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Das Zahnpasta-Prinzip für Führungskräfte

… aus der zweiwöchentlichen Themenserie „Speak like a leader – Reden und Überzeugen als Führungskraft“ mit dem Unternehmensberater und international angesehenen Experten zum Thema Führung Lars Sudmann. Nachdem Sie im vergangenen Beitrag erfahren haben, wie Sie „auch virtuell als Führungskraft überzeugen“, geht es heute um Kommunikation – eine der vier wesentlichen Fähigkeiten für Führungskräfte des 21. Jahrhunderts und wie Zahnpasta dabei hilft, diese ideal einzusetzen.

Eine im Jahr 2010 durchgeführte Studie der American Management Association hat gezeigt, dass Kommunikation eine der vier wesentlichen Fähigkeiten des 21. Jahrhunderts sind und sein werden (Zusammen mit: Kreativität, Kollaboration/Zusammenarbeit und Kritischem Denken).

Wer kennt nicht die aufbrausende Führungskraft?

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Zahnpasta, die aus der Tube ist, ist nur schwer wieder hinein zu bekommen. Ein Prinzip, das Führungskräfte berherzigen sollten. (Bild: Alexandra H. / pixelio.de)

Wir brauchen mehr und mehr Kommunikation, um in dieser komplexen Welt Dinge abzustimmen und durchzusetzen. Die Studie hat allerdings auch gezeigt, dass Kommunikation jene Fähigkeit war, bei der die größte Lücke zwischen Wunsch (wie sich Unternehmen Kommunikationsfähigkeit wünschen) und Wirklichkeit (wie es um die Kommunikation wirklich steht) bestand beziehungsweise besteht. Und wer kennt sie nicht? Die Führungskraft, die aufbrausend jemanden im Meeting zurechtweist?

Eines der wesentlichen Werkzeuge und Prinzipien der Führungskommunikation ist meiner Ansicht das Zahnpasta-Prinzip. Was besagt das Prinzip? Ganz einfach: Wenn die Zahnpasta aus der Tube ist, ist es sehr schwer, sie wieder hinein zu bekommen.

Als Führungskraft vom Zahnpasta-Prinzip profitieren

Auch wenn wir es manchmal gerne wünschen würden: ein einmal ausgesprochenes Wort kann man schwierig wieder ungeschehen machen, besonders in einer Welt wo beispielsweise E-Mail-Kommunikation lange gespeichert wird („Was … ?!? Unverschämte Nachricht, was fällt dem Meier ein? Da schreibe ich gepfeffert zurück!“). Daher müssen Führungskräfte daran arbeiten, die richtigen Dinge zu kommunizieren und darüber hinaus manchmal auch nicht zu kommunizieren. Eine wesentliche Voraussetzung hierfür ist die Fähigkeit zur Selbstregulierung. Hier sind drei Strategien, mit denen Sie das Zahnpasta-Prinzip umsetzen können:

Strategie 1: S + R = E

Diese Formel steht für: Stimulus plus Reaktion ergibt das Ergebnis. Im Tierreich läuft Stimulus und Reaktion automatisch ab. Auch wir Menschen reagieren oft schnell und vorhersehbar. Aber wir haben die Fähigkeit, dazwischen zu gehen und bewusst zu handeln. Und diese sollten wir nutzen – vor allem bei emotionalen und schwierigen Diskussionen.

Während eines Coaching-Gesprächs mit einer Führungskraft kam heraus, dass diese in Meetings immer aufbrausend reagierte. Die Mitarbeiter fühlten sich dadurch sehr unsicher. Es wurde kaum noch diskutiert.

Wir haben dann eine einfache Strategie besprochen und umgesetzt: Wann immer die Führungskraft etwas hörte, nam sie sich vor, kurz innezuhalten und wie folgt zu zählen: „21, 22“ und erst dann zu antworten. Und schon kam es zu weniger aggressiven und spontanen Wutausbrüchen.

Eine einfache Strategie, die einen aber davor bewahren kann, dass man falsches herausschießt und nicht mit dem ersten Schwall von Emotionen antwortet. Was können Sie noch machen? Beispielsweise zehn Mal tief einatmen, bevor Sie auf den Senden-Knopf Ihrer E-Mail drücken. Oder noch besser: einmal über den Flur laufen, oder ums Gebäude. Oder die alte Bundeswehr-Regel befolgen: Beschweren erst am nächsten Morgen. So kann die Reaktion mit einem klaren Kopf erfolgen.

Strategie 2: Die vier Ohren – mit welchem Ohr hören Sie gerade?

Der Psychologe Professor Schulz von Thun zeigt in seinem berühmten Vier-Ohren-Modell jeweils unterschiedliche Arten der Interpretation auf, mit denen wir typischerweise eine Botschaft wahrnehmen. Stellen Sie sich vor, jemand kommt in ihr Büro und sagt: „Ihr Schreibtisch ist aber voll.“

Auf dem „Sach-Ohr“ hört man: „Ah, der Schreibtisch ist voll“; Auf dem „Du Solltest“-Ohr hören wir aber: „Ich sollte den Schreibtisch aufräumen“; Auf dem „Offenbarungs-Ohr“ hören wir: „Aha, für Müller sind aufgeräumte Schreibtische wichtig“; Und auf dem „Beziehungs-Ohr“ hören wir: „Müller denkt, mir etwas über mich sagen zu müssen – was fällt ihm/ihr ein!?“. Zu wissen, mit welchen „Ohr“ man gerade hört, kann einem helfen, die Diskussion in die richtige Bahn zu lenken.

Viele Konflikte und Probleme entstehen gerade auf dem Beziehungsohr. Sich dieses deutlich zu machen und dann besonders in der Antwort diese zwei Ebenen zu trennen sind die ersten Schritte hin zu einer entspannteren und effektiveren Kommunikation.

Strategie 3: Keine Annahmen

In einer Studie der University of Chicago von Professor Epler wurden Teilnehmer gefragt, wie sie den Ton einer E-Mail einschätzen. Viele dachten, sie könnten den Ton sehr gut einschätzen und wunderbar  „zwischen den Zeilen“ lesen. Aber in Wahrheit waren ihre Fähigkeit dazu nicht besser, als ein Münzwurf es gewesen wäre.

Gerade in der zwischenmenschlichen Kommunikation gilt daher: Keine Annahmen treffen. Wenn es in Ihnen hochkocht, sie schäumen vor Wut, dann fragen Sie lieber erst einmal: „Was genau meinen Sie?“ Sie werden überrascht sein, was passiert und wie die Antwort vielleicht von dem abweicht, was Sie im ersten Moment dachten. Im Englischen gibt es dazu den schönen Satz: “Never assume – because if you assume, you make an ass out of you and me.“

Versuchen Sie, diese Strategien einzusetzen, damit Sie das Zahnpasta-Prinzip richtig leben. Haben auch Sie Strategien zur Bekämpfung des Zahnpasta-Effekts? Falls ja würde ich mich freuen, von Ihnen zu hören.

Über Lars Sudmann:

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Speak like a leader – Reden und Überzeugen als Führungskraft (Foto: © Lars Sudmann)

Lars Sudmann ist der Leiter von Sudmann & Company, einem auf Führungssentwicklung und Change Management fokussierten Beratungsunternehmen. Er ist ein international angesehener Experte zum Thema Führung und hat über zehn Jahre Managementerfahrung, unter anderem als CFO von Procter & Gamble Belgien. Lars Sudmann zählt zu seinen Kunden namhafte Großunternehmen wie Roche, BNP Paribas, Shell, die Deutsche Post und viele mehr. Darüber hinaus berät er auch mittelständische Unternehmen und ist an der TU Braunschweig und der RWTH Aachen in der universitären Lehre tätig. Lars Sudmann hat als Redner selber zwei Mal bei TEDx-Veranstaltungen gesprochen und hat darüber hinaus viele Auszeichnungen erhalten, beispielsweise als Europameister der Rhetorik.

Mehr finden Sie im AGITANO-Expertenprofil von Lars Sudmann und im Internet auf www.lars-sudmann.com (inkl. Videos von ihm „in Aktion“).

Christoph Schroeder

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