Einsichten & Ansichten

Claus-Peter Schaffhauser: Sommerzeit – Mückenzeit!

… aus der Kolumne von Claus-Peter Schaffhauser: Nach dem Beitrag „Mindestlohn und Ablasshandel“ folgt nun „Sommerzeit – Mückenzeit!

Kaum ist man den Krallen von Väterchen Frost mit letzter Kraftaufwendung entkommen, kommen die nächsten Plagen auf uns gebeutelte Zeitgenossen zu.

Erst kommt die unnütze Zeitumstellung und mit den ersten Sonnenstrahlen und Nächten, mit Temperaturen kurz über dem Gefrierpunkt, wird das Fenster im Schlafzimmer wieder aufgerissen. Und wer sitzt da bereits in Lauerstellung auf dem Fensterbrett? Richtig. Ausgehungerte Mücken. Moskitos. Bevorzugt die asiatische Tigermücke, die in einem Arbeitsgang bei mir Dengue-Fieber und Malaria loswerden will.

Sie meinen, ich übertreibe und sei etwas hysterisch. ICH BIN HYSTERISCH!! So, what?

Tiger Mosquito / Bild: Wikilmages / Pixabay.com
Tiger Mosquito / Bild: Wikilmages / Pixabay.com

Das schlimmste ist aber die Tatsache, dass meine Frau in ihrem früheren Leben eine Mücke war. Und nicht etwa eine gewöhnliche Mücke, nein, sie war die Mutter aller Mücken. Sozusagen die Ober-Chefmücke. Und sie ist bereit mich zu opfern. Für eine höhere Sache.

Schon auf unserer Hochzeitsreise hätte es mir auffallen müssen, als sie mich in Mexiko in einen vollgelaufenen Kratersee locken wollte. Mit Engelszungen flötete sie: „Komm doch Liebling. Die paar kleinen Fliegen machen doch nichts. Es wird sicherlich ganz toll und erfrischend im Wasser sein. Und nur wir zwei. Wie romantisch. Nur Du und ich in diesem verwunschenen See!“ – Nichts wäre von mir übrig geblieben. Nichts. Und keine Zeugen. Schlau ausgedacht. Aber ich habe damals lieber die Flucht ergriffen und meine Frau ging alleine baden.

Seit Jahren versuche ich nun meine Frau davon zu überzeugen, ein Fliegengitter an unserem Schlafzimmerfenster anzubringen. Sie hat es mit vielen Argumenten vereitelt. Die ersten Jahre war es der wunderbare Blick auf die Alpenkette. Als diese Ausrede wegfiel, weil wir mit unserer großen Tochter das Zimmer tauschten, war es das Flugverhalten der lieben, kleinen, blutsaugenden Insekten. Nach Aussage meiner Frau, kommen die Biester NIE durch unser geöffnetes Schlafzimmerfenster, sondern die würden schon tagsüber über die geöffnete Küchentür, oder Kinderzimmer I und / oder II einschweben, oder auf Zehenspitzen durch die offene Haustür einschleichen. Und dann lauern sie da, sich winzig in die diversen Ecken drückend, auf ihre Stunde. Um sich dann wie ein Bombergeschwader im Formationsflug auf unsere erschöpften und vor Angst schwitzenden Körper zu stürzen. Also kein Fliegengitter. Schicksal. Kismet. Jedenfalls unabänderlich.

Heute Morgen wurde meiner großen Tochter und mir klar, dass das alles auf einem großen Plan basiert, der die Weltherrschaft der Insekten vorbereiten soll. Und der Kopf der Bande ist niemand anders als meine Frau, die Mutter unserer beiden Kinder. Deswegen auch die Ablenkungsmanöver. Sie dienen nur einem Zweck, die Ernährung von Generationen von Mücken durch unser süßes Blut sicher zu stellen. Nein, nicht das Blut von uns allen, sondern nur von mir und den Kindern. Notwendige Opfer für das große Ganze.

Manchmal behauptet meine Frau, sie sei auch von Mücken die ganze Nacht gestochen worden, aber ich habe bei ihr eigentlich noch nie einen geschwollenen, juckenden Mückenstich gesehen, während sich bei mir Quaddeln entwickeln, groß wie Badeseen. Das ist der Beweis. Mücken stechen keine Mücken.

Meine große Tochter und ich waren nun am überlegen, ob Mücken vielleicht Augen und menschliche Züge hätten? Die Theorie meiner Frau (der Mutter aller Mücken), besagt ja, dass die Mücken niemals durch unser offenes Schlafzimmerfenster kommen würden. Wahrscheinlich sind vor unserem Fenster Transparente gespannt, mit der Aufschrift:“ Hier kein Einflug! Kommen Sie bitte tagsüber durch die anderen Fenster und Türen!“ – Auf die Idee, dass diese Ungeheuer mit Fahndungsplakaten arbeiten, mit Bildern von mir und den Kindern, bin ich auch schon gekommen: „Hier leckere Opfer mit Blutgruppe XY!“ „Holt Euch Eure Bonuspunkte. – Nach nur drei Litern Blut gibt es den Goldenen Stechrüssel!“ So, oder so ähnlich dürften die Aufrufe lauten.

Jetzt, wo das schreckliche Geheimnis meiner Frau entdeckt ist, bin ich mir nicht sicher, wie ich mich verhalten soll, ohne ihren Verdacht zu erregen. Wenn ich mich offenbare, die Hosen quasi runter lasse, wird sie mich unweigerlich final aussaugen und meine leere Hülle den Hühnern zum Verschnurpseln vorwerfen. Meine Kinder wären ihr dann schutzlos ausgeliefert. Oder, auch kein schöner Gedanke, sie lässt mich in die Psychiatrie einweisen, um meinen schweren Verfolgungswahn behandeln zu lassen. Auch in diesem Fall könnte ich meinen Kindern nicht mehr beistehen.

Letzthin, als mich die Biester wieder bis auf’s Blut gepeinigt hatten, kam mir die Idee, ob ich nicht mit einer riesigen, selbstgebauten Fliegenklatsche dem Spuk ein Ende bereiten sollte. Sie wissen schon, was ich meine. Ich kann jetzt den Gedanken nicht laut aussprechen, damit „sie“ nicht mitbekommt, wie nahe ich „ihr“ schon auf der Spur bin.

Aber erstens müssten wir dann das Schlafzimmer neu streichen lassen, eine Aufgabe, die bisher meiner geliebten Mücke ääh Gattin oblag und zweitens bin ich mir nicht ganz sicher, ob weltliche Instanzen mir meine Theorie wirklich abnehmen würden. Die Folgen wären für mich grauenhaft.

Vielleicht sollte ich vorab mal in der Klinik in Windach, die sich auf psychosomatische Krankheiten und Wahnvorstellungen spezialisiert haben, nach einem Einzelbett fragen. Aber natürlich nur, wenn die Fenster mit Fliegengittern gesichert sind. Geheilt könnte ich dann später selig zu Hause unter einem Moskitonetz schlummern. Mit einem offenen Spalt auf meiner Seite, damit mich „ihre“ lieben Verwandten am Krankenbett auch besuchen können.

Ihr Claus-Peter Schaffhauser

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Zum Autor:

Claus-Peter Schaffhauser, Mindestlohn, AblasshandelClaus-Peter Schaffhauser war in mehreren Unternehmen verschiedener Branchen (Elektronik – Siemens, Informationstechnologie – HP, Befestigungstechnik – HILTI) in unterschiedlichen Führungspositionen tätig (u.a. EDV, Logistik, Vertrieb, Revision). Er berät seit 17 Jahren Kunden verschiedener Branchen in der Optimierung von Logistikprozessen (Lieferantenanbindung, Aufbau- und Ablauforganisation, Reklamationsmanagement) und in der Baustellenlogistik (Optimierung letzte Meile). Claus-Peter Schaffhauser spricht Deutsch und Englisch. In seiner Freizeit schreibt er Kolumnen und arbeitet als Künstler.

Marc Brümmer

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