Management

BurnOn – So funktioniert Brennen statt Ausbrennen (5): Wertschätzung als BurnOn-Garant

… aus der wöchentlichen Themenserie „BurnOn – Die neue Management-Denke – So funktioniert Brennen statt Ausbrennen“ von Dr. Christiane Nill-Theobald. Nach dem vierten Teil „So Implementieren Unternehmen BurnOn Management“ nun Teil fünf: „Wertschätzung als BurnOn-Garant“

Kommt Ihnen das bekannt vor? Ihr Chef meldet mich sich nur, wenn etwas nicht stimmt? Diese Führungsmoral ist nach wie vor leider immer noch weitverbreitet. Unterstützung findet dieser Führungsstil auch noch durch populäre Autoren wie z.B. Reinhard Sprenger, der mit seiner Auffassung „Lobintervalle“ und „übertrieben verteilte Anerkennung bringen nichts“, jeglicher wertschätzenden Unternehmenskultur den Boden entzieht. Ich habe in meinen vorherigen Beiträgen gesagt, dass man Begeisterung und daraus resultierend Zufriedenheit managen kann. Ein wesentlicher Baustein dieses BurnOn Managements ist die Wertschätzung.

Vom Wert der Wertschätzung

Burnout, Burnon, Depression
Bild: Lupo / pixelio.de

Dass sich Wertschätzung gegenüber Mitarbeitern auszahlt, sollte doch inzwischen eine Binsenwahrheit sein. Sie erinnern sich an die Maslowsche Bedürfnisspyramide? Dort rangiert Wertschätzung als Motivationsfaktor neben der Selbstverwirklichung ganz oben. Dies wird inzwischen auch durch viele Studien belegt: Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern wirkt positiv auf die Leistungsbereitschaft und die Motivation. Führungskräfte leisten durch Wertschätzung einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheit, Motivation und Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter. Umgekehrt gilt: Mitarbeiter, die keinerlei Wertschätzung erfahren, werden krank. Die Folge davon ist dann eben der gefürchtete BurnOut. Der Medizinsoziologe Professor Johannes Siegrist belegt in seinem Buch „Der Homo Oeconomicus bekommt Konkurrenz. Die Wiederentdeckung der Emotion in der Wirtschaft“ , dass Arbeitsbedingungen mit dem Ziel der reinen Nutzenmaximierung krank machen.

Was ist eigentlich Wertschätzung?

Laut Wikipedia bezeichnet „Wertschätzung die positive Bewertung eines anderen Menschen. Sie gründet auf eine innere allgemeine Haltung anderen gegenüber. Wertschätzung betrifft einen Menschen als Ganzes, sein Wesen. Sie ist eher unabhängig von Taten oder Leistung, auch wenn solche die subjektive Einschätzung über eine Person und damit die Wertschätzung beeinflussen“.

  • – Menschenbild im Unternehmen
  • – Wertschätzende Führung
  • – Wertschätzende Kommunikation
  • – „Beitragschancen“ der Mitarbeiter
  • – Personaleinsatz nach Potenzialen

Menschenbild im Unternehmen

Ein Unternehmen ist nicht nur eine Ansammlung von Geldverdienern, sondern eben von Menschen. Ein wertschätzendes Menschenbild geht davon aus, dass die Mitarbeiter eigenständige, intelligente und eigenverantwortliche Personen sind. Herrscht eine generelle Vertrauenskultur oder wird den Mitarbeitern grundsätzlich eher mit Misstrauen begegnet? Wird den Beschäftigten tatsächlich zugetraut, ihre Aufgaben zu erledigen – oder wird diese Fähigkeit eher angezweifelt? Und ganz wichtig: Wird jeder einzelne Beschäftigte mit seinen ganz persönlichen Eigenarten und Fähigkeiten geachtet, anerkannt und gefördert – oder werden die Menschen alle über einen Kamm geschoren und entsprechend gleich behandelt?

Wertschätzende Führung

Die Führungskräfte sollten verbindlichen Sinn vermitteln und damit Rahmenbedingungen schaffen, in denen sich die Mitarbeiter gerne engagieren und arbeiten. Sinn vermitteln bedeutet auch klare Orientierungen vorgeben und Grenzen setzen, damit ein verbindlicher Rahmen vorhanden ist, um möglichst eigenständig und eigenverantwortlich handeln zu können. Dazu gehören unter anderem Fragen wie:

  • – Hören Sie aktiv zu, um einen Einblick in die Wertehaltungen, Gefühle und Bedürfnisse Ihrer Mitarbeiter zu erhalten?
  • – Erkennen Sie die Leistungen Ihrer Mitarbeiter an – loben Sie ausreichend?
  • – Zeigen Sie, dass Ihnen Ihre Mitarbeiter wichtig sind? z. B. an Geburtstage denken
  • – Übertragen Sie Verantwortung – und zwar so viel wie möglich?
  • – Informieren Sie Ihre Mitarbeiter ausreichend?
  • – Lassen Sie Mitarbeiter auch an Entscheidungsfindungen mitwirken?
  • – Entwickeln Sie Ihre Mitarbeiter entsprechend ihren Fähigkeiten und Talenten und investieren in deren individuelle Weiterbildung?

Wertschätzende Kommunikation

Kommunikation ist das, was gesagt wird und wie es gesagt wird und das, was gehört wird und wie es gehört wird. Vertrauen wird im Wesentlichen über die Art und Weise der Kommunikation aufgebaut, aber natürlich auch über die Inhalte. Sehen wir uns dazu folgende Beispiele an:

  • – Sind die Mitarbeiter ausreichend informiert für die Arbeitsaufgabe – oder sind sie immer nur bruchstückhaft und teilweise eingebunden?
  • – Wissen die Mitarbeiter genau, welche Bedeutung ihr Beitrag für „das Ganze“ ist?
  • – Kennen die Mitarbeiter die Ziele und Strategien des Unternehmens – oder ist das nur ein Thema bei den Führungskräften (oder überhaupt gar kein Thema)?

Diese Punkte sind extrem wichtig. Je besser ihre Mitarbeiter eingebunden sind in die gesamten Abläufe, das „ganze große Bild“ haben, über die Visionen und die Mission des Unternehmens Bescheid wissen, desto mehr wird sich das Gefühl des „alle ziehen an einem Strang“ ausbreiten. Deswegen ist die Bedeutung einer strategischen internen Kommunikation nicht zu unterschätzen, die die Mitarbeiter regelmäßig durch perfekt aufbereite News über die wichtigsten Entwicklungen auf dem Laufenden hält. Dadurch wird eben auch Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern ausgedrückt, sie sind also wichtig genug, regelmäßig und umfassend informiert zu werden.

„Beitragschancen“ der Mitarbeiter

Wertschätzung meint auch, Mitarbeitern das klare Gefühl zu vermitteln, dass ihr Beitrag von Bedeutung ist bzw. der Mitarbeiter einen wichtigen Beitrag zum großen Ganzen liefert. Denn hier gilt: Vertrauen und Wertschätzung sind nur über Beteiligung an der Sache zu erreichen. Die „Beitragschancen“ von Beschäftigten geben deswegen Auskunft über die Qualität der Vertrauenskultur im Unternehmen. Folgende Fragen sind diesbezüglich zu stellen:

  • – Wissen die Mitarbeiter, welche Rolle sie im Unternehmen haben, was gegenseitig voneinander verlangt und erwartet wird und wie die gegenseitige Bewertung stattfindet?
  • – Haben die Mitarbeiter die Möglichkeiten Ihre Fähigkeiten bei der Arbeit einzubringen – oder können sie eher nur das bearbeiten, was ihnen direkt zugewiesen wird?

Personaleinsatz nach Potenzialen

Ein Aspekt von Wertschätzung ist auch die Kenntnis der Fähigkeiten; Kompetenzen, Erfahrungen und der Einzigartigkeit eines jeden Mitarbeiters und seines jeweiligen Einsatzes. Wie schon in früheren Beiträgen gesagt, bedeutet BurnOn eben auch die Stärken der Mitarbeiter zu stärken. Denn es liegt auf der Hand: Mitarbeiter werden dann am intensivsten ihre Leistungen einbringen, wenn Sie entsprechend ihrer Potenziale eingesetzt werden.

Folgende Fragen gehören zu diesem Themenkomplex:

  • – Sind die Fähigkeiten; Kompetenzen und Erfahrungen der Mitarbeiter dem Unternehmen bzw. den Führungskräften bekannt – oder ist das überhaupt kein Thema für sie?
  • – Gibt es einen „Einsatzplan“ mit den Mitarbeitern, wie sie ihre Fähigkeiten; Kompetenzen und Erfahrungen für die zu bewältigenden Arbeitsaufgaben einbringen können – oder spielt dies bei der Einsatzplanung keine Rolle?
  • – Gibt es die Möglichkeit, die Fähigkeiten und Kompetenzen gezielt weiter zu fördern – oder sind keine Maßnahmen zur Förderung der Stärken der einzelnen Beschäftigten vorgesehen?
  • – Können die Beschäftigten ihre Fähigkeiten; Kompetenzen, Erfahrungen für neue Entwicklungen und andere Innovationen einbringen – oder wird darauf eher kein Wert gelegt?

Fazit

Wertschätzung ist der Schlüsselfaktor für Unternehmen, die sich für sinniges und gelebtes BurnOn Management entscheiden. Es gibt meiner Einschätzung nach kein einziges Unternehmen, das davon nicht profitieren wird. Individuell ausgesprochene und intelligent und echt gezeigte Wertschätzung führt zu hoher Motivation und vor allem guter Gesundheit der Mitarbeiter – beides wichtige Pfeiler der betrieblichen Leistungsfähigkeit. Wertschätzung ist somit DER BurnOn-Garant, weil er sich gleichermaßen an Herz und Verstand richtet.

Ihre Christiane Nill-Theobald

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Über Dr. Christiane Nill-Theobald:

Dr. Christiane Nill-Theobald ist Speaker, Management-Beraterin und Führungskräftecoach. Die promovierte Juristin weist eine erfolgreiche langjährige Karriere in der freien Wirtschaft auf. In leitender Funktion baute sie verschiedene Institutionen auf. Unter anderem war sie Verlagsleiterin eines Medienunternehmens der Energiewirtschaft und Partner und Mitglied der Geschäftsleitung einer energiewirtschaftlichen Unternehmensberatung. 2008 gründete sie das Beratungsunternehmen TheobaldConsulting. Darauf erfolgte die Ausbildung zum zertifizierten Business Coach. Heute coacht die Managementexpertin hochrangige Führungskräfte. Als Professional Speaker bringt Sie in fundierten, mitreißenden Vorträgen ihrem Publikum das Thema „BurnOn“ nahe. Sie ist Verfasserin zahlreicher Fachpublikationen sowie Herausgeberin einschlägiger Schriftenreihen. Dr. Christiane Nill-Theobald ist Mitglied der German Speakers Association e.V. (GSA) und des Deutschen Fachjournalistenverbandes e.V. (DFJV). Mehr unter www.nill-theobald.de

Marc Brümmer

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