Wirtschaft

China kämpft mit Schattenbanken, Immobilienblase und Kreditklemme

China besitzt mit 3,2 Billionen Dollar die größten Währungsreserven und gleichzeitig auch eine der höchsten Sparquoten der Welt.

Intern braut sich jedoch ein gigantisches finanzielles Problem zusammen, das aus drei mit einander zusammenhängenden Teilproblemen besteht: Ein kollabierendes Schattenbankensystem, eine überhitzte Immobilienblase und eine Kreditklemme für kleine und mittlere Unternehmen.

Der Zusammenhang besteht wie folgt: Im Zuge der Finanzkrise 2009 wurde ein gigantisches Konjunkturpaket auf den Weg gebracht, das vor allem den Bausektor befeuerte und damit die Immobilienblase im Reich der Mitte weiter nährte. 40% der Verbindlichkeiten aus diesen Großprojekten in Höhe von 1,2 Billionen Euro werden noch in diesem Jahr fällig. Allerdings dürften viele Regionen nicht in der Lage sein, alles zurückzuzahlen, was zu riesigen Löchern in den Bilanzen der Banken führen würde.

Die Banken sind zudem auch von offizieller Seite aus angewiesen, die Vergabe neuer Kredite drastisch einzuschränken. Einerseits muss die Geldmenge verringert werden, um der hohen Inflation von zuletzt 6,1% entgegenzuwirken, andererseits soll der Immobilienblase der Nährboden entzogen werden (sanfte Landung statt platzen) und nicht zuletzt sollen die Banken durch eine der höchsten Eigenkapitalquoten der Welt (20,5%) krisenresistenter werden.

Große Unternehmen kommen, beispielsweise über den Aktienmarkt aber nicht zuletzt auch über Beziehungen, weiterhin an neues Kapital. Viele kleine und mittlere Unternehmen müssen sich aufgrund der Kreditklemme das Geld jedoch von privaten Investoren leihen. Dadurch boomt das System der Schattenbanken, bei denen oftmals Zinsen von bis zu 60% fällig werden. Die hohen Gewinnchancen locken auch viele private Investoren an, da bei den Banken der staatlich festgesetzte Zinssatz kaum über der Inflationsrate liegt, was zudem Immobilien als Anlage noch attraktiver macht (rund 20% des chinesischen Anlagevolumens). Fallen nun einige Kreditnehmer aus kann das einen kaskadenartigen Schneeballeffekt auslösen, mit Verlusten für Millionen von Chinesen. Wenn jedoch das System der Untergrundbanken zusammenbricht, würde das in einem Teufelskreis wieder auf den Immobilienmarkt zurückschlagen. Laut einer Umfrage der Zentralbank zufolge sind rund 60% der Firmen und Privathaushalte Wenzhous in das System der Schattenbanken verwickelt.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat Peking nun mehrere Maßnahmen eingeleitet: Die Preisexplosion am Immobilienmarkt soll durch eine restriktivere Kreditvergabe eingeschränkt werden. Gleichzeitig soll die Kreditklemme für kleine und mittlere Unternehmen durch einen verbesserten Zugang zu staatlichen Krediten beseitigt werden. Die Banken sollen vor dem Risiko ihrer faulen Kredite aus dem Konjunkturprogramm bewahrt werden, indem ein Staatsfonds massiv Bankaktien aufkauft. Und schließlich soll das System der Schattenbanken beseitigt werden.

Sollten die Maßnahmen keine Wirkung zeigen, droht das gesamte Wachstumsmodell Chinas in Bedrängnis zu geraten.

Immerhin zeichnet sich zumindest bei der Immobilienblase zuletzt eine „sanfte Landung“ ab: Die Bauwirtschaft ist ein bedeutendes Rückgrat der chinesischen Volkswirtschaft. Zwischen 15-20% der Beschäftigten arbeiten in diesem Sektor. Durch die Immobilienspekulation haben sich die Quadratmeterpreise jedoch allein zwischen 2008 und 2010 mehr als verdoppelt. Auf das gesamte Land gerechnet sind die Immobilienpreise 2009 um 25% und 2010 um weitere 18% gestiegen.

Positiv stimmen jedoch folgende Fakten: Im Unterschied zu der US-Immobilienblase wurden in China kaum faule Kredite an private Personen vergeben, wodurch der Immobilienmarkt letztlich viel gesünder ist. Zum anderen werden in den nächsten vier Jahren 36 Millionen Wohnungen gebaut, um dem spekulativen Wohnungsbau die Grundlage zu entziehen. Zudem wurden auch die Kredite für eine zweite Immobile deutlich verteuert: Wer nach seinem Eigenheim eine zweite Immobilie über Kredit finanzieren will, muss hierfür über 30% Zinsen zahlen, zugleich wird auch ein deutlich höherer Anteil an Eigenkapital verlangt.

Die Maßnahmen haben zusammengefasst dazu beigetragen, dass die Immobilienpreise in diesem Jahr bereits wieder kontinuierlich zurückgingen – besorgniserregend wäre jedoch ein Absturz der Preise statt einem sanften Rückgang. Allerdings scheint nach den derzeitigen Entwicklungen eine sanfte Landung der Immobilienblase alles in allem wahrscheinlicher als ein plötzliches Platzen.

 

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