Kolumnen

Der Klimaschutz ist eine Chance

In dieser Woche hat der Chef des renommierten Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Professor Hans Joachim Schellenhuber, mitgeteilt, dass mit den bisherigen nationalen Bemühungen das Weltklima bis 2050 um bis zu vier Grad Celsius ansteigen werde. Der Weltklimagipfel in Kopenhagen ging noch von zwei Grad aus.

 

Fest steht schon jetzt, dass das letzte Jahrzehnt das heißeste der letzten 150 Jahre war. Vier Grad globale Erwärmung würde bedeuten: In den nächsten Jahrzehnten mehrere hundert Millionen Klimaflüchtlinge hauptsächlich aus Afrika nach Europa, eine starke Zunahme von Stürmen und Überschwemmungen auch bei uns, eine Wasserkatastrophe für drei Milliarden Menschen und Kriege und Bürgerkriege um fruchtbare Böden und Nahrungsmittel hauptsächlich in Afrika.

 

Immer mehr bewahrheitet sich die Befürchtung der Bundeskanzlerin, dass der Klimawandel zur Überlebensfrage der Menschheit wird. Vier Grad globale Erwärmung bis 2050 könnten acht Grad bis zum Ende des Jahrhunderts werden. Dann wäre unsere Erde nicht mehr der lebenswerte Ort, der er für die Menschheit bisher etwa eine Million Jahre lang gewesen ist.

 

Ich schreibe diesen Kommentar auf einer Expeditionsreise in der Antarktis. Hier wurde das Klima in den letzten fünf Jahren um 2,5 Grad wärmer. Auf dem sechsten Kontinent bricht das Eis immer häufiger und heftiger von den Gletschern ab. Das können wir täglich sehen und miterleben.

 

Noch vor zwei Jahren haben die Klimaforscher prognostiziert, dass der Nordpol ab 2050 im Sommer eisfrei sein werde. Jetzt sagen sie dieses Ereignis schon bis 2012 voraus. Die Klimaforscher müssen zurzeit ihre Vorhersagen jedes Jahr zum Negativen hin korrigieren.

 

Deshalb fordern Professor Schellenhuber und seine Kollegen, dass die EU wieder die Führung beim weltweiten Klimaschutz übernimmt, die sie bis zur Klimakonferenz in Kopenhagen vor einem Monat innehatte. Die Pleite dieser Konferenz geht vor allem auf das Konto der USA und Chinas.

 

Auf den nächsten beiden Klimakonferenzen in Bonn und Mexiko-City sollten die EU-Länder beschließen, bis 2020 gemessen an 1990 die Treibhausgase um 40% zu reduzieren – unabhängig vom Verhalten der USA und China. Klimaschutz ist nämlich keine Last, sondern zuerst eine Chance für künftige Generationen.

 

Quelle: © Franz Alt 2010

 

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