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BurnOn-Management statt BurnOut-Prävention

… aus der wöchentlichen Themenserie „BurnOn – Die neue Management-Denke – So funktioniert Brennen statt Ausbrennen“ von Dr. Christiane Nill-Theobald.

Kennen Sie es auch, eines der heutigen Schlagwörter? „BurnOut-Prävention“ ist in aller Munde. Alle reden darüber, keiner weiß genau, wie es funktionieren soll. Ich kann es nicht mehr hören! Denn: BurnOut-Prävention nützt meines Erachtens wenig, heuchelt aber immens viel vor! Unternehmen, die auf BurnOut-Prävention setzen, gelten als menschlich, ja sogar als fortschrittlich. Das ist schön und gut so. Wenn es nicht nur äußerliche Kosmetik ist, sondern auch die tieferen Ursachen erreicht. Und das ist leider meist nicht der Fall. Was allerdings wirklich in die Tiefe geht, ist ein gelebtes und stimmiges BurnOn Management.

Warum BurnOut-Prävention nicht funktionieren kann

Soweit betreffend BurnOut-Prävention in Unternehmen überhaupt ein Konzept vorhanden ist, basiert es auf dem grundlegend falschen Gedanken der Leistungssteigerung. Das Individuum, sprich der Mitarbeiter, wird ALLEINE in die Verantwortung genommen. Entsprechend wird auf Entspannungstrainings, Stressresistenztrainings oder Ähnliches abgestellt. In diesen Trainings versucht man den Mitarbeitern „ein dickeres Fell“ anzutrainieren. Gemäß dem Fishermanfriend-Motto: „Sind sie (die Belastungen) zu stark, bist Du zu schwach“. Ich denke, dadurch erfolgt nur eine Verdrängung des Kernproblems. BurnOut ist nicht Privatsache, sondern die Mitarbeiter sind oftmals die Symptomträger eines Systemfehlers ihrer Organisation. Der Patient ist das Unternehmen, das seine Human Resources sträflich vernachlässigt. Fehlerhaft und damit Quelle allen BurnOut-Übels ist oftmals die Unternehmenskultur, die Führungspraxis oder die Personalentwicklungspolitik. Die alleinige Konzentration auf das Individuum reicht deshalb nicht aus. Um ein Beispiel zu geben: Beim Lärmschutz auf den deutschen Autobahnen setzt man auch nicht nur auf die Schallschutzfenster bei den Bewohnern. Sondern man befestigt an der Autobahn selbst Schallschutz. Ich behaupte deshalb, dass mit Ratschlägen wie z.B. den Morgen mit dem Sonnengruß zu beginnen oder barfuß über die Wiese zu laufen nicht wirklich das Kernproblem löst. Wer das möchte und für sich gut findet, möge das bitte tun, das sind entspannende Momente, aber sie werden auf Dauer sicher nicht das Kernproblem lösen.

Autogenes Training während der Arbeitszeit? Sinn oder Wahn?

Außerdem darf BurnOut-Prävention nicht parallel zum Unternehmensalltag ablaufen. Aber genau das passiert heute. Ich habe oft erlebt, dass Mitarbeiter Stressresistenzseminare tagsüber „verordnet“ bekommen und dafür bis spät in die Nacht die liegen gebliebene Arbeit vom Tag nachholen. Und ich frage Sie: Glauben Sie wirklich, dass das funktioniert, wenn ein Unternehmen autogenes Training anbietet aber gleichzeitig einen internen Wettbewerb ausruft, wer abends am längsten arbeitet?

Warum brennen Menschen aus?

Bild: Petra Bork / pixelio.de

Es ist deshalb an der Zeit, danach zu fragen, weswegen Menschen ausbrennen. Und hier muss ein für alle Mal einer Behauptung das Handwerk gelegt werden: Der Mensch brennt nicht aus, nur weil er zu viel arbeitet. Für Japan mag das stimmen – dort existiert sogar der Begriff „Karaoshi“ – das ist kein leckeres Sushimenü, sondern ein plötzlich berufsbezogener Tod. Abgesehen von Korea kommt Japan weltweit auf die höchste Überstundenzahl, den geringsten Jahresurlaub und die effektiv geringste Anzahl freier Tage pro Woche. Für europäische Verhältnisse greift mir dieser Grund zu kurz. BurnOut ist mehr als nur Erschöpfung aufgrund eines hohen Arbeitspensums, BurnOut heißt buchstäblich „verheizt“ werden: nämlich bei enormer Arbeitsbelastung keinerlei Wertschätzung zu erfahren. Und genau das ist der wirkliche Grund fürs Ausbrennen!

BurnOn Management

Bild: Lupo / pixelio.de

Die Lösung für eine wirksame und sinnvolle BurnOut-Prävention liegt deshalb im BurnOn Management. Vereinfacht gesagt, soll sich ein Unternehmen nicht auf die Verhinderung des Ausbrennens konzentrieren; vielmehr geht es darum, das Feuer der Mitarbeiter zu entfachen und dauerhaft zu erhalten. BurnOn Management ist deshalb auch kein Fantasiewort, sondern dahinter verbergen sich zwei wichtige Botschaften:

„BurnOn“ bedeutet das Etablieren von Begeisterung oder gar Faszination für die Mitarbeiter. Wenn ich eine sinnvolle Prävention erzielen möchte, reicht es nicht, das Negative zu betrachten, sondern ich muss Positives zustande bringen. Die positive Psychologie nach Martin Seligman lehrt uns bereits, dass sich Menschen ungern mit etwas beschäftigen, was es zu verhindern gilt. Motivierungssteigernd ist eine Beschäftigung mit dem Positiven. Deshalb erhöhen wir nach dem Ansatz des BurnOn Management die Zufriedenheit des Einzelnen mittels organisatorischer Veränderungen. Dadurch steuern wir den Unzufriedenheitsfaktoren für Menschen und Unternehmen entgegen. Wo Mitarbeiter Wertschätzung erfahren, fühlen sie sich wohl und das BurnOut-Risiko sinkt drastisch. BurnOn bedeutet im Unternehmenskontext „Mitarbeiterpflege“. Genau darauf läuft alles hinaus: Die Mitarbeiter eines Unternehmens möglichst umfassend und gut zu unterstützen und auf deren Bedürfnisse einzugehen. Erst wenn ein offener und respektvoller Umgang mit den Mitarbeitern zur Firmenkultur gehört und ihre Bedürfnisse ernst genommen werden, ist Freude an der Arbeit möglich. Das führt dann nicht nur zu loyalen und leistungsfähigen Mitarbeitern, es ist gleichzeitig auch die bestmögliche BurnOut-Prävention.

BurnOn Management ist keine „New-Management-Spinnerei“ sondern ein Erfolgsrezept: Krankenstände sinken, der Spaß und die Produktivität an der Arbeit erhöhen sich. BurnOn kreiert Erfolgsmenschen! Und noch etwas: Wenn BurnOut ein Symptom für fehlende Ressourcen ist, haben wir jederzeit die Chance, dies zu ändern. Burnout ist deshalb der Schlüssel für Unternehmenswachstum. Das Unternehmen wird nicht nur gesund, sondern auch erfolgreich! Was genau dazu erforderlich ist, beleuchten wir in den nächsten Beiträgen dieser Themenserie.

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Über Dr. Christiane Nill-Theobald:

Dr. Christiane Nill-Theobald ist Speaker, Management-Beraterin und Führungskräftecoach. Die promovierte Juristin weist eine erfolgreiche langjährige Karriere in der freien Wirtschaft auf. In leitender Funktion baute sie verschiedene Institutionen auf. Unter anderem war sie Verlagsleiterin eines Medienunternehmens der Energiewirtschaft und Partner und Mitglied der Geschäftsleitung einer energiewirtschaftlichen Unternehmensberatung. 2008 gründete sie das Beratungsunternehmen TheobaldConsulting. Darauf erfolgte die Ausbildung zum zertifizierten Business Coach. Heute coacht die Managementexpertin hochrangige Führungskräfte. Als Professional Speaker bringt Sie in fundierten, mitreißenden Vorträgen ihrem Publikum das Thema „BurnOn“ nahe. Sie ist Verfasserin zahlreicher Fachpublikationen sowie Herausgeberin einschlägiger Schriftenreihen. Dr. Christiane Nill-Theobald ist Mitglied der German Speakers Association e.V. (GSA) und des Deutschen Fachjournalistenverbandes e.V. (DFJV). Mehr unter www.nill-theobald.de

Marc Brümmer

2 Kommentare zu “BurnOn-Management statt BurnOut-Prävention

  1. Wow, was für ein negativer und einseitiger Artikel! Symptomatisch dafür ist dieser Satz: „BurnOut heißt buchstäblich „verheizt“ werden: nämlich bei enormer Arbeitsbelastung keinerlei Wertschätzung zu erfahren. Und genau das ist der wirkliche Grund fürs Ausbrennen!“ Meine ganz persönliche Erfahrung: Auch mit einem 8-Stunden Tag in einem Unternehmen mit gelebter Wertekultur und positivem Feedback der Manager und Unternehmensführung kann es zu Burnout kommen, wenn ich selbst nicht erkenne oder wahr haben will, in welcher Gefahr ich mich befinde! Den Unternehmen hier pauschal den schwarzen Peter zuzuschieben ist hochgradig unprofessionell!

  2. Ich denke auch, dass das persönliche Umfeld ebenfalls einen riesigen Einfluss auf das Gesamtbild hat. Ich konnte aus nächster Nähe miterleben, wie das der letztendliche Auslöser für ein BurnOut war… Aber so viel Zeit, wie wir in der Arbeit verbringen, ist das Arbeitsklima nicht zu unterschätzen: Ist es gut und macht die Arbeit Spaß, kann es in Extremfällen auffangen, ist es hingegen schlecht, ist der Nährboden schnell bereitet…

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