Wirtschaft

CARDWALL-Team im Interview – Teil 3 – Das CARDWALL Team im Lernprozess

Das CARDWALL-Team hat sich einer 3teiligen Interviewreihe rund um Ihre Firmengründung, das dahinter liegende Geschäftsmodell und ihre Erfahrungen gestellt. Dabei wurden die Gründer Sascha Lechner (SL), Martin Gutmair (MG) und Maximilian Baur (MB) interviewt.

Im ersten Teil haben wir uns mit dem Thema "Von der Idee zum Geschäftsmodell" beschäftigt. Im zweiten Teil ging es um "das Geschäftsmodell hinter CARDWALL". Der dritte Teil geht über "Das CARDWALL Team im Lernprozess".

 

 

1. Nach dem wir nun Euch als Team kennengelernt und Euer Geschäftsmodell verstanden haben, interessiert uns etwas mehr die Gründungsphase und der Prozess bis heute. Wie habt Ihr Euch eigentlich gefunden? 

SL: Das ist relativ schnell erzählt. Als ich die Idee zu CARDWALL hatte und ich mir Gedanken über das Team machte, vielen mir sofort die beiden ein. Ich wollte Leute, denen ich vertrauen kann. Max kenne ich bereits seit ca. 10 Jahren, wir waren zusammen in der Schule, Martin seit ca. 6 Jahren. Ich habe sie gefragt und Sie haben gleich ja gesagt.

2. Welche Erfahrungen habt Ihr zwischen Mitte 2011 und heute gesammelt?

MB: Plane als Operativer im Gründerteam immer 50-100% mehr  Zeit ein, als du eigentlich denkst. Es kommt immer anders als man denkt. Der Mensch ist generell ein bequemer Mensch. Unter Druck arbeitet er aber besser und effektiver. Wenn er eine Deadline im Kopf hat, wird er bis zu dieser am Produkt arbeiten, meist sogar darüber hinaus. Es wird am Ende immer eng und stressig. Ich denke, das kennt jeder.

SL: Es gibt da einen Trick. Kommuniziere die endgültige Deadline nicht unbedingt an den/die Entwickler oder Produktiven im Team, und schaffe dir somit einen unsichtbaren Puffer und entspanne die Situation, das dürften die beiden jetzt aber eigentlich nicht lesen. Das Leben ist ein Deal. Vor allem die Business-Welt. Eine Hand wäscht die andere. So können in vielen Situationen Kosten gespart werden, indem man statt der Bezahlung eine Gegenleistung erbringt. Startups haben in der Regel wenig Geld aber genug Zeit. (16h am Tag) Dreistigkeit siegt auch hier wieder. Am Ball bleiben und nachhaken bzw. sich nicht einfach abspeisen lassen.

MG: Es ist nicht einfach, sich auf mehrere Dinge bzw. Projekte gleichzeitig  zu konzentrieren. Doch ohne geregeltes Einkommen ist es auch schwer ein Projekt voranzutreiben und man ist oft gezwungen neben dem Projekt noch andere Projekte zu bewerkstelligen, um sich zu finanzieren. Gerade wenn man keinen großen Puffer auf dem Konto hat. Diese Zeit muss mit in die Planung einfließen.

SL: Networking ist sehr wichtig. Mehr dazu bei Punkt 5.

3. Was würdet Ihr heute anders machen? Oder stellt sich diese Frage eigentlich gar nicht?

MB: Ich denke, das können wir erst sagen, wenn wir wirklich online sind und sehen was unsere Fehler sind. Aktuell denke ich, sind wir noch guter Dinge und denken, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Aber dieser Zustand kann sich schnell ändern. Wir werden also die Beantwortung der Frage also in ca. 4 bis 5 Wochen nachreichen, wenn ihr wollt.

4. Wie sieht es mit Investoren aus? Denkt Ihr an so einen Schritt oder fokussiert Ihr ein Wachstum aus eigenen Mitteln?

SL: Man sollte eine Finanzierung nie außer Acht lassen und auch frühzeitig die Kontakte knüpfen bzw. sich Gedanken darüber machen. Man weiß nie, wie sich die Lage entwickelt. Da eine Finanzierungsrunde unter Umständen mehrere Monate (je nach Summe) dauern kann, haben wir es auf jeden Fall auf dem Schirm. Aber ohne den sog. „Proof of concept“ macht es noch wenig Sinn in diesem Punkt konkret zu werden. Diese Zeit kann man sich erst einmal sparen, denke ich. Wir werden auf jeden Fall zunächst „bootstrappen“. Unser Business-Modell enthält ja Punkte, mit denen wir von Beginn an auch selbst Umsatz erzielen können. Wenn das ausreicht, werden wir selbst versuchen es zu finanzieren. Ein Startup aufzubauen ohne Anteile abzugeben und selbst entscheiden zu können ist, wenn möglich, der schönere Weg. Außerdem haben wir eine Idee die etwas außergewöhnlicher ist und im Detail keine direkte Konkurrenz hat. Sprich wir sind kein Copycat eines bestehenden Modelles. Da ist es nicht ganz so wichtig schnell zu wachsen. Bei Ideen mit viel Konkurrenz ist dieses Thema wichtiger, denn der ohne Finanzierung wird schnell im Haifischbecken der finanzierten großen Konkurrenten zerfleischt.

 

 

5. Was gebt Ihr anderen Gründern mit?

MG: Nimm Unterstützung in Anspruch wenn möglich. Es gibt verschiedene Programme und Möglichkeiten dein Startup zu „Bootstrappen“. Exist Gründerstipendium, Gründerzuschuss, usw. doch diese Mittel werden aktuell sehr stark gekürzt und es wird schwieriger und zeitaufwendiger an die Unterstützung zu kommen, und es ist ungewiss wie genau es mit der Gründerunterstützung weiter geht. Man sollte sich gut überlegen, ob es Sinn macht den Aufwand zu betreiben, um an den Zuschuss zu kommen, oder ob es mehr Sinn macht, anderweitig an Einkommen zu kommen. Bspw. wie bei uns über den einen oder anderen Freelancer-Job nebenbei. Denn der „Exist“-Antrag kann sich bis zu 6 Monaten hinziehen und viele Tage für Businessplan-Entwicklung in Anspruch nehmen, ehe er bewilligt wird. Und dann ist es noch nicht gewiss, ob er überhaupt durchgeht. Diese Zeit, die gerade am Anfang wichtig ist, wäre dann verloren.

MB: Glaub an deine Idee. Nur wer zu 100% hinter seiner Idee steht wird auch Erfolg haben. Lass dich auf keinen Fall von deiner Idee abbringen, vor allem nicht, wenn es Freunde sind, die nicht vom Fach sind, bzw. die keine Ahnung von dem haben, was genau dahinter steckt. Sie kennen das Business-Modell, den Markt und die Branche nicht gut genug und argumentieren rein aus deren eigener Sichtweise. Es heißt noch lange nicht, dass deine  Idee nicht funktioniert oder gut ist, wenn der Freundeskreis oder die Familie meinten, sie würden das Produkt nicht kaufen, oder den Service nicht nutzen.

SL: Eine kleine gezielt Nischen-Zielgruppe reicht oft aus, um erfolgreich zu sein. Da gibt es mehr als genug Beispiele. Denkt da einfach mal an euch selbst. Da gibt es mehr als genug Dinge im Netz, die ihr kennt und die funktionieren, welche ihr selbst aber nie nutzen würdet. 

MG: Halte die Szene und die Konkurrenz ständig im Auge. Einer der Gründer sollte zumindest die gängigen Startup Blogs oder Portale, die darüber berichten regelmäßig lesen, wie z.B. www.deutsche-startups.de, www.foerderland.de, www.gründerszene.de, www.critch.de, www.web2null.de, www.t3n.de etc.,um die wichtigsten zu nennen, falls noch nicht bekannt.

SL: Gehe frühzeitig mit deiner Marke / Idee an die Öffentlichkeit und erzähle davon. So brandest du deinen Namen schon vor dem Launch in die Köpfe und bringst die Dienstleistung / das Produkt in Zusammenhang mit deinem Namen.

MG: Wenn  ihr das gar nicht wollt, und ihr Angst habt, dass euch jemand die Idee klauen könnte, bleibt solange im „Stealthmodus“ (unsichtbar) bis ihr fertig seid. Diese Methode ist mittlerweile aber nur noch sehr wenig verbreitet. Kann in manchen Fällen jedoch durchaus Sinn machen. Holt euch trotzdem Feedback zu verschiedenen Entwicklungsständen aus dem eigenen Vertrauenskreis. Nichts ist wichtiger als ständig über die Ideen und das Vorhaben zu sprechen, um sich nicht zu verrennen. Wenn möglich auch von Leuten die im gleichen Umfeld tätig sind.

SL: Fange so früh wie möglich an zu Netzwerken. Ein gutes Netzwerk ist Gold wert. Die richtigen Leute zu kennen, macht vieles einfacher. Nimm jeden halbwegs interessanten Kontakt in dein Netzwerk (Xing, LinkedIn, Facebook, Twitter, G+) auf, auch wenn dir dieser im aktuellen Moment nicht weiter hilft. Du weißt nie, wann dir der Kontakt einmal weiter helfen kann. Mische dich unter die Startup Szene oder die Szene deiner Zielgruppe, die du ansprechen willst, wenn vorhanden. Es gibt in den größeren Städten wie München, Berlin, Köln, Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt viele Einrichtungen, die Startups unterstützen oder Networking-Möglichkeiten für Gründer anbieten, die manchmal gar nicht so einfach zu finden sind. Das ist zwar zeitintensiv, aber man kann dort sehr  viel mitnehmen und lernen und spart sich die Zeit z.B. mit den dadurch vermiedenen Fehlern wieder herein. Gründer die bereits hinter sich haben, was dir noch bevor steht und die aus erster Hand berichten können, sind einiges Wert. Sprich auch vorab bereits mit dem einen oder anderen Investor über die Idee und mach dich bekannt, auch wenn du noch gar nicht vor hast, eine Finanzierung anzustreben. Investoren legen Wert auf direkten Kontakt zu den Gründern und beobachten Projekte über lange Zeiträume, ehe Sie konkret werden.

Speziell für München kann ich für Gründer speziell aus dem Online-Bereich folgende Veranstaltungen und Anlaufstellen empfehlen. Im Bereich Networking gibt es z.B. Online Stammtisch, Echtzeit München (Gründer meets Investors), Social Media Club, Barcamp (open innovation), Bloggertreffen, Twittwoch, Webmontag, Isarnetz (1 Woche alles ums Web), Munich Beta (Gründer Meetup), Coworkingspaces (dort tummeln sich auch oft StartUps und Gründer), Cebit (Webciety oder „code_n“), Re:publica, Internet World Business, demexco, Next conference, DLD conference etc.

Zudem gibt es einige Institutionen für Gründungsinteressierte, wie z.B. SCE (Strascheg Center of Entrepreneurship), UnternehmerTUM und LMU Entrepreneurship Center. In die Gründerszene schnuppern bzw. Mitgründer zur Idee suchen und Idee entwickeln, z.B. beim Startup Weekend München, Stuttgart, Zürich oder beim Gründerbus und bei 3DayStartup. 

Ich habe auf Facebook angefangen, öffentliche Listen von Quellen (Facebookseiten – Newsstream) zum Thema zu erstellen, z.B. Conferences & Networking, Startup Finanzierung, Startup Gründer aus München
und andere Online Startups und Tools

 

Vielen Dank für dieses Interview und die interessanten Einblicke in Eure Gründungsgeschichte und Eure Lernkurve. Ich wünsche Euch viel Erfolg für den Start und für das anstehende Online-Business mit CARDWALL.

 

Das Interview führte Oliver Foitzik (Herausgeber AGITANO / Geschäftsführer FOMACO GmbH).

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.