Einsichten & Ansichten

Denken als Reflex … . Versuch über Ordnungssysteme und ihre Grenzen

Denken hilft nicht immer

Denken hilft sagt der Volksmund gerne. Sich in Zeiten wie diesen Gedanken zu machen, raubt unseren Kolumnisten, Ulrich B Wagner, jedoch regelrecht den Schlaf. Warum und was dagegen hilft, verrät er im heutigen Beitrag von QUERGEDACHT & QUERGEWORTET – Das Wort zum Freitag.

„Vor dem Gesetz steht ein Türhüter. Zu diesem Türhüter kommt ein Mann vom Lande und bittet um Eintritt in das Gesetz. Aber der Türhüter sagt, daß er ihm jetzt den Eintritt nicht gewähren könne. Der Mann überlegt und fragt dann, ob er also später werde eintreten dürfen. »Es ist möglich«, sagt der Türhüter, »jetzt aber nicht.« Da das Tor zum Gesetz offensteht wie immer und der Türhüter beiseite tritt, bückt sich der Mann, um durch das Tor in das Innere zu sehn … . Solche Schwierigkeiten hat der Mann vom Lande nicht erwartet; das Gesetz soll doch jedem und immer zugänglich sein, denkt er, aber als er jetzt den Türhüter in seinem Pelzmantel genauer ansieht, seine große Spitznase, den langen, dünnen, schwarzen tatarischen Bart, entschließt er sich, doch lieber zu warten, bis er die Erlaubnis zum Eintritt bekommt. Der Türhüter gibt ihm einen Schemel und läßt ihn seitwärts von der Tür sich niedersetzen. Dort sitzt er Tage und Jahre … .“

Franz Kafka, Vor dem Gesetz

“In one way, I suppose, I have been ‘in denial’ for some time, knowingly burning the candle at both ends and finding that it often gives a lovely light. But for precisely that reason, I can’t see myself smiting my brow with shock or hear myself whining about how it’s all so unfair: I have been taunting the Reaper into taking a free scythe in my direction and have now succumbed to something so predictable and banal that it bores even me.”

Christopher Hitchens, in der amerikanischen VANITY FAIR, September 2010

Es nervt

Manchmal wenn alles klemmt, nicht passen will. Wenn uns das ganze Leben per se als ein leidiger Murmeltiertag vorkommt. Wir vor unseren inneren Fernsehern hocken und uns stuporös morgens immer wieder Bill Murray zum Frühstück begegnet, spätestens dann … .

Spätestens dann … ? Spätestens dann ist es Zeit! Mag sein, dass es mehr als Zeit ist! Nur für was eigentlich? Und wenn wir da schon sind. Was macht eigentlich noch Sinn? Spätestens dann …?! Ist es Zeit. Nur verdammt nochmal für was eigentlich.

Es nervt. Wobei wir auch schon wieder mal am Anfang sind. Flüchtlinge hier, Flüchtlinge dort … . Es nervt!!!

Flüchtlinge stecken schon unter unserer Bettdecke und falls sie da noch nicht angekommen sind, wollen sie auf jeden Fall dorthin. Zuzutrauen wäre es ihnen ja, den Flüchtlingen oder nicht?

Scheiße aussehen und nicht mal was davon haben!?

Sie geistern durch das was uns heilig ist, rauben uns den Schlaf, zerstören unsere Träume und lassen uns morgens dann auch noch im Spiegel Scheiße aussehen und das Ganze auch noch ohne dass wir uns was zu Schulde gekommen haben lassen. Es ist einfach nur gemein oder nicht?

Was hat der auch unter meiner Decke verloren der Drecksack? Soll sich doch unter seine legen, verdammt nochmal und wenn er keine hat soll er sich halt eine stricken. So schwer kann das ja nicht sein, wenn man wirklich was will und sich dann auch noch anstrengt. Ich bin mir auf alle Fälle keiner Schuld bewußt.

Scheiße aussehen und nicht mal was davon haben!? Wo kommen wir denn da hin? Geht’s noch? Nicht mal die vergangene Nacht durchgezecht und durchgefeiert und sehen trotzdem so Scheiße aus, als ob. Warum bloß?

Scheiß Flüchtlinge halt. Jetzt sehen wir schon, Dank denen, aus als hätten wir eigentlich nichts anderes im Kopf als uns stuporös tagein, tagaus volllaufen zu lassen? Fühlen uns schlecht, ohne dass wir auch wirklich vorher was davon hatten. Was denken die eigentlich? Wir haben es ja nicht mal ordentlich krachen gelassen und bis zum Abwinken gesoffen, denn selbst das macht ja keinen Spaß mehr. Selbst das Champagnersaufen verdirbt er uns ja: der gemeine Flüchtling per se.

Wollen wir wirklich das Neue!?

Gemein ist er natürlich auch. Das Gemeine kann ziemlich gemein sein. Deutsche Sprache = schwere Sprache. Alles dreht sich im Kreis und wir uns mit und keiner lässt uns runter vom Drehstuhl. Absteigen geht halt auch nicht, wenn man nicht weiß, wo man seinen Allerwertesten dann hinsetzen soll. Es ist zum Kotzen.

Irgendwie muss das doch endlich aufhören. Es nervt nicht nur. Es kotzt sogar schon zurück oder um es ein wenig zivilisierter mit Nietzsche auszudrücken: Wenn man lange genug in einen Abgrund starrt, starrt der Abgrund auch in einen zurück.

Wollen wir wirklich das Neue!? Nur welches Neue und wenn dann bitte schön, das Neue nun mal gefälligst nötig ist, wie und woher soll es denn jetzt kommen: das Neue?

Der gemeine Flüchtling ist schon da

Es ist zum Mäusemelken. Es ist wirklich nur noch absurd. Jetzt sollen wir allen Ernstes auch noch Mäusemelken, kommt es dem einen oder anderen vor, wenn er sich die Diskussionen ansieht. Doch die Maus an sich ist unmelkbar, die verschwindet doch eh im Ansaugstutzen, dass müsste auch dem letzten linken Träumer endlich klar sein.

Dann doch lieber gleich die gute alte Falle ausgepackt?! Um was soll man sich denn noch alles kümmern? Was glaubt er denn eigentlich der Traumtänzer, der gemeine Flüchtlinge? Sind halt doch Brüder im Geiste: der Flüchtling und der Linke. Dass wir nix anderes zu tun haben? Ständig stört er und gibt einfach keine Ruhe. Egal wohin man auch blickt, egal wohin man auch geht, er ist schon da: Der gemeine Flüchtling.

Dann zerren wir ihn halt vors Gericht und wenn das nicht langt vor das oberste Gericht. Wenn alle Wege verschlossen scheinen, hilft halt nur noch der Rechtsweg oder nicht? Es ist kafkaesk. Da hocken wir nun wie der Mann vom Lande und der Türhüter lässt uns nicht durch. Was kommt nun als erstes? Das Gesetz oder das was es regeln soll? Die veränderte Paarbeziehung oder das geänderte Scheidungsrecht? Alle großen gesellschaftlichen Richtungsänderungen werden reflexartig vor das Gesetz gezerrrt.

Das hat Tradition

Ei oder Huhn, Huhn oder Ei, wer kommt jetzt nun als erstes? Die Demokratie oder der Rechtsstaat, die Freiheit oder das Kapital, das Gemeinsame oder das Gemeine? Darüber soll er doch mal, Bitteschön, nachdenken, der gemeine Flüchling, der, bevor sich in seine Nussschale setzt und sich in unser gemachtes Nest reinpaddelt.

Es hilft nix. Selbst der Kolumnist ist mit seinem großen Latein am Ende. Wobei wir auch schon bei dem wären, der es mir eingebrockt hat das große Latein. Der gemeine Lateinlehrer der, wenn er nicht in seiner Einfalt den einen oder anderen Satz gesagt hätte, der dann doch noch da ist, wenn ich nicht weiß was ich will und mich wieder in dem einen oder anderen „Ja, aber …“ oder doch wie durch Geisterhand verstrickt habe. Jungs, denkt immer daran: Man kann auch nicht ein bisschen schwanger sein. Entweder oder halt? Eure Mütter können wahrscheinlich ein Lied von Eurer Geburt singen, wenn sie sich wirklich erinnern und das Kommen des Neuen nicht in üblicher Weise wieder einmal weichspülen. Nix als Schmerzen und dann sieht der Balg in der Regel meist auch noch anders aus als gedacht.

Tja, hätte er jetzt gesagt, der gute alte Lateiner: Der Mensch denkt und Gott lenkt. Sehr witzig, wenn der gute alte Gott auch schon tot ist.

Vielleicht liegt es ja dann doch am Denken. Klar!?

Als ob es nicht schon ausreicht, soll ich vielleicht auch noch über das Denken nachdenken. Klar, der gemeine Flüchtling will jetzt auch noch unser Denken infrage stellen! Gehts noch? Der hat uns doch da hingebracht mit seinem Denken von einer besseren Welt, in die er sich dann auch noch selbst, ohne vorher mal richtig nachzudenken, reingepaddelt hat.

Dann machen wir es halt auch ohne groß nachzudenken. Bringt ja auch nix am Ende des Tages. Raubt einem dann auch nur zu allem Überfluss auch noch den Schlaf.

Wie soll man auch anders denken, wenn man nicht mal in Ruhe schlafen kann. Der gemeine Flüchtling macht wirklich vor nix Halt, der Drecksack. Und wenn es nicht reinpasst, wird es halt passend gemacht. Unter meiner Decke ist es auf jeden Fall voll. Selbst die Decke über den Kopf ziehen, hat ihn ja nicht aufgehalten, den gemeinen Flüchtling.

Reden soll ja helfen

Ich bin es wirklich leid und lass es jetzt dabei bewenden und red mal mit einem: Dem gemeinen Flüchtling.

Reden soll ja helfen, wie man sagt, vielleicht ist er ja dann auch nicht gemein, sondern doch ein wenig wie Ich, der gemeine Flüchtling, den ich nur aus Facebook, Fernsehen & Co. kenne. Kommunikation ist alles oder auch schon nicht mehr?

Doch für „echte Kommunikation“ muss man aber halt auch mal den Kopf aus dem Display oder Monitor rausziehen und den eigenen Arsch bewegen. Einen Tod werden wir sterben müssen. Im Moment haben wir noch die Wahl ihn uns auszusuchen. Hoffentlich nutzen wir den Augenblick, der uns bleibt.

In diesem Sinne, wünsche ich uns allen ein freudiges Aufstehen morgen früh. Vielleicht scheint ja dann auch die Sonne wieder. Wer weiß?

Ihr Ulrich B Wagner

Ulrich B Wagner

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