Kolumnen

Das Kolumnending: Banksy ist tot – Wollen Sie etwas kaufen?

… aus der wöchentlichen Kolumne von ElSchnuppero.

Die meisten von Ihnen werden diesen Typen namens Banksy nicht kennen, oder? Ist aber kein Problem. Banksy ist ein britischer Street Artist. Seine Schablonengraffiti wurden zunächst in Bristol und London bekannt. Nach und nach ist er zudem weltweit in anderen Ländern aktiv geworden, unter anderem in Australien, Deutschland, Israel, Italien, Jamaika, Kuba, Mali, Mexiko, Japan, Palästina, Spanien, Österreich, Kanada und den USA.

Banksy bedient sich der Taktiken der Kommunikationsguerilla, insbesondere was seine Inspirationsquellen betrifft und der Adbusters, um eine alternative Sichtweise auf politische und wirtschaftliche Themen zu bieten. Er verändert und modifiziert dabei oftmals bekannte Motive und Bilder. Er nahm Auftragsarbeiten für wohltätige Zwecke an (beispielsweise für Greenpeace) und gestaltete eine Reihe von CD-Covern u. a. für das Label  Wall of Sound sowie 2003 für die Band Blur. Neben seinen Schablonen-Graffiti hängt Banksy eigene Arbeiten auch ungefragt in Museen auf. Sowohl im Londoner Tate Modern, New Yorker Museum of Modern Art, Metropolitan Museum of Art, Brooklyn Museum, American Museum of Natural History als auch im Louvre hingen 2005 seine Arbeiten auf diese Weise. Im Mai 2005 wurde Banksys Version einer Höhlenmalerei, die einen jagenden Menschen mit Einkaufswagen zeigte, im British Museum gefunden.

Doch nun genug mit dem biografischen Kram. Sie sollten jetzt einen kleinen Überblick haben. Allerdings werden Sie sich wahrscheinlich immer noch fragen, was an diesem Typen nun so besonders sein soll. Ganz einfach: Die Wahrnehmung seiner Person in der Welt. Auktionshäuser erklären ihn für Gegenwartskunst, Prominente legen aberwitzige Summen für Originale hin, Touristen machen Führungen zu seinen Werken und im Internet werden einem an jeder Ecke die Kunstdrucke seiner Arbeiten für teuer Geld hinterhergeschmissen. Doch wo ist nun das Problem?

Banksy ist ein Straßenkünstler. Er agiert im öffentlichen Raum und nutzt dabei öffentliches Gut für illegale Kunstaktionen. Richtig: Graffiti ist illegal und somit ist es auch die Kunst von Banksy, die von der halben Welt geliebt wird. Und auch von mir.

Nun frage ich mich aber, wieso schaut die Welt wohlwollend auf die kritische und politische Kunst des Briten, rümpft aber beim Tag (gesprochen: täck) des Nachbarjungen am nächsten Laternenpfahl die Nase und schreit nach härteren Strafen für Vandalismus. Lieber Nachbar von der CDU: Wenn Banksy fetzt, dann fetzt auch der Rest. Alles andere ist pure Heuchelei. Kunst ist subjektiv und gerade Street Art gibt es in unzähligen verschiedenen Arten und Ausprägungen und nicht alles davon trifft den Mainstream-Geschmack der Auktionshäuser und Kunsthändler. Und das wird dann kategorisiert als Geschmiere, Gekritzel oder eben Vandalismus. Hat man sich also die Lunge nach härterer Bestrafung von Schmierfinken ausgeschrien, wird der 900 Euro teure Banksy an der Wohnzimmerwand gerade gerückt und die Welt ist wieder im Lot.

Das viele Menschen einen absoluten Widerspruch mit sich herumtragen, stört die wenigsten. Fakt ist jedoch, dass es hier kein feines und dezentes Graubild gibt, sondern lediglich schwarz oder weiß. Entweder man ächtet JEDEN Street Artist als gewissenlosen Schurken und Schmierfinken oder man schließt sich meiner Meinung an: Street Art is not a crime.

Banksy musste in dieser Kolumne leider etwas leiden, weil seine Werke in der Welt des Kommerzes zu begehrten Objekten aufgestiegen sind. Und das trotz all der Kritik an der Konsumgesellschaft, die der Künstler über seine Werke transportiert. (Wie fühlt man sich eigentlich, wenn man einen originalen Anti-Kommerz-Banksy für 60.000 Dollar kauft?) Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Banksys Herz am richtigen Fleck sitzt und seine Aktionen der Gesellschaft einen unverhüllten Spiegel vor das gierige Gesicht halten. Blöd nur, dass die Gesellschaft den Spiegel lieber kaufen will, anstatt hineinzusehen.

In diesem Sinne

Gez.: ElSchnuppero

2 Kommentare zu “Das Kolumnending: Banksy ist tot – Wollen Sie etwas kaufen?

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