Kolumnen

Das Ende des Ölzeitalters

Verendete Fische, arbeitslose Fischer, hilflose Ingenieure, ein angeschlagener Weltkonzern und ein schwacher US-Präsident, angeblich der mächtigste Mann der Welt. So stellt sich seit über fünf Wochen die vielleicht größte, von Menschen gemachte Umweltkatastrophe  der Menschheitsgeschichte dar.

 

Ganz unverdächtige Politiker wie Günther Öttinger als neuer EU-Energie-Kommissar fordern jetzt den raschen Umstieg auf Erneuerbare Energien und das Ende des Ölzeitalters. Erstmals sieht die Menschheit live im Internet und weltweit Öl-Wolken aus 1.500 Metern Tiefe, die alles Leben im Meer ersticken – ein symbolträchtiger Warnschuss für die gesamte Industrie-Welt, die noch immer am Tropf des Erdöls hängt wie ein Juncki an der Nadel.

 

Niemand kann sagen, er oder sie habe es nicht gewusst. Alle wissen, dass wir in den letzten Jahrzehnten so viel Erdöl verbraucht haben wie die Natur in 300 Millionen Jahren angesammelt hat. Was jetzt in den USA passiert, kann natürlich auch in der Nordsee passieren. Dort wurden 2008 über drei Millionen Tonnen Erdöl aus dem ökologisch sensiblen Wattenmeer vor Schleswig-Holsteins Küste geholt.

 

Das Wattenmeer ist Weltnaturerbe und eines der produktivsten und vielfältigsten Lebensräume der Welt. Muss dort nach Öl und Gas gebohrt werden? Oder sollten wir nicht doch etwas lernen aus der Katastrophe am Golf von Mexiko?

 

Nicht anders wie mit Öl gehen wir mit Atomkraft oder Kohle um. Wir wollen weiterhin Atomstrom produzieren, obwohl niemand weiß, wohin mit dem Müll und wir emittieren CO2 aus Kohlekraftwerken, obwohl wir wissen, dass wir so das Klima aufheizen.

 

Und das CCS-Verfahren, das CO2 unter die Erde pumpen soll, ist nicht weniger gefährlich als in 1.500 Metern Meerestiefe Erdöl zu fördern. Hauptsache Auto, Hauptsache Ölheizung, Hauptsache Atomstrom, Hauptsache Kohlekraft! Nach uns die Sintflut!

 

Wenn die Bundesregierung nur halb so viel Energie in den Ausbau der Erneuerbaren aufwenden würde wie in längere Laufzeiten von Atomkraftwerken wären wir schon weiter als bei 16 % Ökostrom in Deutschland.

 

Am Golf von Mexiko sehen wir täglich völlig hilflose und überforderte Ingenieure. Sie sind beim Erschließen der alten Technologien an ihre Grenzen gestoßen. Wenn dieselben Ingenieure sich mit ihrem Können und Wissen rasch den alternativen Energien zuwenden, kann die gesamte Welt in 25 bis 30 Jahren zu 100% erneuerbar sein.

 

Jeder Euro Investition in die alten Energien ist verlorenes Geld und ein Anschlag auf die Zukunft unserer Kinder und Enkel. Die Zukunft gehört den Erneuerbaren Energien und der Energie-Effizienz.

 

Quelle: © Franz Alt 2010

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