielarten der kränkenden Ironie oder des gehässigen Sarkasmus.

Die Grenzen zwischen Humor, Ironie

Verdrahtet und vernetzt, wie wir es nun einmal sind in unserer Schönen Neuen Welt, blicken wir ja dann bei der Betrachtung von Jörg Simons neuster Collage, bewusst oder unbewusst, doch bloß unserem eigenen Spiegelbild entgegen, ge- und beritten von einem Phänomen, das die Grenzen des guten Geschmacks, des Humors und so einigem Anderen schon längst hinter sich gelassen hat.  Wer weiß?

Wer zu früh lacht, den bestraft die Geschichte, heißt es im Volksmund seit Generationen. Genützt hat es, das Wissen meine ich, uns aber gegenwärtig auch nicht.

Kurz nach Hitlers Machtantritt, als manche die Gefährlichkeit der neuen Entwicklung noch nicht begriffen, sagte ein Freund zu Kohn: »Ich komme eben aus Italien, ach, ein Land, über dem täglich die Sonne lacht!« Kohn: »Das ist noch gar nichts. Über Deutschland lacht täglich die ganze Welt. «

Das Hamsterrad dreht sich immer schneller

Also doch alles nur bloße Repetition, ewige Wiederkehr, sinnloses Mitdrehen oder Mitgedrehtwerden des einen großen menschlichen Hamsterrads, auf dem es sich jetzt auch noch zu allem Überdruss der Mann mit dem Pferdesattel bequem gemacht hat?

Ich glaube nicht, wie es auch in zahlreichen Videos oder Cartoons der letzten Woche – und das nicht nur auf YouTube – zum Ausdruck kam.

Die Hoffnung stirbt ja bekanntermaßen erst am Schluss. Vielleicht kann er uns, der neu gefundene oder wieder erfundene Humor, ja doch beim längst überfälligen Thematisieren des einen oder anderen helfen, aber auch um endlich ein wenig Distanz zu uns selbst, unserer Blickrichtung, unserem eigenen, unserem selbstgewählten oder aufgezwungenen Fatalismus zu finden.

Humor ist eine Waffe gegen Missstände

Dass Humor nicht nur in totalitären Gesellschaften einen besonderen Stellenwert hatte, sondern auch in Teilen bis heute hat, ist kein Zufall. So brachte es beispielsweise auch der österreichische Psychoanalytiker Egon Fabian in seinem Buch Humor und seine Bedeutung für die Psychotherapie auf den Punkt: „Witze halfen auch in den schwersten Stunden des Leides und der Verfolgung, um Angst und Bedrohung zu ertragen oder Wut auszudrücken.“ Eine Tatsache, die insbesondere wie bereits betont auch für den jüdischen Humor gilt, dessen Witz mit seiner subtilen positiven Selbstironie sich vom ansonsten weit verbreiteten negativen Sarkasmus deutlich abgrenzt.

Mit Humor und Lachen Veränderung schaffen. Jetzt!

Vielleicht hat es ja also auch etwas Gutes, dass ER unseren Kopf bereitet.

Ich hoffe es auf alle Fälle.

Durch Verkrampfung und ein blindes Weiter So wie bisher, das uns meines Erachtens nämlich erst dahin gebracht hat, wo wir uns gerade befinden, geht es aber auf keine Fälle. Das dürfte wohl mittlerweile auch dem letzten Sesselpupser bewusst sein.

Zeigen wir unser Lachen.

Es ist Zeit, es anders zu versuchen.

Ich schau jetzt aber erst einmal ein wenig Pinky and the Brain (YouTube) und wenn das alles nichts hilft, findet ja auch noch im Juni in Frankfurt der diesjährige Lach-Yoga-Kongress statt.

Ein Versuch ist es vielleicht wert.

Ihr Ulrich B Wagner

Ulrich B Wagner

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.