Einsichten & Ansichten

Claus-Peter Schaffhauser: Von Schnecken lernen – heißt siegen lernen

 … aus der Kolumne von Claus-Peter Schaffhauser: Nach dem letzten Beitrag „Regionalflughäfen für „kleines Geld” – Gerechtigkeit für Oberwindach” nun „Von Schnecken lernen – heißt siegen lernen“.

Schon mal was von Satsuma caliginosa gehört? Nein, das ist keine Mandarinenart und somit auch kein fröhliches, spätes Nachläuten der Adventzeit. Satsuma caliginosa ist eine Schnecke und sie lebt auf Japan. Wo sonst.  Sie teilt sich diese friedliche Insel, die nur manchmal von Erdbeben, Tsunamis und zerstörten Atomkraftwerken heimgesucht wird, mit Pareas iwasakii. – Hier handelt es sich nicht um den besonders schnellen Typen eines Motorrads, sondern um eine Schlange.

Von Schnecken, Schlangen und nachwachsenden Hax’n

Wie es der liebe Gott so will, ernähren sich Schlangen, zumindest in Japan, von Schnecken. In Oberbayern z. B. kann es keine Schlangen geben, sonst hätten wir nicht so viele Nacktschnecken. Logisch, oder? Schnecken und Schlangen könnten sich in Oberbayern aber verbündet haben, um gemeinsam unsere fünf Kirschen zu fressen. Die sehen wir nämlich nur immer sehr, sehr kurz rot und leuchtend am Kirschbaum und kaum dreht man sich einmal um,  sind sie auch schon verschwunden.

Die japanische Schnecke hat sich jedenfalls einen Trick einfallen lassen, um ihr eigenes Kriechen zu verlängern und die Schlange Pareas iwasakii mächtig zu ärgern. Sie wirft in der Not einen Fuß ab, auf den sich dann Pareas iwasakii gierig stürzt, um schon nach wenigen Sekunden festzustellen, dass es sich nur um ein Appetithäppchen gehandelt hat. Wütend hört man sie zwischen zusammengepressten Kiefern so was wie „falsche Schlange“ zischen, aber da ist es auch schon zu spät, die Schnecke hat inzwischen schon humpelnd das Weite gesucht. Das Bein wächst übrigens nach und ist dann wieder wie „neu“

An der Stelle sollten sich mal die Bauern, Metzger und Wiesn-Wirte ein paar Gedanken machen, die Gold wert wären. Was für ein gigantisches Geschäft: das nachwachsende Hühnerbein bzw. die sich erneuernde Schweinshax’n. Man könnte Milliarden, ach was Millionen verdienen. Vielleicht gibt es auch für Politiker die nachwachsende Seele, sollten sie ihre dem Teufel oder der Wirtschaft verschrieben haben? – Aber ich schweife ab.

Siphopteron quadrispinosum hat jeden Tag Badetag, obwohl das bestimmt nicht gut für die Haut sein kann, ist aber bei Meeresnacktschnecken vielleicht etwas anders. Diese Schneckenart fällt durch wilden hemmungslosen S/M-Sex auf, den ich hier nicht näher in seinen Abarten erläutern möchte. Nur so viel: es scheint ihnen wirklich Freude zu bereiten, denn sie „treiben es“ nach Martin Luther nicht nur zweimal in der Woche, sondern praktisch dauernd. Nach meiner Theorie als anerkannter bayrischer Schneckenkundler, hat die männliche Meeresnacktschnecke wahrscheinlich nachwachsende Geschlechtsorgane – da kann’s ja jeder!

Um das bayrische Brauchtum zu fördern und sicherer zu machen, ich spreche hier vom „Fensterln“ sollte sich unser Verkehrsminister (sic!) Ramsauer und unsere Bildungsministerin Schavan vielleicht mal zusammen tun, um über zusätzliche Gliedmaßen, forschen zu lassen. Ein drittes Standbein, das wäre doch was? Würde die Standfestigkeit auf der Leiter wesentlich erhöhen. Vielleicht ergeben sich ja auch noch andere Möglichkeiten?!  In der Zeit des heimischen Forschens müssten sie dann auch nicht so häufig auf Reisen gehen und sich so für den Bundesbürger, der sich das schon lange nicht mehr leisten kann, stellvertretend aufzuopfern. Musste doch jetzt Frau Schavan persönlich in Chile verlauten lassen, dass Bildung „nicht vom Geldbeutel abhängen dürfe“.

Liebe Frau Schavan, für eine Ministerin, die die Studiengebühren praktisch erfunden hat, ein sehr offenes und ehrliches Wort, aber hätte es da nicht auch eine Postkarte getan? Muss man dafür wirklich um den halben Erdball fliegen?

Herr Ramsauer musste sich in 2,5 Jahren schon mehr als 50-mal von Frau und Familie trennen, um die Pünktlichkeit von Verkehrsmitteln auf den Kapverden oder Brasilien zu testen. Hauptsache Ausland. Eine Sprecherin Ramsauers erklärte, der Aufenthalt auf den Kapverden sei nur ein Tank-Zwischenstopp auf dem Weg nach Brasilien gewesen.  Der Mann opfert sich wirklich auf. Jedenfalls ist unser Verkehrsminister nicht dafür bekannt, dass er in der Fremde irgendwelche Schnecken „angräbt“. Er ist halt mehr der musische Typ, der auf Reisen gern mal ein Liedchen pfeift. Kulturminister, das wäre ein toller Job für Ramsauer gewesen, macht aber schon der Dingens, na, wie heißt er gleich wieder, genau, der Bernd Neumann.  Den kennt keine Sau, weil er nie verreist und den Chilenen keine guten Ratschläge vor Ort erteilt.

Die besonderen Vorteile des Einschleimens

Die Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris), die für 90 % der Fressschäden in unseren Gärten verantwortlich ist, schleimt so stark und bitter, dass natürliche Feinde sie meiden. Selbst Laufenten ersticken zuweilen an ihr. – Deswegen schleimen sich unsere Politiker wahrscheinlich bevorzugt in Wirtschaft und Industrie ein. Da haben sie von der Natur schnell und viel gelernt.
Aber was soll’s. Man muss auch gönnen können. Seitdem wir die Reisefreiheit mit der Wiedervereinigung errungen haben, gehen unsere Minister halt am liebsten auf Reisen. Vor allen Dingen die aus dem Westen. Die wissen am besten, dass ihr Mandat nur auf Zeit ist und da muss man, grad auf unwichtigen Ministerposten, für die Zukunft Sorge tragen und sich die Welt ansehen. Nur so kann man später mal in seinem Wahlkreis berichten, dass man persönlich mit eigenen Augen gesehen hat, wie Satsuma caliginosa ein Bein abgeworfen hat.

Ihr Claus-Peter Schaffhauser

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Über den Autor:

Claus-Peter Schaffhauser

Claus-Peter Schaffhauser war in mehreren Unternehmen verschiedener Branchen (Elektronik – Siemens, Informationstechnologie – HP, Befestigungstechnik – HILTI) in unterschiedlichen Führungspositionen tätig (u.a. EDV, Logistik, Vertrieb, Revision). Er berät seit 17 Jahren Kunden verschiedener Branchen in der Optimierung von Logistikprozessen (Lieferantenanbindung, Aufbau- und Ablauforganisation, Reklamationsmanagement) und in der Baustellenlogistik (Optimierung letzte Meile). Claus-Peter Schaffhauser spricht Deutsch und Englisch. In seiner Freizeit schreibt er Kolumnen und arbeitet als Künstler.

Weitere Beiträge des Autors:

– Claus-Peter Schaffhauser: H7N9 – Vogelgrippe in China – Panik in Oberbayern
– Claus-Peter Schaffhauser: Mindestlohn und Ablasshandel

Christoph Schroeder

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