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Das Internet der Dinge ist bald Geschichte

Gerade haben wir uns an das Internet der Dinge gewöhnt – und jetzt sollen wir davon Abstand nehmen? Mit SHEnote-Speaker und Expertin für digitale Lebenswelten, Prof. Dr. Elisabeth Heinemann, sprachen wir im AGITANO-Interview unter anderem darüber, was insbesondere mittelständischen Unternehmen blüht, wenn sie die Zeichen der Zeit in puncto digitale Revolution verpassen. Aber auch, warum sie nicht jedem Hype hinterherhecheln müssen.

Frauen reden anders:
AGITANO-WebTalk mit den SHEnote-Speakers (Fr., 04.07.2014, 10:30 – 11:30 Uhr)

Es gibt was Neues auf dem Redner-Markt. Die SHEnote-Speakers. Dahinter stehen vier Power-Frauen: Nicola Fritze, Eva Loschky, Prof. Dr. Elisabeth Heinemann und Stefanie Voss. Wer mehr über sie erfahren möchte, dem legen wir unseren AGITANO-WebTalk mit den SHEnote-Speakern ans Herz. Am Freitag, den 04.07.2014, von 10:30 – 11:30 Uhr, werden sie mehr über ihr neues Projekt, Veränderungen im Speaker-Markt und was sie für die Zukunft vorhaben erzählen.

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Nicht jedem Hype folgen! AGITANO-Interview mit Elisabeth Heinemann

Schönen Guten Tag Frau Heinemann, bitte stellen Sie sich kurz vor.

Internet der Dinge, Interaktion
Dozentin für den im deutschsprachigen Raum einzigen Masterstudiengang „Mobile Computing“. (Foto: © Elisabeth Heinemann)

Ich grüße Sie, Herr Foitzik, und freue mich auf unser Interview. Zu meiner Person. Ich bin Expertin für digitale Lebenswelten. Das Thema fesselt mich gleich mehrfach. Zum einen leite ich an der Fachhochschule Worms den im deutschsprachigen Raum einzigen Masterstudiengang „Mobile Computing“. Des Weiteren bin ich mit den digitalen Themen als Rednerin und Kabarettistin unterwegs. Und ich schreibe darüber in entsprechenden Beiträgen und zwei Kolumnen. Von Hause aus bin ich promovierte Wirtschaftsinformatikerin und war viele Jahre als IT-Consultant tätig, bevor ich mich dann mit etlichen kommunikationspsychologischen Aus- und Weiterbildungen im Koffer selbständig gemacht habe. Ich war sechs Jahre Mitglied des Präsidiums der Gesellschaft für Informatik, bin Vorstand eines Netzwerks für Unternehmen aus der digitalen Wirtschaft, Kuratorin einer Bildungsstiftung und Aufsichtsrätin eines SAP-Dienstleisters.

Bei der Recherche zu diesem Interview habe ich eine Aussage von Ihnen gefunden, die wie folgt lautet: „Das Internet der Dinge ist bald Geschichte. Was unser Leben in Zukunft bestimmen wird, ist das Internet der Interaktion“. Was meinen Sie damit?

Die Entwicklung in Sachen Digitalität & Co. schreitet unglaublich schnell voran. Was gestern noch undenkbar schien ist heute bereits selbstverständliches Werkzeug. Denken Sie allein an die mobilen Endgeräte, mit denen wir völlig selbstverständlich überall – WLAN vorausgesetzt – ins Internet gehen. Im Augenblick sind wir gerade dabei, das Internet der Dinge, also miteinander vernetzte Alltagsgegenstände in unser berufliches wie privates Leben zu integrieren. Dass wir mit dem Tablet-PC den Rollladen zuhause steuern oder dass uns der Kühlschrank eine SMS schickt, wenn die Milch sauer ist, sind längst keine Visionen aus Raumschiff Enterprise & Co. mehr. Der nächste Schritt wird aber sein, dass wir mittels Internet nicht nur Dinge steuern, sondern komplette Prozesse initiieren und kontrollieren. Und das wird durch eine Mensch-Maschine-Interaktion ebenso getrieben sein, wie durch eine zwischen zwei Maschinen. Mit dem Internet der Interaktionen meine ich also nicht die durch die sozialen Medien ermöglichte Interaktion zwischen Unternehmen und Kunden, sowie den Austausch von Kunden untereinander, sondern quasi eine konsequente Weiterentwicklung des Internets der Dinge.

Sind die heutigen Unternehmen darauf überhaupt schon vorbereitet?

In der Breite sicher nicht. Wobei die Fokussierung auf Prozesse in Unternehmen schon lange eine große Rolle spielt. Prozessanalyse und -optimierung sind quasi „alte Themen“, die aber durch die Möglichkeiten von Internet und Sensortechnik, die für das Internet der Dinge notwendig ist, neue Impulse erhalten werden. Wir sind da sicherlich auf einem guten, aber auch sehr spannenden und herausfordernden Weg.

Vor welchen Herausforderungen stehen Unternehmen im digitalen Zeitalter?

Ich halte ja öfter Vorträge vor Mittelständlern und gerade da, wo ein Geschäft auch durchaus noch per Handschlag besiegelt wird, fehlt gelegentlich die Einsicht, dass die digitale Revolution längst auch schon in ihrer Branche angekommen ist. Und zwar intern wie extern, also beispielsweise HR-Themen betreffend ebenso wie Employer Branding oder neue Vertriebskanäle. Man fokussiert sich auf das Bewältigen der Fragestellungen von gestern, statt sich mit Lösungen für die Herausforderungen von morgen zu beschäftigen.

 

Digitale Rvolution
Unternehmen drohen zu verhungern! (Foto: © Elisabeth Heinemann)

Welche Chancen entgehen Unternehmen, wenn sie die Zeichen der Zeit nicht erkennen und sich selbst nicht weiterentwickeln?

Ich sage es ganz hart: Unternehmen, die nicht eine Brücke in eine digitale Zukunft bauen, werden auf ihrer analogen Insel verhungern. Die Vernetzung ist nämlich allumfassend. Das betrifft den Staat mit elektronisch versendeten Steuerunterlagen ebenso wie die HR-Prozesse oder das IT-unterstütztes Supply Chain Management. Neben Aspekten der Geschäftsprozessoptimierung spielt hier aber auch insbesondere die Kunden- und Serviceorientierung eine wichtige Rolle. Denn das Internet geht nicht mehr weg und wir, die wir noch mit Drehscheibentelefon und Kassettenspieler groß geworden sind, gehören im Grunde zu den letzten, die nicht „vernetzt“ aufgewachsen sind. Eine aktuelle BITKOM-Studie hat ergeben, dass die Kinder heutzutage ab einem Alter von zehn Jahren nahezu alle online sind. Das sind die Kunden von morgen. Und die bestellen nicht nur im Internet, die fragen auch via Facebook, wann denn die neue Jeans endlich rauskommt, schreiben auf Portalen, wie sie selbige finden und schauen sich auf YouTube den Imagefilm desjenigen Unternehmens an, bei dem sie vielleicht mal arbeiten wollen.

Muss ich als Unternehmen jedem Trend, auch im Internet, folgen? Oder was passiert, wenn ich einfach warte, bis der Trend vorbei geht?

Nein, man muss als Unternehmen sicherlich nicht jedem Hype folgen. Aber es kann durchaus geschäftsschädigend sein kann, sich nicht näher mit der Materie zu beschäftigen. Im Augenblick kämpft beispielsweise das eine oder andere DAX-Unternehmen damit, sich nicht rechtzeitig mit den beiden Trends Cloud und Mobile Computing beschäftigt zu haben. Beide sind längst mehr als Hypes, sondern dabei, sich fest zu etablieren. Die Zeit, die hier durch fehlende Weitsicht und unternehmerischen Innovationsgeist verloren wurde, ist in der Regel nur schwer wieder aufzuholen.

Wie Sie gerade erwähnten, liegt ein erhebliches Defizit im Bereich Mobile. Immer mehr Nutzer und Kunden sind mit Ihren mobilen Endgeräten im Internet unterwegs. Aber für mittelständisch-geprägte Unternehmen ist die digitale Welt teilweise noch Neuland. Was raten Sie diesen Unternehmen, wie sie sich für die Zukunft aufstellen und rüsten sollten?

Für jeden digitalen (aber auch sonstigen) Trend klären Sie als Unternehmer für sich idealerweise die folgenden Fragen:

– Was bringt es meinen Kunden heute, was wird es ihnen morgen bringen?
– Wie schaut es für die Kunden meiner Kunden aus?
– Sind die Nachfrager meiner Produkte überhaupt in den sozialen Netzwerken aktiv?

Und Last but not Least: Gehört beispielsweise die Zielgruppe meiner Produkte zu den Smart Natives, also denjenigen, die quasi rund um die Uhr online, also „always-on“ sind und sollte ich mich daher mit dem Thema „Location-based Services“ beschäftigen?

Und womit fange ich am besten an?

Vor allem einmal damit, die eigene Internetpräsenz auf „mobile“ umzustellen. Dafür gibt es mehrere Ansätze. Zum einen mittels des so genanntes Responsive Webdesigns. Das heißt, egal von welchem Endgerät – stationär oder mobil – ich die Seite aufrufe: sie wird zwar wahrscheinlich immer anders, aber immer optimal dargestellt. Oder man gestaltet eine eigenständige mobile Website, die dann erscheint, wenn der Aufruf über ein mobiles Endgerät, wie ein Smartphone, erfolgt. Das bietet mir die Möglichkeit den Fokus ein wenig anders zu legen. Ist die Website zum Beispiel Shop und Firmendarstellung in einem, könnte die mobile Version nur den Shop in den Vordergrund stellen. Oder man entscheidet sich gleich für eine Native App, also ein Anwendungsprogramm, das für die mobilen Endgeräte konzipiert ist. In jedem Fall sollten aber die oben schon aufgebrachten Fragen nach dem „wozu“ und „für wen“ beantwortet sein. Ein nicht durchdachtes „Wir brauchen jetzt mal `ne App“ ist sicherlich kein Grund, Geld für die Entwicklung einer solchen in die Hand zu nehmen.

Frau Heinemann, vielen Dank für das interessante Gespräch.

Das Interview führte Oliver Foitzik (Herausgeber des Wirtschafts- und Mittelstandsmagazins AGITANO).

Über Elisabeth Heinemann:

Internet der Interaktion
Prof. Dr. Elisabeth Heinemann: die Expertin für digitale Lebenswelten. (Foto: © privat)

Prof. Dr. Elisabeth Heinemann ist Informatikprofessorin, Vortragsrednerin und Kabarettistin. Die Expertin für digitale Lebenswelten beleuchtet in ihren Fachvorträgen vor allem den „Faktor Mensch“ in unserer digitalen Gesellschaft und wie wir die Komplexität des täglichen Seins in Arbeits- und Privatleben wirkungsvoll, nachhaltig und mit Humor meistern können.

Mehr über Elisabeth Heinemann erfahren Sie im Internet unter: www.frau-professor.de.

Über die SHEnote-Speaker:

Hinter den SHEnote-Speaker stehen die vier Power-Frauen Nicola Fritze, Eva Loschky, Prof. Dr. Elisabeth Heinemann und Stefanie Voss. In Teil 1 unserer AGITANO-Interviewreihe zu den SHEnote-Speaker sprachen wir mit Deutschlands Motivationsfrau, Nicola Fritze, unter anderem über den feinen Unterschied zwischen Rednerinnen und Rednern. In Teil 2, mit Deutschlands Stimmexpertin, Eva Loschky, über die Stimme als Tür- und Toröffner zum Erfolg und im vierten Teil, mit der Consultant und Coach zu den Themen Kommunikation und Leadership, Stefanie Voss, über gelungene Führung.

Mehr über die SHEnote-Speaker im Internet unter: www.shenote-speakers.de und im AGITANO-WebTalk „Frauen reden anders am Freitag, den 4. juli 2014 von 10:30 – 11:30 Uhr.

Christoph Schroeder

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