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Der Mensch braucht den Stamm – Teil 1

… aus der inspirierenden Themenserie „ErfolgsRessource Natur – So heben Sie verborgene Leistungs- und Kreativitätsschätze Ihrer Mitarbeiter“ von Jörg Romstötter. Nachdem Sie im letzten Beitrag erfahren haben, wie Sie „Die natürlichen Rhythmen zur eigenen Hochleistung nutzen“,geht es heute in „Der Mensch braucht den Stamm – Teil 1“ um das Unternehmen als Sippe.

Den Menschen gibt es in verschiedenen Formen seit mehreren Millionen Jahren. Unsere Gattung, den Homo Sapiens, seit über 200.000 Jahren. Seit 40.000 Jahren ist unser Gehirn unverändert. Seit weniger als 1.000 Jahren beginnt der Mensch zunehmend in Städten zu leben. Bis dahin war es normal, in Sippen, Großfamilien und Stämmen zu leben, mit einer sehr engen und sehr verbindlichen Sozialstruktur. Diese Sippen und Großfamilien lebten zumeist auf sich allein gestellt als Jäger, Sammler, Bauern, Handwerker und Händler irgendwo in unendlichen Wäldern. Seit gerade einmal zwei Generationen ist die Kleinstfamilie die vorherrschende Lebensform. Seit nicht mal 20 Jahren kommunizieren wir digital mit geringer emotionaler Verbindlichkeit.

Die Macht der Gemeinschaft

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Der Mensch ist nur in der Gemeinschaft stark. (Bild: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de)

Bei der Erklärung des Massenphänomens Übergewicht, ist die evolutionsbedingte Unmöglichkeit, sich in so kurzer Zeit an geänderte Umstände anzupassen recht und billig. Geistig-emotional verlangen wir hingegen eine tag-genaue Anpassung. Wir können zwar denken, was wir tun, doch wir können es noch nicht fühlen. Der Mensch ist ein Gefühlswesen, das nach Spiritualität, höherem Sinn und inniger Gemeinschaft lechzt. Kein technisches Gerät kann das je liefern. Das müssen wir uns selbst geben.

Wir haben zu Gunsten einer noch nie da gewesenen wirtschaftlichen Entwicklung die emotionale Sozialstruktur aufgegeben, welche die Grundmotivation jedes wirtschaftlichen Fortschrittes ist. Der Sippenerhalt, die Stammeszukunft waren es, die den Menschen veranlasst haben, Kontinente zu entdecken und Kriege zu führen. In uns stecken viele Jahrtausende archaischen Erblühens individueller Fähigkeiten zu Gunsten der Gemeinschaft. Seit jeher zählte die Gemeinschaft mehr als der Einzelne. Dessen Triumph die Gemeinschaft förderte und ihn als Individuum auszeichnete. Es lag im ureigenen Interesse der Gemeinschaft, dass jeder seine „Berufung“ fand. Dass jeder seine Stärken zur Blüte brachte. Je besser dies dem Einzelnen gelang, desto mehr profitierte die Gemeinschaft. Heute überlassen wir das dem Einzelnen selbst. Wie groß das Bedürfnis quält, die eigene Berufung zu finden und auszuleben, das zeigen die unüberschaubar vielen Angebote dazu.

Unternehmen als Sippe?

Früher kümmerte sich die Gemeinschaft darum und entwickelte eine Vielzahl von Ritualen. Heute lassen wir jeden Einzelnen mit dieser Herkulesaufgabe allein. Jedes Unternehmen hat mindestens ebenso ein großes Interesse daran, dass jeder Mitarbeiter seine größten Stärken zum Ausdruck bringt wie dieser selbst. Wir haben keine Sippen oder Stammesstrukturen mehr. Doch wir haben Unternehmen, die diese Funktionen, wenigstens teilweise, übernehmen sollten – im eigenen Interesse. Denn ein Stamm in grauer Vorzeit war schlicht nichts anderes als ein Unternehmen. Bei allem Glücksempfinden des individuellen Auslebens fühlen wir uns erst richtig rund, wenn andere durch uns profitieren.

Wir verkennen momentan die gewaltige Macht, die in den Menschen als Stamm schlummert. Der Mensch will sich emotional für seinen Stamm verausgaben. Ja, er will sich irgendwo auch hingeben. Der Mensch will Bestandteil einer Gemeinschaft sein. Weshalb Mitarbeiter zumeist nur wenig echte Hingabe in der Arbeit zeigen, liegt auch an der Hire-and-Fire-Kultur. Wer entlassen wurde, der hat nicht einfach nur einen Job verloren, der wurde aus einer Gemeinschaft ausgestoßen. Das war früher schlimmer als die Todesstrafe. Natürlich haben wir heute keine wirklichen Existenzsorgen nach einer Kündigung. Doch innerlich zerbricht etwas. Zuerst bemüht sich der Mitarbeiter, die neue Firmenkultur anzunehmen und sich zu integrieren, seinen Platz zu finden und seine Fähigkeiten zur Geltung zu bringen, doch von heute auf morgen ist er nicht mehr gewollt. Das schockt jeden und untergräbt auf Dauer den Selbstwert, die Voraussetzung für dauerhafte Leistungsfähigkeit, Krisenfestigkeit und Kreativität. Wen das nicht schockt, der hat auch nicht wirklich engagiert gearbeitet und seine Berufung, seinen Stolz auf seine eigene Arbeit, noch nicht entdeckt.

Die Stammeskultur ist in uns

Die Urkräfte in den Mitarbeitern zu wecken und in wirtschaftliche Aktivität zu konzentrieren, ist Aufgabe der Führungskräfte. Natürlich im Rahmen und Behavior unserer heutigen Zeit. Das heißt nicht, wir sollen in archaische Strukturen mit entsprechendem Verhalten zurückfallen. Wir müssen nur bedenken, woher der Mensch kommt und anerkennen, dass er sich nicht innerhalb weniger Jahrzehnte komplett ändern kann. In jedem von uns pulsieren zig-tausend Jahre Stammeskultur.

Was ist Stammeskultur? Ganz einfach: Das Einstehen füreinander. Beim kleinsten Seitenwind sich von einander zu verabschieden, schafft unmöglich Vertrauen. Hingabe funktioniert nur mit Verlässlichkeit. Niemand gibt sich für eine Sache hin, wo ihm täglich der Boden unter den Füßen weggezogen werden kann.

Schrei nach Zugehörigkeit

Das Verhalten der nun in der Arbeitswelt aktiv werdenden Generation Z, einen Sinn in der eigenen Arbeit zu fordern und sich in Social Media zu verlieren, ist ein Schrei nach Zugehörigkeit und Hingabe. Die Familie wird wieder wichtiger als Geld und Karriere. Unternehmen, und damit in erster Linie Führungskräfte, müssen wieder Anführer im klassischen Sinne werden. Mit Leib und Seele Menschen zu gemeinsamen, wertvollen Zielen zu vereinen ist alleinige Führungsaufgabe. Es jedem Einzelnen zu ermöglichen, seine Stärken optimal zum Ausdruck zu bringen, ist eine vor allem emotionale Aufgabe. Das ist keine leichte Aufgabe, jedoch die Wirkungsvollste überhaupt. Wir müssen raus aus der Überkontrolliertheit, denn diese ermüdet jeden.

Für mich waren meine Leute immer „Meine Leute“ und niemals „unsere Mitarbeiter“ oder gar „die Mitarbeiter“. Jeden von ihnen betrachtete ich als Teil meines Stammes, als Teil von mir. Es hatte auch nie jemand gekündigt.

Im zweiten Teil dieser Betrachtung des Stammesverhaltens, das auch heute noch in uns ist, geht es in zwei Wochen um die Macht der emotionalen Führung und um Rituale, welche die Gemeinschaft fördern.

Über Jörg Romstötter:

ErfolgsRessource Natur
(Foto: © Jörg Romstötter)

Berge und Business sind die beiden großen Leidenschaften von Jörg Romstötter. In der zweitgrößten Agrarorganisation der Welt, den Maschinenringen, entwickelte er sich rasch vom Sachbearbeiter und Einsatzleiter für landwirtschaftliche Fachkräfte und Erntegroßtechnik zum Bereichsleiter mit Prokura. Nach einem einjährigen Abstecher in die Unternehmensberatung wurde er mit gerade 32 Jahren Vertriebsleiter und kurz darauf Geschäftsführer der neu gegründeten Maschinenring Personaldienste GmbH.

Während seiner Karriere diente die Natur zunächst nur als Erholungsraum nach fordernden Tagen und Wochen im Business. Dadurch lernte Romstötter sie als ErfolgsRessource kennen. Seither wendet der Speaker, Trainer und Coach diese Techniken Ziel gerichtet an, verfeinert sie und gibt sie an sein Publikum weiter.

Mehr über Jörg Romstötter auf seinem AGITANO-Expertenprofil und im Internet unter jörg-romstötter.com.

Christoph Schroeder

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