Wirtschaft

CARDWALL-Team im Interview – Teil 1 – von der Idee zum Geschäftsmodell

Das CARDWALL-Team hat sich einer 3teiligen Interviewreihe rund um Ihre Firmengründung, das dahinter liegende Geschäftsmodell und ihre Erfahrungen gestellt. Dabei wurden die Gründer Sascha Lechner (SL), Martin Gutmair (MG) und Maximilian Baur (MB) interviewt.

Im ersten Teil haben wir uns mit dem Thema "Von der Idee zum Geschäftsmodell" beschäftigt.

 

1. Bitte stellt Euch kurz vor!

SL: Mein Name ist Sascha Lechner. Ich bin im CARDWALL-Team der Denker und Lenker und zuständig für Sales, Design und Kooperationen. Selbst bin ich 24 Jahr alt, StartUp-begeistert, „digital native“, „early adopter“ und seit 5 Monaten freiberuflich tätig im Bereich WebDesign, Usability und Social Media. Klassische Ausbildung zum Mediengestalter Digital in einer Online-Agentur bei München, spezialisiert auf Verlagswesen, danach Erfahrung im Bereich Online-Marketing und Social Media bei der Agentur iCrossing GmbH in München gesammelt. Dort unter anderem Konzepte für größere Kunden wie BMW, Esprit im Bereich „Facebook Apps“ mitentwickelt. Der Traum eines eigenen StartUps verfolgt mich schon länger. Seit ca. 1,5 Jahr gehe ich mit offenem Augen durch die Internetwelt und beschäftige mich ausgiebig mit dem Thema. Ideen habe ich seitdem genug. Deshalb werden jetzt „Nägel mit Köpfen“ gemacht, solange noch keine große finanzielle Belastung auf mir lastet und der Markt noch was hergibt. Just do it!

MG: Ja, ich bin der zweite im Bunde, heiße Martin Gutmair und bin für die IT-Themen verantwortlich. Derzeit schreibe ich meine Bachelorarbeit für mein Informatikstudium und bin seit einem Jahr selbstständiger Webentwickler. Meine eigenen Erfahrungen rund um die Webentwicklung konnte ich bei der Team23 GmbH & Co. KG während eines einjährigen Praktikums erweitern. Dort lernte ich auch das Python Framework Django kennen, mit dem CARDWALL aufgebaut ist. Jetzt, kurz vor dem Ende meines Studiums stellte ich mir die Frage, ob ich mir eine Festanstellung suchen soll, oder ob ich selbstständig bleibe und nebenher an StartUps mitwirke. Mit CARDWALL entschied ich mich vorerst für die zweite Option.

MB: Last but not least, mein Name ist Maximilian Baur und ich kümmere mich um die Finanzen und die PR-Themen innerhalb von CARDWALL. Ich studiere aktuell Wirtschaftsingenieurwesen im 5. Semester. Durch dieses zweigliedrige Studium habe ich gelernt, dass bei allen technischen Dingen die Betriebswirtschaft eine wichtige Rolle spielt. CARDWALL sehe ich als Chance mein theoretisches Wissen, sofort in die Praxis umzusetzen. Das ist meiner Meinung nach mehr als wichtig! Für CARDWALL sehe ich mich als das Bindeglied zwischen meinen beiden technisch versierten Kollegen und dem betriebswirtschaftlichen Aspekt, den eine Unternehmensgründung immer mit sich bringt. Deshalb gehört zu meinem Aufgabengebieten alles rund um die Gründung und die Finanzen.

2. Ihr seid die Gründer und Initiatoren von CARDWALL. Was ist CARDWALL?

SL: CARDWALL.biz ist ein soziales Branchenverzeichnis, welches Nutzern die Möglichkeit gibt, echte Visitenkarten in der digitalen Welt zu veröffentlichen. Mit dem Fokus auf der Medien- beziehungsweise Internetszene vereinen wir die Vorteile von Xing, Twitter, Pinterest und den Gelben Seiten. Wie unser Slogan „Where cards meet“ schon sagt, ist das zentrale Element immer die Visitenkarte, welche gleichzeitig als Eyecatcher dient. Eine schöne Karte erhält mehr Aufmerksamkeit. Die Visitenkarte als Hub für alle Kontaktdaten, sowie Profile im Web. Das Ziel ist es, alle Profile im Web übersichtlich dargestellt mit einem Klick zu erreichen.

Kombinierbare, einfache Sortier-, bzw. Filtermöglichkeiten für Städte, Branchen, Positionen oder auch Keywörter spielen ebenso eine wichtige Rolle. Außerdem gibt es die Möglichkeit, einen “Deal” auf die eigene Karte zu schalten. Damit ist es möglich dem User für das Empfehlen in seinem soziale Netzwerk zu danken, beispielsweise mit einem Kaffee gratis oder 10% aufs Sortiment. („Deals für Jedermann, zu jeder Zeit.“) Zudem erlaubt CARDWALL, interessante Karten zu bookmarken, zu bewerten, auf der eigenen Webseite einzubinden oder mit dem eigenen sozialen Netzwerk zu verknüpfen (FB connect, Twitter, LinkedIn connect)

3. Wie seid Ihr auf diese Idee gekommen? Was war der Auslöser dafür?

SL: Das ist eigentlich eine witzige Geschichte und ausführlich ist diese auch auf unserem Blog nachzulesen. Aber kurz gesagt stand ich in meinem 15m² Lieblings-Bosna-Laden in Augsburg, an dessen Wand eine riesige Tafel mit Visitenkarten hing. Ich fand das irgendwie faszinierend und dachte mir. „Wieso gibt es das nicht digital?“.

 

4. Nun vergingen in Eurem Fall ja rund ein Jahr zwischen “kleinem Bosnaladen in der Augsburger Altstadt” und der Entscheidung die Visitenkartenwand im Internet umzusetzen. Wie kam es dazu?

SL: Zur Zeit der Grundidee war ich noch fest angestellt und hatte wenig Zeit eigene Ideen umzusetzen. Im Laufe der Zeit hatte ich immer wieder Ideen die kamen und gingen. Doch die Visitenkarten-Wall blieb aus irgendeinem Grund in meinem Kopf. Das war auch der Grund meines Ausstiegs, um mein eigenes Ding zu machen, meine Ideen umzusetzen und einfach etwas zu probieren. Ich musste mir erst einmal ein vernünftiges Team zusammentrommeln. Dabei griff ich auf Freunde zurück, die ich schon länger kannte. Ich denke, es ist das Wichtigste, dass man sich kennt und vertraut. Meine erste Idee ging schief, weil genau das nicht gepasst hat. Unser erstes Treffen war Mitte Juni, bei dem wir brainstormten, was überhaupt für uns möglich ist.

MG: Die eigentliche Grundidee war nur ein kleines Projekt, um Kontakte zu knüpfen und um zu lernen, was man bei einer Gründung beachten muss , rechtlich, sowie finanziell. Quasi ein erster Praxistest. Umso früher man beginnt, desto besser, war unser Motto. Fehler so früh wie möglich erkennen, um sie später nicht mehr zu machen. Denn Fehler macht jeder am Anfang.

MB: Die Tatsache, dass mittlerweile ein Jahr vergangen ist, liegt auch daran, dass die eigentliche Grundidee „Visitenkarten an eine Wand zu pinnen“ mittlerweile um ein vielfaches mächtiger geworden ist. Während der Entwicklung des Projektes kamen uns immer mehr Ideen, die wir integriert haben wollten. Klar, wir hätten auch schnell live gehen und die Funktionen nach und nach implementieren können. Aber wir wollten von Anfang an „perfekt“ sein. Dass das nicht so einfach möglich ist, ist uns auch klar. Aber ich finde, es gibt als User nichts Schlimmeres, als ein neues Tool zu testen und sofort gelangweilt zu sein. Da mögen noch so tolle Funktionen irgendwann kommen. Der erste Eindruck zählt! Und wenn dieser nicht passt, ist der User weg und kommt meist auch nicht wieder. Wir haben also nur eine Chance. Und diese wollen wir auch nutzen.

SL: Deshalb haben wir uns entschlossen mit dem „Going Live“ solange zu warten, bis alles wenigstens zu 95% passt. Bugs wird es natürlich sehr wahrscheinlich aber trotzdem geben und weitere Funktionen folgen natürlich auch noch. ☺

5. Brauchen eigentlich Ideen aus Eurer Sicht immer ihre Zeit bis sie reif sind … für die Umsetzung?

SL: Ich persönlich verfolge die Ansicht, dass die agile Webentwicklung und das Thema Scrum die Zukunft in der Webentwicklung bestimmen werden. Das bedeutet, man plant nicht erst drei Monate an einem Projekt, ehe man mit der Entwicklung beginnt, sondern nutzt die Zeit der Planungsphase bereits, um ein flexibles Grundgerüst zu entwickeln.

MG: Das ist zudem wichtig, um währenddessen die weiteren Ideen so einfach wie möglich einbinden zu können. Bei starren Projektplänen und speziell programmierten Funktionen war das früher meist nicht so einfach.

MB: Aber klar brauchen Ideen grundsätzlich oft etwas bis sie reif zur Umsetzung sind. Das kommt auch darauf an, wie umfangreich das Projekt ist. Bei uns war es (zumindest zu Beginn) eher überschaubar. Somit haben wir relativ schnell mit der Umsetzung begonnen. So früh wie möglich Feedback von Freunden und Bekannten zur Grundidee einzuholen, hilft bei der Ideenentwicklung ungemein. Man sieht die Dinge aus einem anderen Blickwinkel und verrennt sich z.B. nicht in unnötigen Features, die ein normaler User z.B. gar nicht nutzen würde. Das spart hinten hinaus wieder enorm Zeit.

6. Ist es wirklich so einfach, eine digitale Visitenkartenwand online abzubilden?

MB: Die Grundfunktion der Wand, wie sie auch auf der Prelaunch Seite zu sehen ist, war nach einem Tag fertig. Schwieriger wird es dann, die Karten mit Details, Deals und Links zu versehen oder die Filter zu integrieren. Das braucht seine Zeit. Aber nichts ist unmöglich, sondern alles eine Frage der Zeit.

SL: Im Hinblick darauf haben wir lange an der Usability gearbeitet, da wir diese als absolut wichtig erachten. Wir legen sehr viel Wert auf einfache, intuitive Handhabung, sowie das schnelle Laden aller Funktionen und Details. Keine lästigen Seitenreloads und Paginierungen mehr, wie in den üblichen Branchenbüchern, aber trotzdem eine vernünftige Linkstruktur für die Suchmaschine. Portale wie Pinterest.com oder Wunderkit machen es vor. Alte Ideen in neue Formen verpackt und schon ist das Thema wieder interessant. „Pinterest“ ist nichts anderes als „Twitpic“ in einer übersichtlichen Darstellung und „Wunderkit“ nichts anderes als ein Projektmanagementtool, wie es bereits 1000 gibt, nur eben schön und intuitiv. „Back to the roots“ ist hier das Stichwort. “Make it stupid simple.”

MB: Ob wir auch auf diesen Zug aufspringen werden wir sehen, wenn die ersten Kritiker unsere CARDWALL unter die Lupe nehmen.

Vielen Dank für das erste Interview und die interessanten Einblicke in die Entstehungsgeschichte der Idee. Im 2. Teil, welches am 29. Februar veröffentlicht wird, werden wir das Geschäftsmodell hinter "CARDWALL" und Euer Produkt näher betrachten.

 

Das Interview führte Oliver Foitzik (Herausgeber AGITANO / Geschäftsführer FOMACO GmbH).

  

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