Wirtschaft

Bund kauft Daimler dessen EADS-Anteile ab, Gewinnsprung und Verzögerungen

Die Automobilschmiede Daimler versucht schon seit längerem, seine Anteile an dem Luft- und Raumfahrt- sowie Rüstungskonzern EADS zu verkaufen. Daimler will sich auf seinen Kernbereich, Autos und Lkw, konzentrieren. Nun will der Bund die Hälfte der Aktien übernehmen. Für die 7,5% an EADS dürften rund 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro fällig werden, die von der staatlichen Förderbank KfW aufgebracht werden sollen. Das Engagement soll jedoch zeitlich befristet bleiben. Damit will die konservativ-liberale Regierung dem Eindruck entgegenwirken, sie baue entgegen der eigenen Grundsatzhaltung Staatsbeteiligungen auf. Im Gegenzug wird zudem geprüft, weitere Anteile an der Post und der Deutschen Telekom zu veräußern. Daimler wiederum hat zugesagt, seinen verbleibenden 7,5-prozentigen Anteil auch über 2013 hinaus zu halten und die unternehmerische Führung weiter auszuüben. Die komplizierte Regelung war von Nöten, um das Machtverhältnis zwischen Deutschland und Frankreich bei dem Gemeinschaftsunternehmen zu wahren.

Derweil muss die EADS-Tochter Airbus einen Rückschlag hinnehmen: Die Auslieferung des Langstreckenfliegers A350XWB verzögert sich weiter. Statt Ende 2013 soll das Flugzeug nun im ersten Halbjahr 2014 erstmals ausgeliefert werden. Der Auftragseingang bei dem Flugzeugbauer verdoppelte sich allerdings im laufenden Geschäftsjahr auf 1.500 Maschinen, das dreifache der Jahresproduktion.

Auch die erste deutsche Militärdrohne verzögert sich weiter: Ursprünglich war ein Zulauf der von der EADS-Rüstungstochter Cassidian und Northrop Grumman gebauten Drohne für das laufende Jahr 2011 geplant. Zusätzliche Tests der Hersteller verzögern jedoch die Auslieferung auf das zweite Quartal 2012. Die Kosten für das Demonstrationsmodell liegen bei rund 500 Millionen Euro. Die Euro Hawk basiert auf dem US-Modell Global Hawk, der weltweit größten unbemannten Drohne mit einer Spannweite von fast 40 Metern. Die von der Bundeswehr angeforderte Variante ist für die elektronische Aufklärung aus großer Höhe (bis 18 km) konstruiert. Dafür baut das Rüstungsunternehmen Cassidian in Deutschland eine Spezialelektronik zum Abhören und Aufspüren von Funkverkehr ein. Die Flugdauer soll mehr als 30 Stunden dauern. Bislang hat die Bundeswehr drei israelische „Heron 1“ Drohnen für drei Jahre zum Preis von 110 Millionen Euro geleast. Peinlich jedoch: Direkt nach dem ersten Testflug der ersten in Afghanistan eingetroffenen „Heron 1“ prallte die Drohne am 17. März 2010 auf einem Flugplatz in Nordafghanistan gegen eine stehende Transall-Transportmaschine und wurde dabei so schwer beschädigt, dass es nicht mehr einsetzbar war.

Das Geschäft läuft für EADS zur Zeit durchaus positiv: Der Umsatz legte in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres um 4% auf 32,7 Milliarden Euro zu. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern legte sogar um 13% auf 885 Millionen Euro zu. Der Nettogewinn verdoppelte sich auf 421 Millionen Euro.

EADS hatte im September 2010, rund zehn Jahre nach seiner Gründung, sein öffentliches Erscheinungsbild und Logo geändert: Die bisher als EADS Defence & Security firmierende Rüstungssparte wurde in Cassidian umbenannt. Damit haben alle vier Sparten des EADS-Konzerns einen eigenen Namen und ein eigenes Logo. In der Reihenfolge der Umsatzgröße: Der Flugzeugbauer Airbus, die lukrative Sparte und Gewinntreiber Rüstung und Sicherheit mit dem neuen Namen Cassidian, die Raumfahrt mit dem Namen Astrium und die Hubschraubersparte Eurocopter.

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