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Der König ist tot, es lebe der König! Was Führungskräfte von Jürgen Klopps Rücktritt lernen können

Gestorben ist er ja Gott sei Dank nicht, aber die Stimmung bei der Pressekonferenz von Borussia Dortmund zum Abschied von Jürgen Klopp, und speziell die Ansprache von Hans Joachim Watzke, hatte schon starke Ähnlichkeiten mit einer Grabesrede. Dessen Rücktritt ging durch alle Medien. Dabei ist es eigentlich doch wie im richtigen Leben: Alte Könige danken ab, neue kommen. Und ein freiwilliger Rücktritt zur rechten Zeit ist wesentlich besser als in Schimpf und Schande davon gejagt zu werden.

Der Krisenmanager, Strategie- und Fußballexperte Ernst Holzmann ist der Meinung: An Klopps Rücktritt können sich Führungskräfte ein Beispiel nehmen.

Aufhören, wenn es am Schönsten ist

Natürlich ist es immer etwas Besonderes, wenn eine Organisation über Jahre auf eine Person an der Spitze ausgerichtet war, herausragende Erfolge erzielte, der Verantwortliche von allen Beteiligten respektiert (vielleicht von manchen sogar geliebt) wurde und diese plötzlich ihren Rücktritt verkündet. Genauso außergewöhnlich ist es aber, wenn, wie im Fall Jürgen Klopp, Führungskräfte in Spitzenpositionen die Zeichen der Zeit erkennen, rechtzeitig den Platz für Veränderungen freimachen und mit ihrem Rücktritt freiwillig auf einen laufenden Vertrag verzichten. Viel zu viele Fälle gibt es, bei denen Geschäftsführer oder Vorstände regelrecht an „ihrem Sessel kleben“, meinen unersetzlich zu sein, und kein Gespür dafür entwickeln, dass sie nicht nur sich selber, sondern auch dem weiteren Erfolg der Organisation im Wege stehen. Ein Rücktritt zur rechten Zeit ist leider viel zu selten.

Ein ehrenvoller Rücktritt

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In Unternehmen und auf dem Platz: Wer das Tor nicht mehr trifft, für den ist es Zeit für den Rücktritt. (Bild: Benjamin Wiens / pixelio.de)

Am allerschlimmsten ist es, wenn bei diesem Verhalten hauptsächlich das liebe Geld eine Rolle spielt und ein Rausschmiss (mit einer entsprechenden Abfindung) einem geordneten Rücktritt in Ehren (aber ohne finanzielle Absicherung) vorgezogen wird.

Erfahrene Manager wissen, dass es ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr weiter geht, und dass es besser ist, rechtzeitig in Ehren und mit Applaus verabschiedet zu werden, als später mit lauten Pfiffen und mit „Schimpf und Schande“ vom Hof gejagt zu werden. Und genauso wissen sie, dass jeder Rücktritt – und vor allem die Form und die entsprechenden Begleitumstände – schon die Bewerbung für die nächste Aufgabe ist.

Wenn man nichts ändert, ändert sich nichts.

„Nach reiflichem Überlegen bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass ich nicht mehr der perfekte Trainer bin und ich den Weg für Veränderungen freimachen muss“. Die Beantwortung der Frage, ob man sich selber und andere noch motivieren kann, ist essenziell, um Menschen für gemeinsame Ziele zu gewinnen und ganz besonders, wenn neue Herausforderungen zu bewältigen sind. Ist die Antwort negativ und merkt man, dass man auf der Stelle tritt, die tägliche Arbeit auch keinen Spaß mehr macht, oder dass die Beteiligten nur noch „Dienst nach Vorschrift“ machen, ist es Zeit für den Rücktritt. Und die Erkenntnis „wenn sich die Zahlen nicht ändern, müssen sich die Gesichter ändern“, gilt überall. Egal ob „auf dem Platz“, oder im Büro.

Vorher überlegen macht nachher überlegen

Diese Geschäftserfahrung gilt gerade dann, wenn Geschäfte stagnieren und bisherige Methoden nicht mehr greifen. Da hilft dann auch nicht der Spruch von Oli Kahn („Immer Weiter, Immer Weiter“!), oder „wir müssen einfach härter arbeiten.“ Jetzt muss zum „Äußersten“ gegriffen und mal richtig nachgedacht werden. Was sind die eigentlichen Stärken, auf die man sich verlassen kann, wohin entwickeln sich die Märkte, welche Trends sind zu erwarten, wie ist die zukünftige Strategie darauf auszurichten und vor allem: Ist das vorhandene Personal den neuen Anforderungen gewachsen?

Der Alte und der Neue

Und wenn man feststellt, dass das Profil des aktuellen Verantwortlichen nicht mehr zu den neuen Herausforderungen passt, muss die Suche nach dem „Neuen“ entsprechend ausgerichtet werden. Was nützt z.B. ein „braver Buchhalter“ oder beinharter Sanierer an der Unternehmensspitze, wenn visionäre Vordenker gebraucht werden, die auch mit neuen Führungsmethoden junge und kreative Menschen anlocken und begeistern können? Umgekehrt ist der beste Visionär oft überfordert, wenn es im Überlebenskampf einer Organisation darauf ankommt, Prozesse zu optimieren, kurzfristige Erfolge zu generieren, oder sich nur noch auf profitable Geschäftseinheiten zu konzentrieren. Oder anders ausgedrückt: Zuerst muss die Herausforderung klar sein, das dafür benötigte Konzept stehen und dann erst der dafür benötigte „Kopf“ geholt werden, welcher die entwickelte Strategie konsequent mit allen Beteiligten umsetzt.

Analysieren – Bewerten – Entscheiden – Kommunizieren

Dies wäre der ideale Ablauf bei der Vorbereitung und Umsetzung von entsprechenden Entscheidungen. Viel zu oft ist aber zu beobachten, dass noch nicht getroffene Entscheidungen durch gezielte Indiskretionen je nach Motivationslage vorbereitet oder verhindert werden. Noch im Amt befindliche Verantwortliche beschädigen sich durch öffentlich ausgetragene Machtkämpfe gegenseitig (siehe den aktuellen Machtkampf bei Volkswagen zwischen Piëch und Winterkorn), die Organisation verliert durch fehlende Entscheidungen die Richtung und wird dabei oft sogar Handlungsunfähig. Und wenn zu viele Namen durch die Presse geistern, wird der „Neue“ oft nur als Notlösung betrachtet und startet dementsprechend schon mit einer schweren Hypothek. In professionell geführten Unternehmen werden deswegen notwendige Personal-Entscheidungen im engen Kreis vorbereitet, es dringt nichts nach außen, die Abstimmung mit zu berücksichtigenden Gremien erfolgt nach Plan und Entscheidungen werden „mit einer Stimme“ zum festgelegten Zeitpunkt verkündet.

„Was mich tröstet, ist, dass unsere Freundschaft bestehen bleibt.“ Und: „Der Verein ist größer als ich und wir alle zusammen.“ Diese Sätze von Watzke und Klopp bei dessen Rücktritt fassen perfekt zusammen, wie Personalveränderungen vorzunehmen und aufzufassen sind. Die Ziele einer Organisation stehen im Vordergrund, Veränderungen sind Teil des Lebens und wenn diese von allen Beteiligten professionell umgesetzt werden, kann man auch später noch gemeinsam ein Bier trinken gehen. Und das nicht nur am Borsigplatz in Dortmund…

Ihr
Ernst Holzmann

 

Über Ernst Holzmann

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© Ernst Holzmann

Ernst Holzmann ist Strategie- und Fußballexperte aus Leidenschaft. Er verbindet langjährige Erfahrungen aus der Wirtschaft mit denen aus dem Leistungssport und weiß, wie man sich nicht nur gegen starke Gegner „auf dem Platz“, sondern auch als Unternehmen im globalen Wettbewerb durchsetzt.

Mehr als 30 Jahre trug Ernst Holzmann Verantwortung in Konzernen und mittelständischen Unternehmen (u.a. Manager bei der Siemens AG, Niederlassungsleiter TNT Post in Frankfurt am Main). Heute unterstützt er als Interim Manager Unternehmen bei der Bewältigung von speziellen Krisen- und Veränderungssituationen, strategischen Neupositionierungen. Seine Erfahrungen gibt er als Dozent und Referent für die Themen Leadership, Unternehmensführung, Sportökonomie und Marketing an Studierende und in Unternehmens-Seminaren weiter.

In seiner Jugend war Ernst Holzmann erfolgreicher Kunstturner (Allgäuer Meister, Mitglied des Bayerischen Leistungskaders). Sein halbes Leben war er Fußballspieler und -trainer (mit DFB-Lizenz), Sportlicher Leiter und Vorstand in unterschiedlichen Vereinen (München, Berlin, Brandenburg). Seine Erfahrungen gibt er als Autor von Ratgebern und Lehrmaterialien über wirkungsvolle Strategie und Taktik und erfolgreiche Mannschaftsführung im Fußball weiter.

In seinen Publikationen und Vorträgen verbindet Holzmann die Erfahrungen aus seinen beiden Lebenswelten. Er beschreibt ausführlich und plakativ die Erfolgsfaktoren für wirkungsvolle Strategieentwicklung/-umsetzung und erfolgreiches Krisen-/Veränderungsmanagement – aus der Praxis für die Praxis. Der Schlüssel zum Erfolg liegt dabei in der Entwicklung einer begeisternden Mission, im intensiven Auseinandersetzen mit den Wettbewerbern und in der Fokussierung auf eigene Stärken. Da gerade Menschen den Unterschied zwischen Verlierern und Gewinnern ausmachen, sind das Formen und motivierende Führen eines schlagkräftigen Teams, sowie entschlossenes Handeln entscheidend für den Erfolg.

Mehr von und über Ernst Holzmann erfahren Sie unter www.ernstholzmann.com und auf seinem Fußball-Blog.

Kontakt unter: mail@ernstholzmann.com oder über XING

Katja Heumader

2 Kommentare zu “Der König ist tot, es lebe der König! Was Führungskräfte von Jürgen Klopps Rücktritt lernen können

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