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Das sinnvolle Instrument Praktikum nicht diskreditieren! DIHK-Hochschulexperte Heidenreich im Interview

Das Schlagwort von der "Generation Praktikum" ist immer noch in aller Munde. Kevin Heidenreich, beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) für Hochschulpolitik zuständig, warnte jetzt in einem Interview davor, das wichtige Instrument schlechtzureden.

Hier das vollständige Gespräch mit dem Portal "karriere.de":

"karriere.de": Neue Umfragen und Studien belegen, dass junge Leute als Praktikanten wieder schlechter bezahlt werden, dass sie weiterhin dauerhaft befristete Arbeitsverträge fürchten, dass sie Angst haben, keinen passende Job zu finden und durch Bewerber aus dem Ausland verdrängt werden. Können Sie dieser Angst etwas entgegensetzen?

Heidenreich: Auch in der Krise müssen sich Hochschulabsolventen keine großen Sorgen machen. Ein Studium ist immer noch die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit, die Arbeitslosenquote ist seit Jahren konstant niedrig. 2010 lag sie mit 2,8 Prozent sogar deutlich niedriger als in den Jahren zuvor.

"karriere.de": Ist es aus Ihrer Sicht richtig, Praktikumsplätze auch nach dem Studium zu vergeben?

Heidenreich: Es gibt gute Gründe, auch nach einem Studium ein Praktikum zu absolvieren. Leider sind viele Studiengänge wenig praxisnah, so dass Absolventen praktische Erfahrungen abseits vom Studium machen müssen. Viele Absolventen wissen direkt nach dem Studium auch nicht, welche beruflichen Tätigkeiten zu ihnen passen. Ein Praktikum kann dabei helfen.

Und wenn jemand nach dem Bachelor einen Master machen will, dann empfehle ich denjenigen, zwischendurch erst einmal Praxiserfahrungen zum Beispiel in Form eines Praktikums zu sammeln. Mit diesen Erfahrungen kann man den persönlichen Wunsch-Master gleich viel gezielter auswählen.

"karriere.de": Ist diese Einstellungspraxis nicht auch eine einfache Methode, Bewerber kostengünstig auf Vollzeitstellen zu testen, anstatt hier die Probezeit anzuwenden?

Heidenreich: Nein, das ist nicht zulässig. Zwar gehört zu einem guten Praktikum auch das gemeinsame Kennenlernen, klar ist aber: Ein Praktikum ist ein Lernverhältnis und darf keine regulären Vollzeitstellen ersetzen. In dem Fall läuft der Arbeitgeber Gefahr, auf ein Arbeitnehmergehalt verklagt zu werden.

"karriere.de": Für kleines Geld sollen Praktikanten häufig vollwertige Arbeit leisten, ergab eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung. Eine aktuelle Umfrage von meinpraktikum.de untermauert dies. Wie stehen Sie als Verband dazu?

Heidenreich: Ich warne davor, eine ganze "Generation Praktikum" auszurufen. Alle repräsentativen Studien zu Praktika ergeben ein klares Bild: Die große Mehrheit ist zufrieden mit ihrem Praktikum. Hinzu kommt: Nur ein kleiner Teil der Hochschulabsolventen macht überhaupt ein freiwilliges Praktikum nach dem Abschluss – und auch diese sind in den meisten Fällen mit dem Praktikum zufrieden.

Wir setzen uns ganz klar für faire Praktika ein. Inakzeptable Einzelfälle dürfen aber nicht dazu führen, dass man das sinnvolle Instrument Praktikum insgesamt diskreditiert. Es besteht die Gefahr, dass die Unternehmen dann weniger faire Praktika anbieten, und das kann niemand wollen.

"karriere.de": Wie wichtig sind berufsrelevante Praxiserfahrungen bei der Rekrutierung? Sind sie in Zeiten des Fachkräftemangels weniger wichtig oder wichtiger denn je?

Heidenreich: Studien des DIHK zeigen regelmäßig, dass Praxiserfahrung sogar eine der wichtigsten Anforderungen der Unternehmen an Hochschulabsolventen ist. Der Hauptgrund für Trennungen innerhalb der Probezeit ist eine fehlende Verbindung des theoretischen Wissens mit der Praxis. Leider sind zu viele Studiengänge zu wenig danach ausgerichtet, was die Studierenden nach ihrem Abschluss machen. Wir werben deshalb sehr dafür, dass Unternehmen noch mehr gute und faire Praktika anbieten.

"karriere.de": Wie kommunizieren Unternehmen nach außen, dass sie Praktikanten nicht ausnutzen? Gibt es DIHK-Empfehlungen, dies zu tun? Besteht überhaupt Bedarf?

Heidenreich: Unternehmen achten immer mehr auf ihr Image als guter Arbeitgeber. In einigen Branchen und Regionen gibt es mittlerweile einen knallharten Wettbewerb um gute Fachkräfte. Da kann es sich kein Unternehmen erlauben, zukünftige Kandidaten schlecht zu behandeln. Das spricht sich zudem sehr schnell rum.

Der DIHK gibt Leitfäden für Praktika an die Unternehmen aus, die Hinweise zum Beispiel für die Einrichtung von Schülerpraktika oder auch Absolventenpraktika geben.

(Quelle: DIHK)

 

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