Wirtschaft

China will lieber europäische Firmen als Staatsanleihen kaufen

Chinas Währungsreserven beliefen sich Ende Juni 2011 auf 3,2 Billionen Dollar – der größte Staatsschatz weltweit. Die EU hatte kürzlich China dazu aufgerufen, mit einem Teil des Geldes Staatsanleihen europäischer Staaten aufzukaufen, um zu helfen, die Euro-Krise zu entschärfen. Nun hat der chinesische Handelsminister Chen Deming die chinesische Strategie deutlicher herausgestellt: Peking ist weniger an Staatsanleihen aus dem Euro-Raum interessiert, als vielmehr an einer Schnäppchenjagd auf europäische Firmen. Angesichts der Euro-Krise könnte Peking laut einiger Analysten sogar noch auf weiter sinkende Preise spekulieren und sich noch etwas länger in Geduld üben. Darauf deutet auch die Aussage Demings hin: Man werde 2012 eine Delegation entsenden, die den Handel und die Investments Chinas mit europäischen Ländern vorantreiben solle. Vorrangiges Ziel sei es, angeschlagenen Staaten deren Unternehmensbeteiligungen – die sie wegen der angespannten Finanzlage veräußern, beziehungsweise verramschen müssen – abzukaufen. „Wir werden das genau beobachten und vorantreiben.“

Der Vorsitzende des chinesischen Staatsfonds CIC, Lou Jiwei, hatte am Wochenende in der Londoner Times geäußert, China sei vor allem an Firmen interessiert, die am Ausbau der Infrastruktur in westlichen Ländern beteiligt seien, vor allem in Großbritannien. London wiederum hat erst gestern bekannt gegeben, 23 Milliarden Euro zur Ankurbelung der immer noch am Boden liegenden Wirtschaft in die Infrastruktur investieren zu wollen. Mit Hilfe eines Kniffs sollen die Investitionen dabei außerhalb des Budgets laufen, um den Sparhaushalt nicht zu verletzen.

Ministerpräsident Wen Jiabao hat Mitte September Chinas grundsätzliche Bereitschaft bekräftigt, Europa und den USA finanziell unter die Arme zu greifen und entsprechende Investitionen zu tätigen. Allerdings forderte Wen Jiabao ein Entgegenkommen der Europäer und der Amerikaner „in einer Weise, wie ein Freund einen anderen Freund behandelt“. So solle die EU China endlich als Marktwirtschaft anerkennen, was China in Handelsstreitigkeiten vor Anti-Dumping-Klagen schützen würde und zudem Voraussetzung für die Aufnahme in die Welthandelsorganisation WTO ist. Die USA sollten offener gegenüber Investitionen chinesischer Firmen sein und auch die Exportbeschränkungen für Hightech-Produkte in das Reich der Mitte aufheben.
 

 

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