Kolumnen

Das Kolumnending: Die Bundeszentrale für politische Bildung informiert… Heute: Extremismus

 

… aus der wöchentlichen Kolumne von ElSchnuppero.

Kennen Sie die Bundeszentrale für politische Bildung, kurz BPB? Nein? Nicht so schlimm. Die BPB wurde nach dem Zweiten Weltkrieg (1952) auf Drängen der Alliierten unter dem damaligen Namen Bundeszentrale für Heimatdienst gegründet. Ihr ausgewiesener Zweck bestand darin, dass dem deutschen Restvolke die Grundzüge und Vorteile der demokratischen Systeme beigebracht werden sollten. Über das Ergebnis kann man sicherlich diskutieren.

Im Laufe der Jahre hat die BPB nun also recht leise vor sich hin doziert, nur bemerkt von ein paar Politikstudenten und Bibliotheksmitarbeitern. Das hat sich mittlerweile aber geändert. Denn die sympathische Truppe aus Bonn hat den multimedialen Bereich für sich entdeckt, und Youtube. Denn dort veröffentlichten die dem Bundesinnenministerium unterstellten Aufklärer ein Video mit dem Titel „Ahnungslos – Was ist Extremismus?“. Treffender hätte man es nicht bezeichnen können.

Screen aus „Ahnungslos – Was ist Extremismus?“

Der Einstieg ins Video wird über die flapsige Floskel „Es herrscht Bombenstimmung in Deutschland“ generiert und gleich danach kommt der erste Burner: “Die Linken fackeln Luxuskarossen ab und die Rechten kontern mit den sogenannten Dönermorden.” Glückwunsch, liebe BPB. Dies suggeriert uns demnach, dass der Wert der zehn ermordeten Menschen ungefähr gleichauf mit einigen brennenden Luxusautos liegt. Plus oder minus einige Döner.

Doch damit nicht genug. Auch die allseits beliebte Extremismustheorie wird wieder einmal beschworen. Darin wird impliziert, dass die Ränder der Gesellschaft „böse“ sind, während die goldene Mitte engelsgleich den moralischen Superlativ bildet. (eine tiefergehende Auseinandersetzung mit diesem politisch legitimierten Konstrukt finden Sie hier) Doch damit nicht genug. Die Extremisten lassen sich mittlerweile nur noch sehr schwer erkennen. Früher trugen die Nazis Springerstiefel und Bomberjacken, die Linken bunte Haare und der islamistische Gürtelträger Bart und Turban. Doch Oh weh, mittlerweile, so beklagt das Video, seien die Nazis äußerlich identisch mit den Linken und auch die Islamisten hätten Bart und Turban abgeworfen. Wohin wird die Republik treiben, wenn sich die Linken nun Bärte wachsen lassen? Eine Horrorvorstellung.

Doch bevor ich Ihnen die ganze Spannung verderbe, kommt hier erst einmal das Video der Bundeszentrale für politische Bildung.

Dies war aber lediglich die aufgezeichnete Version. Die BPB hatte nämlich kurz nach Release auf den sofort über sie hereinbrechenden Shitstorm reagiert und das Originalvideo ersetzt.

Zudem veröffentlichte man ein längeres Statement, in dem man den empörten Zuschauern erst einmal eine ganze Menge Dummheit unterstellte: „Allerdings ist unsere Intention bezüglich des Videos offensichtlich nicht verstanden worden… .

Auch das lichterkarusell hat sich bereits ausführlich mit diesem regierungsnahen Statement beschäftigt und dabei folgendes treffend auf den Punkt gebracht: „Der Titel der Reihe “Ahnungslos” beschreibt dabei offenbar nicht nur die Zielgruppe, sondern auch die “politikdidaktischen und sozialpädagogischen Expertinnen und Experten”, die sich diesen Mist ausgedacht haben. Satire kann natürlich ein Mittel politischer Bildung sein und auch Comedy kann helfen. Lachen und Lernen müssen sich mitnichten gegenseitig ausschließen. Satire jedoch, zumindest im Sinne Tucholskys, arbeitet sich an den Mächtigen ab und gute Comedy macht sich über sich selbst lustig. Nichts davon verfolgt das vorliegende Video. Im Gegenteil, die staatstragende Veröffentlichung versucht ein krudes Verständnis von Satire zu etablieren, dass sich auf den Schultern von Minderheiten lustig macht. Bei Nazis und anderen Menschenfeinden ist das zu rechtfertigen, nur werden hier zu leicht zivilgesellschaftliche Akteure in deren strukturelle Nähe gebracht, so dass eine Unterscheidung bei mangelnder Kenntnis der Materie unmöglich wird. “Komplexitätsreduktionen” die nötig seien um den “medialen Rezeptionsgewohnheiten” der Angesprochenen Rechnung zu tragen werden hier denkbar falsch eingesetzt.“

Zudem hat man auf Publikative.org dem wissenschaftlichen Möchtegern-Hintergrund des Videos eine klare Absage erteilt: „Politologische und soziologische Studien wie z.B. die „Mitte-Studien“ der FES und die Heitmeyer-Studien „Deutsche Zustände“ haben längst ergeben, aber auch wie Wolfgang Wippermann und Christoph Butterwegge in „Total Extrem“ erläutern, dass der Extremismusbegriff zu ungenau für eine wissenschaftliche Analyse für Antisemitismus, Rassismus und (National-) Chauvinismus sei.

So ist vermeintliche linke Gewalt und Terror nicht mit rassistischen Gewalt und den NS-Verbrechen gleichzusetzen. Der Extremismusbegriff erschwert eine sachliche und ehrliche Analyse und Aufarbeitung von Antisemitismus und Rassismus, die eben auch in der so genannten Mitte der Gesellschaft verbreitet sind, aber auch eine ehrliche Ursachenanalyse von politisch motivierter Gewalt.“

Für all diejenigen hier dann noch einmal der schriftliche Mitschnitt:

[et_lb_box]Es herrscht Bombenstimmung in Deutschland. Die Linken fackeln Luxuskarossen ab und die Rechten kontern mit den sogenannten Dönermorden. Dazu kommen Sprengstoffgürtel aus einer ganz anderen Ecke. Aber warum zur Hölle müssen diese Extremisten ihren Privatkrieg hier im Restaurant an der Ecke oder an der nächsten Bushaltestelle abziehen? Wie sehen die eigentlich aus und wie erkennt man sie?

Die von rechts waren bisher immer leicht zu erkennen. Meist kurze bis sehr kurze Haare, festes Schuhwerk und Jacken, die sie irgendwie fülliger aussehen ließen als sie waren. Mittlerweile haben die sich den Normalos oder sogar den Linken angepasst und gehen mit ihrem neuen Look auf Mitgliederfang. Die Linken riechen ein bisschen besser, weil sie bei den häufigen Demonstrationen eine kostenlose Ganzkörperdusche genießen. Und der früher beliebte „Atomkraft – Nein Danke!“-Button ist bei denen auch länger schon nicht mehr Up-To-Date.

Apropos Button – auf den Zündungsknopf ihrer selbstgebastelten Rohrbomben drücken auch nicht nur bärtige Männer mit Turban. Es wird also zunehmend schwieriger, die Extremisten unser uns zu erkennen.

Generell unterscheidet man Rechtsextremisten und Linksextremisten. Die beiden Gruppen sind also an den Rändern der Gesellschaft. Damit sind die zwar sehr wenige, dafür aber umso lauter und aufmerksamkeitsbedürftiger.

Außerdem gibt es da noch die religiösen Extremisten. Seit dem 11. September 2001 sind vor allem die Islamisten in Erscheinung getreten, die an Allah als einzigen Gott glauben und auch keine andere Ordnung als die ihrer Religion, des Islams, tolerieren. Manche amerikanische Hardliner-Christen sind allerdings auch nicht ohne.

Vor dem Grundgesetz sind alle gleich. Extremisten sind aber davon überzeugt, dass ihre Überzeugung die allein gültige, wahre, selig-machende ist. Und manche von ihnen sind eben auch bereit, diese mit Gewalt durchzusetzen. Die anderen gehören ihrer Meinung nach rausgeschmissen, oder eingesperrt, oder sogar noch schlimmeres. Und das steht im Widerspruch zum Grundgesetz.

Ein Grundproblem besteht darin, dass manche Extremisten ihre Ansichten nicht durch Überzeugungsarbeit umsetzen wollen, da sie diese demokratischen Verfahren ihrer Meinung nach zu sehr einschränken. Genau die Fehleinschätzung schränkt sie allerdings meist noch viel stärker ein, als sie erwartet hätten.[/et_lb_box]

Fazit: Ich jedenfalls habe meine Lektion gelernt. Alle Menschen sind  potentielle Extremisten, die erst mein Auto anzünden und danach meinen Lieblingsdönerstand in die Luft jagen wollen. Doch wie lässt sich das verhindern, liebe BPB?

gez.: ElSchnuppero

 

2 Kommentare zu “Das Kolumnending: Die Bundeszentrale für politische Bildung informiert… Heute: Extremismus

  1. Hintergründe und Zusammenhänge zur

    „Bundeszentrale für politische Bildung“
    http://inrur.info/wiki/Bundeszentrale_f%C3%BCr_politische_Bildung

    2009 (bis heute !?)
    Ausstellung „Deutschland für Anfänger“ OHNE HOLOCAUST
    http://inrur.info/wiki/Ausstellung_%22Deutschland_f%C3%BCr_Anf%C3%A4nger%22
    der Bundeszentrale für politische Bildung
    und des Goethe-Instituts
    http://inrur.info/wiki/Goethe-Institut

    es wäre zu prüfen, ob die Ausstellung immer noch das „Sommermärchen“ ohne Shoa darstellt

    bei den Indyfadia Deppen
    wird eine deratige Ergänzung in den grauen Bereich verschoben
    http://de.indymedia.org/2012/11/338533.shtml?c=on#c776150

  2. Zunächst Danke für die Beschäftigung mit PolBil.
    Wie sich das verhindern lässt? Mit den gängigen Methoden kaum, so ist schon der Begriff „Politische Bildung“ eine unkorrekte Übersetzung von ursprünglich: „Civic Education“. Es würde funktionieren, wenn man auf breiter Ebene nicht einen memetisch-behaviouristischen (Erinnerungskultur, Betroffenheitspädagogik), sondern einen konstruktiv, non-linearen Zugang wählt, der die Neurowissenschaften berücksichtigt.

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