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Corporate Trust Analyse zum „Insider“-Angriff auf Gasanlage in Algerien

[Bild: H. Peter Baumgartner / pixelio.de]

„Insider“-Angriff auf Gasanlage in Algerien: Sicherheitsmaßnahmen versagten auf breiter Front / Konsequenzen für Unternehmen und ihre ins Ausland entsendeten Mitarbeiter

Eine aktuelle Corporate Trust – Analyse beleuchtet die Ursachen für das Sicherheitsversagen in der algerischen Gasanlage des Energiekonzerns BP. Zudem soll aufgezeigt werden, welche Konsequenzen sich daraus für international operierende Unternehmen und ihre entsandten Mitarbeiter (Expats) ergeben.

Bei der Geiselnahme, deren blutiges Ende mindestens 38 ausländische Mitarbeiter das Leben kostete, setzten die Terroristen in hohem Maße auf das gezielte Ausspionieren von Insider-Wissen, um den Angriff vorzubereiten. Solches Wissen – z.B. über Sicherheitsvorkehrungen in der Anlage, Lagepläne, Notfall-Kommunikationskanäle sowie die dort anwesenden Mitarbeiter und Sicherheitskräfte  –  ist stets der „weiche Unterbauch“ jedes Unternehmens, der von Angreifern ausgenutzt wird, insbesondere in Hochrisiko-Ländern. Diese Informationen vor dem Zugriff durch Dritte zu schützen, muss eines der übergeordneten Ziele einer professionellen Unternehmenssicherheit sein. Was heißt das für die Sicherheit Ihrer Mitarbeiter im Ausland?

§  Die professionelle Auswahl von Sicherheitspersonal sollte oberste Priorität haben und ist keine Aufgabe, die durch das Facility Management zu erledigen ist. Das Erkennen von potentiellen „Maulwürfen“ in der kann auch nicht durch das Management eines Unternehmens wahrgenommen werden, sondern sollte von professionellen Sicherheitsberatern mit Kenntnissen über die örtliche Lage durchgeführt werden.

§  Der Einsatz örtlicher Sicherheitskräfte (Inländer) ist zwar kurzfristig wirtschaftlicher, bedeutet aber ein hohes Risiko für das Unternehmen, wenn es in dem Land eine hohe Zahl an Extremisten gibt, die für ihre effektiven Rekrutierungsapparate bekannt sind.

§  Es sollte ein Lagezentrum eingerichtet bzw. externe Dienstleister beauftragt werden, die Sicherheitslage an den weltweiten Standorten des eigenen Unternehmens zu beobachten. So wird im Falle kritischer Ereignisse, z.B. politischer Umstürze, Naturkatastrophen oder terroristischer Angriffe, Alarm geschlagen und Warnungen für betroffene Interessen des Unternehmens herausgegeben.

§  Darauf folgen erhöhte Sicherheitsmaßnahmen, die bereits vorab mit Hilfe sogenannter Risikoszenarien definiert wurden.

§  Ein professionelles Krisenmanagement sowie Kontakte zu örtlichen Behörden sollten frühzeitig eingerichtet werden, über deren Einbindung im Notfall erst intern entschieden wird und mit denen ggf. ein Eingreifen abgestimmt werden kann.

Wie intensiv das Unternehmen BP in Algerien ausspioniert worden war, lässt sich anhand der Insider-Kenntnisse erahnen, die die Terroristen hatten:

§  Den Angreifern war bekannt, dass eine große Anzahl ausländischer Expats in der Anlage tätig war. Zudem verfügten die Angreifer über deren Zimmernummern in den Wohngebäuden sowie Details über interne Abläufe der Anlage.

§  Ein Mann des Wachpersonals hatte nach dem Angriff die Seite gewechselt und sich an der Gefangennahme beteiligt.

§  Ein ehemaliger Fahrer der Betreiberfirma war auch unter den Geiselnehmern.

§  Gegen weitere vier Überlebende wird durch algerische Behörden bereits ermittelt.

§  Überlebende berichten von den ausgesprochen guten Englischkenntnissen der Geiselnehmer. Laut algerischer Regierung stammen die Mitglieder der 30-köpfigen Gruppe aus acht verschiedenen Ländern, darunter Kanada.

Marc Brümmer

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